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Drohende Zins-Wolken am Horizont

Bilanz Drohende Zins-Wolken am Horizont

Noch sind die Zahlen positiv beim Gemündener Kreditinstitut. Doch die Vorstände Martin Möbus und Marco Waßmuth warnen: Ab 2015 droht wegen der europaweiten Niedrigzinsen erstmals ein Rückgang im Jahresergebnis.

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Die Gemündener Spar- und Kredit-Bank wurde für ihre Fördermittelberatung ausgezeichnet, der Aufsichtsrat in Teilen neu gewählt, wobei die Mitglieder bestätigt wurden (von links): Die Aufsichtsräte Hermann Seibel, Helmut Engelland und Harald Stehl, Vorstandsvorsitzender Martin Möbus, Oliver Gudat von der DZ-Bank, Aufsichtsratsvorsitzender Norbert Siebert, Vorstand Marco Waßmuth.

Quelle: Malte Glotz

Gemünden. Die 4116 Mitglieder der Gemündener Spar- und Kreditbank dürfen glücklich sein. Ihre Bank hat auch im Jubiläumsjahr 2013 so solide gewirtschaftet, dass neben genügend Kapital für gesetzliche und freiwillige Rückstellungen auch Geld für eine fünfprozentige Dividende auf das Geschäftsguthaben übrig bleibt. Gut 74000 Euro zahlt die Bank ihren Mitgliedern noch im Juni aus.

Ob das allerdings langfristig so bleibt, ist fraglich. Die Vorstände Martin Möbus und Marco Waßmuth warfen zwar einen zufriedenen Blick zurück auf 2013, einen „verhalten optimistischen“ auf die zweite Hälfte des laufenden Geschäftsjahres, aber einen kritischen auf 2015. „Wir rechnen ab 2015 mit rückläufigen Jahresergebnissen“, erklärte Waßmuth vor 156 stimmberechtigten Mitgliedern und zahlreichen weiteren Gästen. Grund für diese Annahme seien die dauerhaft niedrigen Zinsen, vorgegeben durch die Europäische Zentralbank.

Zuvor hatte auch Möbus die Politik scharf angegriffen. Die niedrigen Zinsen bedrohten mittelfristig das Kerngeschäft der Volks- und Raiffeisenbanken sowie der Sparkassen - das Sparen. „Natürlich sind die niedrigen Zinsen gut für Bauherren und Gewerbe“, sagte Möbus - das würden auch die Berater des eigenen Instituts merken. Doch: „Sparer werden um ihr Erspartes gebracht, die Sparquote sinkt.“ Gerade im Sparen aber liege der Kern des genossenschaftlichen Handelns, angelegtes Geld aus der Region wieder in die Region zu verteilen. Möbus forderte deshalb die Politik dazu auf, nicht nur „in Sonntagsreden die stabilen Volks- und Raiffeisenbanken zu loben“, sondern sich aktiv für den Erhalt kleinerer Institute zu engagieren. Das betreffe nicht nur das Zinsniveau, sondern auch die strengen Auflagen, die nach der Finanzkrise beschlossen wurden. Es dürfe nicht sein, dass kleine Finanzinstitute dieselben Kriterien erfüllen müssten wie Großbanken. „Das ist, als wenn für eine Knallerbse die gleichen Sicherheitsvorschriften gelten würden wie für einen Lastwagen voller Dynamit“, sagte Möbus. Diese Vorschriften würden Zeit und Geld kosten.

Sein Vorstandskollege Marco Waßmuth erklärte, dass die Bank sich auf langfristig niedrige Zinsen einstellen müsse: „Es wird unsere Aufgabe sein, die strategisch richtigen Entscheidungen zu finden“, sagte er.

Auszeichnung für Fördergeschäft

Während der Generalversammlung der Gemündener Spar- und Kredit-Bank im Hessischen Hof standen zudem Wahlen an. Die drei turnusmäßig aus dem Aufsichtsrat ausscheidenden Mitglieder Helmut Engelland aus Gemünden, Hermann Seibel aus Römershausen und Wilfried Herbst aus Wohra wurden einstimmig wiedergewählt. Vorstand und Aufsichtsrat wurden von den Mitgliedern bei je drei Gegenstimmen mit großer Mehrheit entlastet.

Oliver-Gudat vom genossenschaftlichen Zentralinstitut, der DZ-Bank in Frankfurt, überreichte dem kleinen Finanzinstitut den Preis „Top-Bank im Fördermittelgeschäft“ in Hessen. Jährlich werden jene acht Institute ausgezeichnet, die im Verhältnis zu ihrer Bilanzsumme die meisten Fördergelder vermitteln.

„Diese Auszeichnung ist ein Beleg für Ihre Qualität und Ihren Einsatz“, sagte Gudat zu den Mitarbeitern der Bank. Sie dokumentiere die Kompetenz der Berater, stets die besten Fördermöglichkeiten nicht nur zu finden, sondern sie dem Kunden auch zu vermitteln.

In den vergangenen Jahren seien über das kleine Institut mehr als 300 Vorhaben mit öffentlichem Geld gefördert worden. „Das ist Leben genossenschaftlicher Grundwerte“, sagte er in Anlehnung an den Leitspruch „Aus der Region - für die Region“.

von Malte Glotz

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