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Die Zukunft neu poliert und geschliffen

Ausbildung Die Zukunft neu poliert und geschliffen

Sein Lebenslauf war fast schon vorgeschrieben: Nächste Station, Sackgasse. Doch durch ein Projekt des KreisJobCenters hat ein junger Arbeitssuchender die Chance bekommen, seinen Lebenslauf komplett neu zuverfassen.

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Der Umweg war lang. Jetzt ist Bekim angekommen – er hat seine Ausbildung als Tischler abgeschlossen und will weiter in dem Beruf arbeiten. Foto: Arbeit und Bildung

Marburg. Fast ein Märchen - wie aus einem „Problemjugendlichen“ ein Tischler wurde. Den Hauptschulabschluss geschafft, die Berufsfachschule abgebrochen, einen Lehrgang zur beruflichen Vorbereitung hingeschmissen.

Keine Orientierung, keine Lust, keine Ziele. Stattdessen Abhängen, Freunde treffen, cool sein. Bekim (Name geändert) war auf dem besten Wege, ein sogenannter „Problemjugendlicher“ zu werden. Bis es einer Fallmanagerin des KreisJobCenters Marburg-Biedenkopf gelang, die Weichen für Bekim anders zu stellen und ihn in die Bootswerft vermittelte.

Das war im Frühjahr 2009. Über einen Job im Bootsbau sollte Bekim in die Arbeitswelt integriert werden. Ansonsten drohten Kürzungen der finanziellen Leistungen, von denen die gesamte aus dem Kosovo stammende Familie des jungen Mannes betroffen wäre. Wortkarg und desinteressiert erschien Bekim in der Bootswerft, weil er „ansonsten Zuhause Ärger bekommen hätte“, wie er sagte. Die Integration dauerte länger als gedacht: Nur langsam taute Bekim auf, zeigte Interesse an seinen Aufgaben und fand Anschluss ans Kollegium.

Als das KreisJobCenter Marburg-Biedenkopf im Oktober 2009 mehrere außerbetriebliche Ausbildungsplätze zur Verfügung stellte, setzte sich die Sozialpädagogin Carmen Engelbrecht von Arbeit und Bildung e.V. dafür ein, dass Bekim eine Ausbildung zum Tischler in der Bootswerft beginnen konnte. „Ich zweifelte, ob Bekim die Ausbildung tatsächlich abschließen würde, aber durch die Arbeitsgelegenheit kannte ich ihn lange genug, um zu wissen, dass er mindestens das nötige Durchhaltevermögen mitbringt. Er hatte sich die Chance auf einen Ausbildungsplatz in jedem Fall erarbeitet“, sagt sie.

Arbeitgeber ist sich der Unterstützung sicher

Ein vorgeschaltetes Testverfahren zur Überprüfung der Ausbildungsfähigkeit zeigte einen Förderbedarf in Mathematik, der über das Programm der BaE (Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen) abgedeckt werden konnte. Im ersten Ausbildungsjahr in der Bootswerft wurden dem jungen Mann die Grundlagen des Tischlerhandwerks vermittelt, sodass er ab dem zweiten Ausbildungsjahr in der Marburger Schreinerei Textor weiter praxisnah ausgebildet werden konnte. Hier standen Möbelbau und die entsprechende Endmontage beim Kunden auf dem Programm. „Ich hätte Bekim nicht ausgebildet, wenn nicht die pädagogische Begleitung und der Nachhilfeunterricht durch Arbeit und Bildung e.V. gesichert gewesen wären“, sagt Guido Textor, Inhaber und Meister der Schreinerei. „Gemeinsam haben wir das gut hinbekommen und ich bin froh, dass ich einen Beitrag zu Bekims Ausbildung leisten konnte.“

SozialpädagogischeUnterstützung

Und nun? Bekim hat seine Ausbildung Ende Juni 2012 erfolgreich abgeschlossen und hat sofort eine Anstellung als Tischler über eine Zeitarbeitsfirma gefunden. „Ich war bisher in zwei verschiedenen Tischlereien eingesetzt. Jetzt bewerbe ich mich weiter, weil ich eine Festanstellung als Tischler haben möchte.

Seit 2005 führt der Bildungsträger Arbeit und Bildung e.V. die „Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen“ (BaE) im Auftrag des KreisJobCenters Marburg-Biedenkopf mit nennenswerten Erfolgen durch. „Viele unserer Auszubildenden kommen mit multiplen Vermittlungshemmnissen. Nur durch die Kombination aus sozialpädagogischer Unterstützung mit engem Kontakt zu Berufsschule und Betrieb und den individuellen Stützunterricht zur Aufarbeitung schulischer Lücken können diese Jugendlichen eine Ausbildung im dualen System erfolgreich bewältigen“, sagt Angelika Funk, stellvertretende Geschäftsführerin und Abteilungsleiterin.

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