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„Die Sonne scheint“ am Markt

Arbeitsagentur „Die Sonne scheint“ am Markt

Der Frühjahrsaufschwung und die boomende Wirtschaft haben die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Mai erstmals seit 26 Jahren unter die 2,5-Millionen-Marke gedrückt.

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Sieben Prozent weniger Arbeitslose gibt es im Landkreis gegenüber dem Vorjahresmonat.

Quelle: Felix Kästle / dpa

Marburg. Der Arbeitsmarkt boomt. In Deutschland, in Hessen und besonders im Landkreis. In nahezu allen
Personengruppen gingen die Arbeitslosenquoten gegenüber dem April und auch gegenüber dem
Vorjahr deutlich zurück.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren Ende Mai 2,498 Millionen Menschen ohne Arbeit. Das sind 71.000 weniger als im April und 166.000 weniger als im Mai 2016. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 5,6 Prozent. Zählt man Aus- und Fortbildungskurse sowie Trainingsmaßnahmen der Arbeitsagenturen und Jobcenter hinzu, wären allerdings 3,526 Millionen Menschen auf Arbeitssuche.

Auch im Kreis ist die Entwicklung positiv. Gegenüber dem Vorjahr waren sieben Prozent weniger Menschen ohne Arbeitsplatz. „Die Sonne scheint uns aus allen Knopflöchern“, beschrieb Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit in Marburg die Entwicklung des Arbeitsmarktes im zurückliegenden Monat. 422 Menschen weniger, das entspricht 18,6 Prozent, waren im Zuständigkeitsbereich der Agentur für Arbeit (Rechtskreis SGB III) als arbeitslos gemeldet als noch im Vorjahresmonat.

Hinterland unter 3-Prozent-Marke

Im Bereich des Kreisjobcenters (SGB II) ist die Zahl um 54 Personen oder 1,8 Prozent angestiegen – ein Effekt, der auf die andere rechtliche Einordnung der Flüchtlinge nach vollzogenem Asylverfahren zurückzuführen ist. Nimmt man beide Rechtskreise zusammen, steht unter dem Strich aber dennoch ein deutlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit um 368 Menschen beziehungsweise sieben Prozent. Damit steht der heimische Arbeitsmarkt auch saisonbereinigt deutlich verbessert da. Im Vergleich zum April sank die Zahl um 394 Menschen (7,5 Prozent).

Im Bereich der Geschäftsstelle Marburg stieg die Zahl zwar marginal an (3,9 Prozent gegenüber 3,8 Prozent im Mai 2016). Doch im Hinterland, wo die Quote mit 2,9 Prozent sogar unter die 3-Prozent-Marke fiel, (3,4 Prozent im Vorjahr) und im Ostkreis (von 5,0 auf 4,2 Prozent) 
ging die Rate enorm zurück.

In der Geschäftsstelle Biedenkopf verzeichne die Agentur inzwischen einen „sehr starken Facharbeiterbedarf“ bei den dort ansässigen Unternehmen. So könne man guter Hoffnung sein, dass auch die früheren Beschäftigten von Johnson Controls mittelfristig wieder Arbeit finden. Im Bereich der Geschäftsstelle Stadtallendorf kam dabei ein „Sondereffekt“ zu tragen, erläutert Breustedt. So sei ein großer Anteil der dortigen Neueinstellungen auf den Süßwarenhersteller Ferrero zurückzuführen.
„Breiter Trend“ in
verschiedenen Branchen

Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen rückläufig

Auch ohne diese Tatsache sei die Entwicklung aber positiv. Man könne von einem „breiten Trend“ in allen Branchen sprechen. 752 Personen wurden 
in Erwerbstätigkeit gebracht, 642 davon sozialversicherungspflichtig. Dies verteile sich auf alle Bereiche, erklärte Heike Beber, Pressesprecherin der Agentur. 184 Stellen entfallen beispielsweise auf den Bereich Zeitarbeit, 114 Jobs auf das verarbeitende Gewerbe, 78 Jobs auf den Bereich Gesundheit und Soziales, 48 auf Erziehung und Unterricht, 46 auf den Handel und 40 auf das Gastgewerbe. „Der Markt ist insgesamt sehr stabil“, so Beber. Im Vergleich zum Mai 2016 sind 49,8 Prozent mehr Stellen vermittelt worden. „Daran lässt sich die konjunkturelle Lage messen“, sagte sie.

Erfreulich sei zudem, dass die Entwicklung bei allen Personengruppen ankomme, sagte Breustedt. Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen (unter 20 Jahren) beträgt mit 77 Personen 1,9 Prozent und ist somit gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgegangen (damals 2,8 Prozent).

Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Landkreis um 83 Personen (5,4 Prozent) angestiegen – als einzige Personengruppe. Ein großer Teil dieser Menschen liegt in der Zuständigkeit des Kreisjobcenters, das sich dennoch optimistisch gibt. „Die wirtschaftliche Situation stellt sich im Landkreis Marburg-­Biedenkopf weiterhin als stabil dar. Insofern spricht einiges dafür, dass wir auch in den kommenden Monaten weitere Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt werden vermitteln können“, erklärt der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Sozialdezernent Marian Zachow. Insgesamt ist die Zahl der Arbeitslosen (3017 Menschen) in der Zuständigkeit des Kreisjobcenters im Vergleich zum April um 2,6 Prozent (79 Personen) kleiner geworden.

„Turnaround“ bei
 Ausländerquote

Positiv ist die Entwicklung bei den über 50-Jährigen. Dort sind 70 Personen weniger arbeitslos als im Vorjahr. Auch für diese Gruppe gebe es Hoffnung, so Breustedt. „Die Unternehmen produzieren, die Lager sind voll. Auch die politischen Entwicklungen im Ausland spielen zurzeit keine Rolle.“

In der Gruppe der Ausländer habe man, nachdem die Quote lange durch die Flüchtlinge angestiegen war, den „Turnaround“ geschafft, berichtet Breustedt. 1279 Menschen dieser Kategorie sind arbeitslos, das sind 151 – 
beziehungsweise 10,6 Prozent – weniger als noch 2016 zum selben Zeitpunkt. 141 Personen, oder 9,9 Prozent, beträgt die Verbesserung gegenüber dem April. „Ein Teil dieser Zahl kommt durch Wegzüge zustande. Manche Flüchtlinge hat man hier auch gar nicht mehr aufgefunden“, erklärt Breustedt. Doch ein Teil der Entwicklung sei auch auf die Vermittlung zurückzuführen.

Eine besondere Bedeutung dabei spielt der Bereich der Ausbildung – die Vermittlung von Azubi-Stellen steht in den kommenden Monaten im Fokus. Im August beginnt das neue Ausbildungsjahr, bis in den Oktober hinein gebe es wohl Stellen zu besetzen, so Breustedt. „Wir haben in diesem Jahr mehr Bewerber, aber auch mehr Ausbildungsstellen – die Voraussetzungen sind gut“, sagt er. „Für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt hätte es keinen besseren Zeitpunkt gegeben als 
dieses und vergangenes Jahr“.

1738 Bewerber haben sich bisher für eine Berufsausbildung gemeldet – das ist ein Anstieg um 8,4 Prozent. Mit aktuell 1537 betrieblichen Ausbildungsstellen stehen 4,3 Prozent mehr Plätze zur Verfügung. Hier sei auch später noch mit kurzfristigen Angeboten zu rechnen. Wie auch auf dem Arbeitsmarkt allgemein seien die Aussichten für die kommenden Monate gut. „Die Zeichen stehen weiterhin auf Sonnenschein.“

  • Zum Stichtag waren 1630 Personen in Maßnahmen (Weiterbildung, Qualifizierung, etc.).

von Peter Gassner

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