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Digitalisierung im „Tsunami-Tempo“

Chance für den Mittelstand Digitalisierung im „Tsunami-Tempo“

Für Martina Koederitz, Vorsitzende von IBM Deutschland, ist klar: Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten. Dem Trend sollte sich auch der Mittelstand nicht verschließen.

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Martina Koederitz, Vorsitzende der Geschäftsführung von IBM Deutschland, verdeutlichte auf dem Wirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken, wie der Mittelstand von der digitalen Vernetzung profitieren kann. Foto: Andreas Schmidt

Quelle: Andreas Schmidt

Frankfurt. Koederitz sprach am Donnerstag als Gastrednerin auf dem Wirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken in der Jahrhunderthalle. Sie kam direkt vom IT-Gipfel in Hamburg. „Wenn wir von Digitalisierung und Internet sprechen, sind wir an einem Punkt angekommen, der alle betrifft: Politik, Wissenschaft und Wirtschaft.“ Auf dem IT-Gipfel sei es keine Frage gewesen, „dass wir uns in Deutschland der Digitalisierung widmen müssen - es ist nur die Frage, wer in welcher Geschwindigkeit und wer in welcher Ausprägung“.

Koederitz sagte zur Geschwindigkeit der Digitalisierung: „Wir reiten einen Tsunami. Und es ist unsere Entscheidung, ob wir ihn wie eine Schnecke reiten - oder wie einen Hengst.“ So würden in einer Minute weltweit 138 Millionen E-Mails verschickt, 347.000 Tweets gingen um die Welt und 2,8 Millionen Videos würden jede Minute angeschaut. Doch würden auch 25.000 Produkte in jeder Minute bei Amazon bestellt. „Die Zahlen sind so beeindruckend, dass wir uns nicht mehr fragen müssen, ob die Digitalisierung passiert oder wichtig ist. Sondern wir müssen uns die Frage stellen: Wie gehen wir als Entscheider mit ihr um?“

Jeden Tag würden wir 2,5 Milliarden Gigabyte an Daten erzeugen - „das sind umgerechnet 4 Millionen Notebook-Festplatten“, so Koederitz. Dieser Entwicklung müsse man sich stellen - digitale und reale Welt würden immer weiter miteinander verschmelzen. Ohne die digitale Infrastruktur „fehlt eine Kernkomponente für unser wirtschaftliches Leben“.

Kompetenzzentren sollen Mittelstand fit machen

Die Regierung habe jüngst eine digitale Agenda veröffentlicht, zudem würde eine knappe halbe Milliarde Euro an Fördermitteln für die digitale Wirtschaft bereitgestellt. „Davon sollen auch Kompetenzzentren für den Mittelstand finanziert werden, um das Wissen und die Chancen rund um das Thema ,Industrie 4.0‘ zu vermitteln.“

Zunehmend würden nicht die Unternehmen, sondern vor allem auch die Kunden Einfluss auf die digitale Ausprägung der Geschäftswelt nehmen. „Wir alle denken in diesen Netzwerken, arbeiten in diesen Netzwerken und wickeln auch zunehmend unsere Geschäfte in diesen Netzwerken ab“, sagte Koede-ritz. „Die Vernetzung ist die absolute und fundamentale Grundlage für Fortschritt in der digitalen Dekade. Denn überall, wo die Vernetzung passiert, entstehen Mehrwerte und neue Werte“, sagte die 50-Jährige. „Industrie 4.0“ sei die Verschmelzung dessen, was Deutschland in der Vergangenheit so stark gemacht habe: Industrie-Know-how und Produktions-Know-how mit der Verknüpfung von Informationstechnologie.

„Wenn uns das gelingt sind wir dabei, klassische Wertschöpfungsketten vom Rohstoff-Einkauf über die Produktion bis zum Kundendienst und Vertrieb völlig neu entwickeln zu können - und damit können wir auch völlig neue Wertschöpfungsdienste an den Kunden und den Markt bringen“, ist sich Koederitz sicher. Das „Internet der Dinge“ ist aus ihrer Sicht der „Nährboden für Wachstum und Wirtschaft auch in Deutschland“.

Chips und Sensoren sollen für Transparenz sorgen

Es werde in Zukunft kein Teil mehr geben, das nicht mit Chips oder Sensoren versehen sei - von der Schraube über das Förderband bis zur Textilie.

„Dieses intelligente Teil kann dann helfen, im Wertschöpfungssystem frühzeitig neue Erkenntnisse viel schneller transparent zu machen.“ Vor diesem Hintergrund spiele die Sicherheit eine große Rolle. Man benötige eine Diskussion um Standards und rechtliche Rahmenbedingungen in einer digitalen Marktwirtschaft und um Cyber-Security, und das auf einer internationalen Ebene.

„Die Bundeskanzlerin hat auf dem IT-Gipfel gesagt, dass sich jetzt die reale Welt mit der virtuellen vernetzt. Wer da nicht vorne dabei ist, wird künftig nicht mehr richtig mitarbeiten können“, ist sich die IBM-Chefin sicher.

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