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Die Zahl der Arbeitslosen steigt leicht an

Arbeitsmarkt bleibt weiterhin stabil Die Zahl der Arbeitslosen steigt leicht an

Erstmals in diesem Jahr ist die Arbeitslosigkeit im Landkreis leicht angestiegen – um 30 Personen oder 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bundes- und landesweit sank die Zahl der Arbeitslosen.

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Bundes- und landesweit ist die Zahl der Arbeitslosen gesunken, im Landkreis ist sie leicht angestiegen.

Quelle: Patrick Seeger

Marburg. Laut Agentur für 
Arbeit Marburg waren im Landkreis 5226 Personen arbeitslos gemeldet, die Arbeitslosenquote liegt im Vergleich zum April unverändert bei 4,0 Prozent. Agenturleiter Volker Breustedt 
bereitet der leichte Anstieg 
allerdings „keine Kopfschmerzen“, wie er sagt: „Der Arbeitsmarkt ist äußerst robust und ein Anstieg war zu erwarten.“

Denn vor allem die Zahl der arbeitslosen Ausländer sei im Vergleich zum Vorjahr immens angestiegen: von 1058 um 372 auf 1430. „Das ist eine Steigerung von 35,2 Prozent“, erläutert Breustedt. Vor allem im Versichertenbereich falle der Anstieg bei den arbeitslosen Ausländern extrem stark aus: Dort stieg sie im Vergleich zum Vorjahr um 62,8 Prozent.

Vermittlung ausländischer Arbeitnehmer gelingt

Dies hänge damit zusammen, „dass bei vielen Flüchtlingen mittlerweile der rechtliche Status geklärt ist“, erläutert Breustedt. Es sei nicht so, dass plötzlich die Zahl der Flüchtlinge explodiert sei: „Häufig handelt es sich um Personen, mit denen wir in der Vergangenheit Kontakt hatten, etwa im Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge“, sagt der Agenturleiter. Sukzessive werde dann mit den zuständigen Stellen geklärt, ob diese Menschen berechtigt seien, zu arbeiten – „und wenn sie dürfen, zählen sie zu den Arbeitslosen“.

Jedoch steige nicht nur die Zahl der arbeitslosen Ausländer – sondern auch die der Ausländer, die eine sozialversicherungspflichtige Stelle bekämen. So gab es zum Stichtag im vergangenen September – schneller werden die Zahlen nicht vom statistischen Landesamt übermittelt – 334 mehr Ausländer, die einen Job gefunden haben, was einem Plus von 4,6 Prozent entspricht. „Würde man die Zahl der arbeitslosen und der vermittelten Ausländer gegeneinander aufwiegen, wäre es fast ein Nullsummengeschäft“, rechnet Breustedt vor. „Es 
gelingt uns, die Ausländer, die arbeiten dürfen, sukzessive zu vermitteln.“

Nicht nachvollziehen kann Breustedt die am Dienstag geäußerte Kritik der hessischen IHKs, es gelänge überhaupt nicht, Flüchtlinge in Praktika zu vermitteln. „Wir haben derzeit 28 Menschen in einer Einstiegsqualifizierung, die so akut auf eine Ausbildung vorbereitet werden“, sagt er.

Hinzu kämen 15 Flüchtlinge, die Praktika bei Arbeitgebern absolvierten. Außerdem befänden sich derzeit noch 125 Flüchtlinge in Projekten wie „Voice competence“ und anderen, nach denen sie mit einem Praktikum beginnen könnten. Die Zahlen seien zwar nicht immens hoch, stimmten aber dennoch hoffnungsvoll. „Es befinden sich rund 8 Prozent der Flüchtlinge im Praktikum“, konkretisierte Volker Breustedt.

Ältere Arbeitslose 
profitieren

Gestiegen ist auch die Zahl der Arbeitslosen zwischen 15 und 25 Jahren auf 599 – das waren 22,9 Prozent oder 106 Personen mehr als im Vorjahr. Breustedt relativiert die Zahl jedoch: „Sie resultiert zum Teil auch aus 
anders liegenden Prüfungsterminen, das wird im kommenden Monat schon wieder anders aussehen.“

Profitiert hätten indes die Langzeitarbeitslosen mit einem Minus von 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Das zeigt, dass der Arbeitsmarkt immer noch sehr aufnahmefähig ist.“ Auch die älteren Arbeitslosen profitierten davon: 1499 Menschen der Gruppe „50+“ waren im Mai arbeitslos gemeldet. Vor einem Jahr lag die Zahl noch bei 1553 – das ist ein Rückgang von 3,5 Prozent.

Breustedt verdeutlicht, dass die Weiterbildung eine entscheidende Rolle spiele, denn: „Die Schere zwischen dem, was die Stelle fordert und was der Mensch mitbringt, klafft immer weiter auseinander.“ Daher investiere man weiter in Weiterbildungsprojekte, um die Arbeitslosen „fit für den Arbeitsmarkt“ zu machen.

Zahl der Ausbildungsstellen gestiegen

Die Zahl der gemeldeten neuen Stellen bewege sich mit 598 in etwa auf Vorjahresniveau, im Bestand habe die Agentur derzeit 1872 – ein guter Wert, wie Breustedt findet. Wer derzeit eine Ausbildungsstelle suche, habe gute Chancen: Es gibt 1604 gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen, das sind 4,3 Prozent oder 72 Jugendliche weniger als vor einem Jahr.

Parallel dazu sind bis jetzt 1490 Ausbildungsstellen gemeldet worden, das sind 28 Stellen mehr als ein Jahr zuvor. Die Bilanz: 631 offene Ausbildungsplätze sind im Landkreis zu verzeichnen, und 785 Bewerber sind noch nicht versorgt. „Prinzipiell gibt es dieses Jahr mehr Ausbildungsstellen pro Bewerber“, so Breustedt.

Der Ausbildungsmarkt sei „intensiv in Bewegung“. Bei vielen Jugendlichen, die bald ihre Schulzeit beenden, liefen derzeit intensive Bewerbungsverfahren, und es gebe noch reichlich freie Ausbildungsplätze bei Betrieben. Die Berufsberater und Ausbildungsstellenvermittler der Arbeitsagentur sondierten laufend, was noch gehe und koordinierten Ausbildungswünsche und -angebote.

Auch leicht mehr Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Arbeitslosen Menschen im Rechtskreis 
SGB II (Kreisjobcenter, KJC) im Landkreis ist im Vergleich zum Vormonat wieder zurückgegangen. Das KJC weist aktuell 2963 
erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind.

Im Vergleich zum Vormonat April ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 38 Personen zurückgegangen, das entspricht 1,3 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis fast unverändert und um 5 Personen oder 0,2 Prozent nur leicht gestiegen. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt weiter bei 2,3 Prozent – wie im Vorjahr.

„Die Verbesserung der Lage auf dem Arbeitsmarkt gelingt uns derzeit zwar nicht in großen Sprüngen, dafür aber in stetigen Schritten. Die wirtschaftliche Situation stellt sich im Landkreis Marburg-Biedenkopf weiterhin stabil dar, insofern spricht einiges dafür, dass wir auch in den kommenden Monaten weitere Langzeitarbeitslose vermitteln werden können“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Dezernent Marian Zachow (CDU).

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften ist in diesem Monat leicht gefallen, sodass etwas weniger Menschen im Landkreis auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 15 (-0,2 Prozent) auf insgesamt 6431. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen Anstieg um 55 Bedarfsgemeinschaften oder 0,9 Prozent.

Bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum Vormonat ebenfalls ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 0,8 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einem Rückgang um 69 Personen. Zum Stichtag im Mai befanden sich 1245 Personen in arbeitsmarktpolitischen Projekten.

von Andreas Schmidt

 
 
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