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Durchblick im „Dschungel der Rohre“

OP-Ausbildungsserie: Anlagenmechaniker Durchblick im „Dschungel der Rohre“

Dass die Systeme, die ein Gebäude erst bewohnbar machen, voll und möglichst energiearm funktionieren – dafür sorgt der Anlagenmechaniker.

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Vom Dach bis zum Keller: Als angehender Anlagenmechaniker behält Auszubildender David Valentin den Überblick über die gesamte Haustechnik – auch über Solaranlagen.

Quelle: Ina Tannert

Kirchvers. Heizung, Wasser, Lüftung, Haustechnik – fast in allen Bereichen der Grundversorgung eines Gebäudes hat der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik seine Finger mit drin, vom Keller bis zum Dach dreht sich alles um Installation und Betrieb. Aus den unterschiedlichen Einzelteilen und dem Inventar von Wasser- und Heizungsanlagen baut er ein funktionierendes System, sorgt dafür, dass alles planmäßig hinein oder hinaus kommt.

So wie bei der Rühl Solar GmbH in Kirchvers. Der Installationsbetrieb entstand, indem sich Elektro-Rühl auch auf die Solartechnik spezialisierte und einen eigenen Betrieb abspaltete. Das Unternehmen kennt sich aus im Photovoltaik-Bereich, ob eine kleine 20-Quadratmeter-Anlage auf dem Dach bis hin zur Einrichtung eines leistungsstarken Solarparks.

Heute macht der Solarbereich als ehemaliges Standbein der Firma rund 50 Prozent vom Gesamtanteil aus. Im Heizungs- und Sanitärbereich wächst hingegen die Nachfrage, ist mittlerweile der betriebliche Schwerpunkt der 15 Mitarbeiter, erklärt Inhaber Wilfried Rühl.

Job vereint zahlreiche Berufsfelder in sich

Einer von diesen ist der Auszubildende David Valentin. Der 30-Jährige ist gerade fertig mit der Lehre, wartet nur noch auf das letzte Prüfungsergebnis. Er hat seinen Wunschberuf etwas spät gefunden, arbeitete einige Zeit als Drucker im Ausland und entschied sich schließlich für ­eine Umschulung.

Heute freut er sich über das breite Spektrum aus Handwerk und Elektronik, das seinen neuen Beruf ausmacht, beschäftigt sich viel mit Steuerungstechnik, hydraulischen Plänen oder Geothermie. „Die Arbeit ist wie ein Mix aus Elektroniker, Klempner und Heizungsbauer, man muss schon im Vorfeld gleich das gesamte Gebäude kennen“, beschreibt Valentin seinen vielfältigen Job.

Als Anlagenmechaniker installiert er Wasser- und Luftversorgungssysteme, baut Sanitäranlagen wie Badewannen, Lüftungsanlagen oder Trinkwasserstationen bei seinen Kunden ein, montiert ganze Heizungssysteme und kümmert sich um alle Anschlüsse.

Dazu richtet er die elektrischen Komponenten ein, bearbeitet die Armaturen, Rohre, Bleche und Profile aus Metall oder Kunststoff – maschinell, aber auch manuell. Fingerfertigkeit und ein gutes Vorstellungsvermögen der komplizierten An- und Verbindungen aller großen und kleinen Einzelteile sind dabei hilfreich.

Technisches Verständnis ist das A und O

Anlagenmechaniker behalten die Übersicht über den verzweigten Dschungel aus Rohren, Kabeln oder Ventilen. Bei der Justierung der Steuerungselemente und Regler achtet er auf optimale Einstellwerte, um etwa eine angemessene Wärmeleistung bei möglichst geringem Brennstoffverbrauch herzustellen.

Bei Rühl Solar plant und installiert David Valentin ebenfalls Solaranlagen zur Brauchwassererwärmung, überwacht die Montage der Kollektoren auf dem Dach, deren Anbindung zum Speicher im Keller samt aller Verbindungen an das Speichersystem. Technisches Verständnis ist für angehende Experten dabei das A und O, „Mathematik und Physik haben eine große Bedeutung, ohne geht es nicht“, sagt er.

Auch besonders ausgetüftelte Systeme gehören dazu, so brachte seine Firma etwa die Photovoltaik-Anlage auf der neuen Marburger Stadthalle an, versteckt und unsichtbar im eigentlichen Dach. Bei der Arbeit gilt es, stets klare Vorschriften einzuhalten, Brandschutzbestimmungen zu bedenken und auf geringe Energiekosten zu achten.

„Vertrauen ist wichtig bei jedem Kunden“

„Es muss immer mehr Energie gespart werden, eine Anlage muss stets wirtschaftlich und rund laufen“, erzählt Valentin. Auch der Umgang mit Kunden gehört fest zum Berufsalltag. Die wollen beraten werden, hilfreiche Tipps vom Fachmann einholen und in die Bedienung ihrer Anlagen eingewiesen werden. „Vertrauen ist wichtig bei jedem Kunden“, weiß der Azubi.

Aufgrund der vielfältigen Einsatzbereiche in diesem Berufsfeld wählen Anlagenmechaniker schwerpunktmäßig bestimmte Module, darunter Fachgebiete wie Trinkwasser, Wärme, Lüftung oder erneuerbare Energien, in denen sie auch geprüft werden.

Die duale Ausbildung sowohl im Handwerk wie in der Industrie dauert regulär dreieinhalb Jahre. Durch seine Vorkenntnisse im Berufsleben konnte sich Valentin ein Jahr davon sparen. Über seine Entscheidung ist er bis heute froh, „es ist ein anspruchsvoller, schöner Beruf – die Arbeit ist wichtig, und das sollte man stets ernstnehmen“, fasst er zusammen.

Nachwuchs wird händeringend gesucht

Auf dem Ausbildungsmarkt ist der Nachwuchs gefragt, zu wenig Lehrlinge entscheiden sich für den Beruf des Anlagenmechanikers: „Den Fachkräftemangel spüren wir deutlich und immer stärker“, sagt der Chef. Rühl ist es wichtig, die eigenen Mitarbeiter traditionell im eigenen Betrieb auszubilden, auf die eigenen Schwerpunkte einzustimmen. Derzeit ist noch eine freie Ausbildungsstelle für angehende Anlagenmechaniker bei der Rühl Solar frei.

Informationen zu freien Ausbildungsstellen im Landkreis gibt es bei der Arbeitsagentur: ­Kontakt unter Telefon 06421 / 605212 oder per E-Mail unter marburg.arbeitgeber@arbeitsagentur.de

von Ina Tannert

 
Top 10 freie Ausbildungsstellen

Kaufmann – Einzelhandel (40)
Fachverkäufer – Bäckerei (16)
Anlagenmechaniker SHK(14)
Hotelfachmann (13)
Maurer (9)
Fleischer (7)
Fahrzeuglackierer (6)
Dachdecker(6)
Fachkraft – Gastgewerbe (5)
Fachlagerist (2)

Stand: 24. Juni, Quelle: Agentur für Arbeit

 
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