Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Ein Abenteuer auf staubigen Pisten

Wüsten-Rallye Ein Abenteuer auf staubigen Pisten

Urlaub hat etwas mit Erholung zu tun. Für die meisten Menschen jedenfalls. Larissa Lauber ist aber nicht „die meisten“. Sie wird bei der Rallye „Aïcha des Gazelles“ für das deutsche Handwerksteam an den Start gehen

Voriger Artikel
Schoeller entlässt 40 Angestellte
Nächster Artikel
Drei Betriebskulturen wachsen zusammen
Quelle: Privatfoto

Immer dann, wenn die Augenbrauen skeptisch hochgezogen werden, die Stirn  in Falten gelegt, sie von oben bis unten gemustert wird – immer dann kann sich Larissa Lauber ein Grinsen nicht verkneifen. Sie muss keine Gedankenleserin sein, um zu wissen, was dem ein oder anderen durch den Kopf geht, wenn die 23-Jährige von ihren Plänen erzählt. „Rallye will dieses junge Ding fahren? Sich mit einem Mercedes-Transporter durch die Wüste schlagen. Durch raue Natur? Ohne feste Straßen? Ohne Beschilderung? Niemals!“ – so steht es auf der Stirn vieler ihrer Gesprächspartner geschrieben. Larissa Lauber lacht die Vorurteile selbstbewusst weg.

Ja, sie wird bei der Wüsten-Rallye „Aïcha des Gazelles“ teilnehmen. Wird mit einer weiteren Fahrerin für das „Deutsche Handwerksteam“ starten. 2 500 Kilometer werden die beiden Frauen gemeinsam zurücklegen. Sich ihren Weg gemeinsam durch die marokkanische Wüste bahnen. Es geht nicht unbedingt um Schnelligkeit. Vielmehr um überlegtes und vorausschauendes Handeln und Planen. Die  Teams müssen ohne elektronische Navigationsgeräte den kürzesten Weg zwischen den einzelnen Stationen finden. Eine Herausforderung, die Larissa Lauber gern annimmt. Als Optikerin ist sie präzises Arbeiten gewöhnt. „Bei meiner Arbeit geht es tagtäglich um wenige Millimeter. Wenn ich also auf der Karte um einen Millimeter abweiche, dann ist das für mich  viel“, erklärt die Handwerksmeisterin.

GPS ermöglicht eine Übertragung der Fahrt

Vielleicht hat sie durch diese Einstellung das Ticket für die Wüstenrallye lösen können. Vielleicht durch ihre offene, niemals aber aufdringliche Art. Was genau die Jury bei einem Auswahlverfahren im Januar auf der Schwäbischen Alb überzeugte, wird Larissa Lauber nie erfahren. Fakt ist: sie hat sich gegen 100 Bewerberinnen aus ganz Deutschland durchgesetzt. Wurde gemeinsam mit der 30-Jährigen Sabrina Mayer in das deutsches Handwerksteam gewählt.

An ihrem umfangreichen Fachwissen, was Autos betrifft, wird es sicher nicht gelegen haben. Reifen wechseln. Das kann sie. Öl überprüfen und ein Lämpchen austauschen sowieso. Sich die Hände schmutzig machen, tüfteln – Ehrensache. Aber die 23-Jährige ist weit davon entfernt, eine Kfz-Expertin zu sein. Ihr kleiner Opel Astra fährt sie innerhalb Marburgs von A nach B. Das reicht ihr. Mehr will sie gar nicht.

Und jetzt das. Mit einem Mercedes-Transporter durch die Wüste. Fast auf sich allein gestellt. Mit Pannen, Patzern, Hitze und Irrfahrten. „Das Wichtigste ist, dass meine Teamkollegin und ich uns aufeinander verlassen können. Wir können nur gemeinsam ans Ziel kommen.“ Fast ein bisschen bedauernd fügt sie hinzu: „Wir werden da keine großen Geschwindigkeiten erleben. Es geht um vorausschauendes Fahren. Und  – wenn es darauf ankommt – auch spontanes Umplanen.“

Larissa Lauber wird navigieren, Sabrina Mayer fahren. Die beiden Frauen kannten sich vor dem Auswahlwochenende noch nicht. Jetzt werden sie im März zum bisher größten Abenteuer ihre Lebens aufbrechen. 300 Frauen aus aller Herren Länder nehmen an der  Wüsten-Rallye teil. Eine logistische Herausforderung. 300 Frauen wollen zur gleichen Zeit irgendwo in der Wüste ihr Zelt aufschlagen, wollen duschen, essen, sich ausruhen. Dass, darin ist sich die 23-Jährige sicher, wird das einzig wahre Abenteuer der ganzen Reise.

Ihr Chef, Christian Großmann, muss bei dieser Aussage in sich hinein lachen. Er weiß: seine Meisterin hat Biss, Durchsetzungsvermögen und sicher auch den nötigen Humor, um manch angespannter Situation mutig ins Gesicht zu lachen. „Ich unterstütze sie bei ihren Plänen. Das Handwerk ist so spannend. So facettenreich. Dieses Projekt zeigt doch, dass unsere Handwerkerinnen selbst solch verrückte Sachen können.“ Er wird die Wüstenrallye am Computer-Bildschirm verfolgen. Die Teams werden mit einem GPS-Signal ausgestattet sein. „Da kann jeder am Bildschirm sehen, ob wir falsch fahren, ohne es zu wissen“, weiß die Optikerin. Christian Großmann wird beobachten, wie sich seine Mitarbeiterin weit, weit weg in der Wüste Marokkos schlägt. Aufhalten – das wollte er sie nie. Er steht hinter ihr. Gekonnt hätte er es sowieso nicht: „Diese Rallye war für mich beschlossene Sache“, erklärt Larissa Lauber – und lacht.

Mehr Informationen zu dem Thema unter www.rallyeaichadesgazelles.com

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr