Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 13 ° Gewitter

Navigation:
Ein Gefühl wie bei Onkel Dagobert

Ärger um Münzgeld Ein Gefühl wie bei Onkel Dagobert

Ärger bei den Geschäftskunden der Volksbank Mittelhessen: Seit Juli müssen sie für Münzgeld eine Gebühr von 50 Cent je Rolle bezahlen. Die Bank sagt, sie mache nur tatsächlich anfallende Kosten geltend.

Voriger Artikel
Steuersünder erhält Bewährungsstrafe
Nächster Artikel
Nach 630 Unterrichtsstunden ist das Ziel erreicht

Die Volksbank Mittelhessen investierte in eine neue „Hartgeldstraße“, um das Münzgeschäft abwickeln zu können. Die OP besuchte die „Heiligen Hallen“.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Mehrere Geschäftskunden der Volksbank Mittelhessen haben sich bei der OP beschwert: In einem Brief hatte die Bank angekündigt, ab dem 1. Juli je Rolle Münzgeld eine Gebühr von 50 Cent zu erheben. Bedeutet: Auch eine Rolle mit 1-Cent-Münzen – Nennwert: 50 Cent – kostet genau diesen Wert als Gebühr.

Einige Kunden waren so verärgert, dass sie ankündigten, die Bank zu wechseln. Andere reagieren gelassen. So sagt eine Händlerin aus dem Ostkreis, dass sie nicht viele Rollen benötige – sie habe ihre Mitarbeiterinnen gebeten, mit dem Kleingeld hauszuhalten.

Doch warum führt die Volksbank plötzlich für eine ehemals kostenlose Dienstleistung diese Gebühr ein? Pressesprecher Dennis Vollmer erläutert auf Nachfrage: „Nach dem Rückzug der Landeszentralbank aus Gießen hat die Volksbank Mittelhessen mehr oder weniger die Bargeldversorgung für die Region übernommen.“

„Alle Münzen, die angenommen werden, werden durch diese Hartgeldstraße geschickt. Sie werden maschinell auf Echtheit überprüft – und auch auf Umlauffähigkeit, also darauf, ob sie beschädigt sind“, sagt Pressesprecher Dennis Vollmer von der Volksbank Mittelhessen.

Zur Bildergalerie

Man habe entsprechend in von der Bundesbank zertifizierte Anlagen investiert – und eine sogenannte „Hartgeldstraße“ gebaut. „Alle Münzen, die angenommen werden, werden durch diese Hartgeldstraße geschickt. Sie werden maschinell auf Echtheit überprüft – und auch auf Umlauffähigkeit, also darauf, ob sie beschädigt sind“, erläutert Vollmer. Dann werden die Münzen gerollt, eingeschweißt und wieder mit Geldtransportern zu den Geschäftsstellen gebracht. „Der Aufwand ist gegenüber früher, als man die Münzen noch selbst rollen konnte, immens gestiegen.“

Aus diesem Grund habe man sich dazu entschlossen, diese Dienstleistung nun zu bepreisen. Manfred Rücker von der Volksbank Mittelhessen ist quasi „Herr der Hartgeldstraße“. In dem Raum sieht es aus, wie im Geldspeicher von Onkel Dagobert: Kisten- und säckeweise stehen Münzen herum, und alle müssen schnellstmöglich verarbeitet werden.

Rücker erläutert, dass mit den neuen Maschinen die Münzen nur noch dreimal angefasst werden müssten – im Gegensatz zu zwölfmal zuvor. Die Investition der Volksbank beziffert er auf „deutlich mehr als eine Million Euro nur für den Münzgeldbereich“.

Die Investitionen seien nicht nur aufgrund der gesetzlichen Vorgaben nötig gewesen – auch das Volumen habe sich deutlich gesteigert: Etwa 5,5 Millionen Münzen werden bei der Volksbank Mittelhessen monatlich verarbeitet – „vor drei Jahren waren es noch 2,8 Millionen“, betont Rücker. Und es gebe auch Monate, in denen das Volumen sich nahezu verdoppele: „Beim Weltspartag und in den Sommerferien, wenn die Leute ihre Sparschweine schlachten“, sagt Rücker.

Statt nach Gießen nun nach Frankfurt

Rund ein Prozent der Münzen werde aussortiert – „wir bekommen noch viele D-Mark-Münzen oder auch Fremdwährungen. Und einige Münzen sind auch defekt“, sagt er und zeigt ein verbogenes 2-Euro-Stück. „Auch Schmuck haben wir in den Beuteln schon gefunden – Ohrringe, oder einen Ehering.“

Der Preis von 50 Cent je Rolle Münzgeld für die Geschäftskunden spiegelten lediglich die Kosten wider. „Wir haben den Weg der Münze verfolgt von dem Moment, wenn sie bei uns ankommt, bis zu dem Zeitpunkt, wo sie gerollt ist“, erläutert er.

Und auch die Logistik sei nun wesentlich aufwendiger geworden: Habe man früher das Hartgeld in Gießen nur „quer durch die Stadt zur LZB“ fahren müssen, führe der Weg nun nach Frankfurt – jede Fahrt koste rund 300 Euro.
Harald Rücker betont jedoch, dass die Kosten bei Münzgeld nur für Geschäftskunden anfalle – Vereine oder caritative Einrichtungen seien ebenso ausgenommen, wie Privatleute.

Er ist sich sicher, dass weitere Banken nachziehen würden – denn die gesetzlichen Vorgaben gelten auch für sie. Eine Nachfrage bei der Sparkasse Marburg-Biedenkopf ergab, dass dort das Rollen-Münzgeld für Geschäftskunden weiterhin kostenlos ist, wie Sprecher Michael Frantz erläutert.

von Andreas Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr