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„Die Stimmung muss sich ändern“

Interview „Die Stimmung muss sich ändern“

95 Prozent der Unternehmen in Deutschland sind mittelständische Betriebe. Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bildet damit der Mittelstand. Über dessen Zukunft sprach die OP mit Unternehmensbotschafterin Dr. Karin Uphoff.

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Dr. Karin Uphoff, sechsfache Mutter und Unternehmerin aus Marburg, sprach im OP-Interview über den deutschen Mittelstand, dessen Zukunft, den bevorstehenden Fachkräftemangel und die Rolle der Frau im Unternehmen.

Quelle: Katharina Kaufmann

Marburg. EU-Unternehmensbotschafterin Dr. Karin Uphoff aus Marburg fordert im OP-Interview, dass sich die Einstellung zum Unternehmertum in Deutschland ändern muss: In vielen anderen europäischen Ländern werde das Unternehmertum positiver gesehen als in Deutschland.

 

OP: Der Mittelstand bildet prozentual gesehen das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Sehen Sie das als Unternehmerin auch so?
Dr. Karin Uphoff: Der Mittelstand spielt für Deutschland eine wichtige Rolle. Er stellt rund 70 Prozent aller Arbeitnehmer und bildet mehr als 80 Prozent aller Auszubildenden aus und ist somit das stabilisierende Element. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Unternehmertum an sich in anderen Ländern positiver gesehen wird als in Deutschland.

OP: Wie kommt das?
Uphoff: Im Ausland wird die Existenzgründung einfach als eine von vielen Optionen angesehen und man wird nicht gleich als Versager abgestempelt, wenn eine Geschäftsidee nicht fruchtet. In Deutschland schon. In Deutschland ist zudem der Neidfaktor hoch, wenn jemand mit einer tollen Idee großen Erfolg hat. Aber eigentlich hätte die Idee ja jeder andere auch haben können. Hinter einem Erfolg steckt auch immer viel Arbeit, die einfach als solche anerkannt werden muss.

OP: Das muss sich also im deutschen Denken ändern?
Uphoff: Ja.

OP: Und was sonst noch?
Uphoff: Angesichts des demografischen Wandels müssen Unternehmen flexibler werden bezüglich Arbeitszeiten und Stellenbesetzungen. Und wir müssen wegkommen von dem Gedanken Frauen kämpfen gegen Männer und umgekehrt. Eine gute Mischung aus Männern, Frauen und deren unterschiedlichen wirtschaftlichen sowie sozialen Handlungsweisen in Unternehmen würden der Gesellschaft guttun.

OP: Sie meinen, wenn Familie und Beruf besser zu vereinbaren sind?
Uphoff: Genau. Dahin muss sich auch die Stimmung in der Gesellschaft ändern. In anderen EU-Ländern, wie etwa Schweden, ist das schon längst kein Thema mehr. Da ist es keineswegs komisch, wenn bei einem geschäftlichen Telefonat im Hintergrund die Kinder zu hören sind.

OP: Deutschland steht dabei also noch hintenan?
Uphoff: Auf jeden Fall. Die berufliche Karriere muss mit der Familie vereinbart werden können. Das muss für junge Frauen von Vornherein klar sein und als positive Option gesehen werden. Die Kombination von Familie und Beruf ist sowohl eine Chance für die Gesellschaft als auch für die Einzelpersonen. Je mehr Frauen und auch Männer sich das Recht nehmen, für beides genügend Zeit zu haben, umso selbstverständlicher und damit einfacher wird es.

von Katharina Kaufmann

Das vollständige Interview lesen Sie am Donnerstag in der Printausgabe der OP.

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