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Diskussion um Vortrag zu „Lehrertypen“

Adolf-Reichwein-Schule Diskussion um Vortrag zu „Lehrertypen“

Steigender Stress und eine höhere Arbeitsbelastung machen Lehrer immer öfter krank – bis hin zum Burnout. Daher veranstaltete die Adolf-Reichwein-Schule einen pädagogischen Tag zum Thema Lehrergesundheit.

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Referent Siegfried Seeger sprach vor rund 90 Lehrkräften der Adolf-Reichwein-Schule zum Thema „Lehrergesundheit“.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. Als Einstieg diente der Vortrag von Siegfried Seeger, der nach dem Referendariat in die Forschung ging und sich intensiv mit den vielen Faktoren beschäftigte, die sich auf die Gesundheit der Pädagogen auswirken. Dabei unterschieden Seeger und seine Kollegen vor allem zwischen vier verschiedenen Lehrertypen, dem idealen „gesunden“ Lehrertyp, dem etwas bequemeren „distanzierten“ Typ, dem stets fleißigen, aber zur Überarbeitung neigenden „angestrengten“ Typ und dem „Burnout“-Typ.

„Leider ist der gesunde Typ, der ein ausgewogenes Verhältnis zum Job und entsprechend viel positive Rückmeldung hat, eher selten. Vor allem, wenn die Schule insgesamt nicht mehr gut läuft, wechselt dieser Typ schnell in den distanzierten Typ über, der nur noch Dienst nach Vorschrift macht. Das ist aber immer noch besser, als die Methode des angestrengten Typs, der immer alles gibt und bei jeglicher Verschlechterung der Bedingungen schnell in den Burn-
out abrutscht“, so Seeger.

Lehrer sehen Überlastung vor allem in Hessen

An vielen Stellen seines Vortrags verwies der Forscher auf das Ausland, so würden etwa Schulen in den Niederlanden viel mehr durch Sozialpädagogen unterstützt und Schulleiter in der Schweiz offener dazu stehen, dass sie externe Coaches hinzuziehen. „Generell hilft es, sich zu vernetzen, auch unter den Schulen im Landkreis, damit Verbesserungen durchgesetzt werden können“, sagte Seeger. Leider tendierten aber Lehrer auch oft dazu, dass sie ihre Überforderung allein durch äußere Faktoren verursacht ­sähen und nicht so bereit seien, an sich zu arbeiten, um die ­eigene Resilienz zu verbessern.

An diesem Punkt hakten einige Lehrer ein. „Wenn wir hier mehr Pflichtstunden haben als in jedem anderen Bundesland und deswegen überarbeitet sind, dann hat das nichts mit unserer Resilienz zu tun“, bemerkte etwa Lehrerin Lena Gurka.

Der Vortrag bot Stoff für Diskussionen. „Ich finde, hier wird eine sehr neoliberale Grundansicht vom Referenten vertreten, nach der wir uns nur schön weiter selbst zu optimieren haben. Dabei zeigt die enorme Zahl an Kollegen, die Stunden reduzieren, dass in Hessen eine klare Überlastung besteht“, so Gurka.

Neben den bereits von Seeger im Vortrag kritisierten Vorgaben „von oben“ in Bezug auf Themen wie Inklusion wurde von anderen Lehrern auch die Kompetenzorientierung bei den Lehrplänen als Ursache für Überlastung genannt. „Leider wurde in dem Vortrag auf viele Details nicht genug eingegangen, denn es ist mittlerweile nun einmal so, dass dort, wo früher die Lehrpläne als Hilfe zur Planung dienten, heute der Lehrer alles selbst machen muss, da die Vorgaben ja abgeschafft wurden. Wenn ich mich als Beamter da nicht über manchen Unfug aus Wiesbaden hinwegsetzen könnte, dann käme schon lange gar kein gescheiter Unterricht mehr heraus,“ sagte Lehrer Manfred Bock.

von Marcus Hergenhan

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