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"Droht in Marburg die Privatisierung zu scheitern?"

Deutschlandfunk-Gespräch "Droht in Marburg die Privatisierung zu scheitern?"

Der Radiosender Deutschlandfunk hat am Mittwochmorgen live aus dem Universitätsklinikum in Gießen gesendet. Die große Frage:  „Privatisierte Uni-Kliniken – droht in Gießen-Marburg das Scheitern?“

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Deutschlandfunk-Moderator Moderator Christian Floto (2. von links) im Gespräch mit Martin Menger (links), Eva Kühne-Hörmann und Professor Hans-Peter Howaldt am UKGM-Standort Gießen. Im Hintergrund demonstrieren Mitarbeiter mit den bekannten gelben Plakaten.

Quelle: Katharina Kaufmann

Gießen. Im Foyer des Standortes Gießen der Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) GmbH herrschte am Mittwochvormittag reger Betrieb. Patienten kamen und gingen, meldeten sich an und ab – und der ein oder andere legte eine kurze Pause ein, um zu lauschen, was direkt neben dem Treppenaufgang so eifrig in Mikrofone gesprochen wurde.

Der Radiosender Deutschland-Funk übertrug aus dem Klinikum-Foyer seine eineinhalbstündige Sendung „Länderzeit“. Mit der Fragestellung „Privatisierte Uni-Kliniken – Droht in Gießen-Marburg das Scheitern?“ setzten sich der Vorsitzende der UKGM-Geschäftsführung Martin Menger, der Sprecher der Klinikdirektoren Professor Hans-Peter Howaldt, Rüdiger Strehl vom Verband der Uniklinika Deutschland, Hessen Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann, Verdi-Gewerkschaftssekretärin Marita Kruckewitt, Dr. Ute Stüwe vom Marburger Bund und die Journalistin Jutta Rippegather auseinander.
Dürfen Kliniken Gewinne erwirtschaften?

„Wenn das Land Hessen die Entscheidung zur Privatisierung nicht getroffen hätte, hätten wir einen Klinikstandort schließen müssen“, verteidigte Kühne-Hörmann den Verkauf der Uniklinika Marburg und Gießen an die Rhön-Klinikum AG. Und Martin Menger betonte: „Ganz einfach ist so ein Unterfangen zur Privatisierung nicht, aber beide Klinikstandorte haben sich gut entwickelt.“ Nun schaue man in die Zukunft. Über die Frage, ob ein Universitätsklinikum überhaupt Gewinne erwirtschaften dürfe, diskutierte die Gruppe heftig. Während Menger dies von Unikliniken sogar forderte, erklärte Professor Hans-Peter Howaldt, dass 40 Millionen Euro im Jahr– die wäre am UKGM für die Zinsen und Abschreibungen der Neubauten und Investitionen nötig – nicht zu schultern seien.

„Ich fand den Schritt der Landesregierung zur Privatisierung gar nicht schlecht“, berichtete Rüdiger Strehl: „Allerdings habe ich auf beiden Seiten die professionelle Sorgfalt für einen solchen Schritt vermisst.“ Es hätte viel radikaler integriert werden müssen. „Außerdem wundert es mich, dass man jetzt, sechs Jahre später, noch rätselt, welcher Gewinn überhaupt möglich ist. Ich dachte immer private Unternehmen rechnen das vor einer Übernahme durch“, ergänzte er.

„Probleme gibt es überall“

Es waren diese kleinen Spitzen, die das eineinhalbstündige Interview interessant machten, denn wirklich neu waren die Positionen der einzelnen Vertreter nicht. Den teilweise sehr zugespitzten Fragen der Moderatoren Christian Floto und Barbara Weber wichen die Beteiligten zudem hin und wieder aus, was die Zuhörer im Klinik-Foyer zu Kopfschütteln veranlasste.

Auch politische Ansichten, das Thema Forschung und Lehre sowie die Patientenversorgung wurden angesprochen. Das Resümee „Wie geht es weiter? Ist die Privatisierung gescheitert?“ fiel wie zu erwarten unterschiedlich aus: „Wir werden vonseiten der Landesregierung alle Optionen prüfen, wenn die Change-of-Control-Klausel wirksam werden sollte. Wir schließen nichts aus“, betonte Kühne-Hörmann, während Menger erklärte: „Probleme gibt es überall. Sie müssen aber gelöst werden.“ Einzig Howaldt und Strehl fanden deutliche Worte. „Ich halte die Privatisierung zwar nicht für gescheitert, aber für gefährdet“, sagte der Sprecher der Klinikdirektoren. Er habe schon bessere Privatisierungen gesehen, lautete das Fazit von Rüdiger Strehl.

von Katharina Kaufmann

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