Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Die Nöte der Arbeitgeber im Visier

Agentur für Arbeit Die Nöte der Arbeitgeber im Visier

Der Landkreis punktet mit guten Arbeitsmarktzahlen, muss sich aber dem demografischen Wandel stellen: Das waren am Mittwoch die Eckpunkte des Arbeitsmarktgesprächs in Stadtallendorf.

Voriger Artikel
Winter-Azubis sichern sich „Award“
Nächster Artikel
Spies: Kommunen könnten mitspielen

In Kleingruppen diskutierten die Vertreter der heimischen Arbeitgeber mit Mitarbeitern der Arbeitsagentur über die Situation auf dem Arbeitsmarkt.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Hauptsächlich Arbeitgeber aus dem Agenturbezirk Stadtallendorf waren ins Casino der Bundeswehr gekommen, um gemeinsam mit Experten der Agentur für Arbeit die Situation auf dem Arbeitsmarkt zu diskutieren. Volker Breustedt, Leiter der Arbeitsagentur, verdeutlichte, dass der Landkreis sehr gut aufgestellt sei: Rund 5600 Menschen seien im Januar arbeitslos gemeldet gewesen, gut 400 oder 8,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. „Wir befinden uns hier also nicht im Tal der Tränen, sondern eher da, wo die Sonne scheint“, sagte er.

Die Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent entspreche zwar noch nicht ganz einer Vollbeschäftigung, „aber wir sind dabei, uns ranzurobben. Und das hat Auswirkungen nicht nur auf die Menschen, die Arbeit suchen – sondern auch für Sie als Arbeitgeber bei der Frage, wie ich das Personal finde, das ich brauche“, sagte der Agenturchef.

Zahl von Bewerbern und Ausbildungsstellen sinkt

Denn Breustedt weiß: „Es wird immer einen Sockel von Arbeitslosen geben.“ Und häufig blieben die Menschen übrig, die Vermittlungshemmnisse hätten. Doch auch diese würden auf kurz oder lang vor dem Hintergrund des demografischen Wandels benötigt.

Deutlich sei auch, dass die Zahl der Bewerber sinke – von 2022 im Vorjahr auf 1956, was einem Rückgang um 3,3 Prozent entspricht. „Gleichzeitig wurden uns aber auch weniger Ausbildungsstellen gemeldet“, so Breustedt. Deren Zahl sank von 1667 auf 1581 – ein Rückgang um 5,2 Prozent.

Daher wolle man mit den Arbeitgebern ins Gespräch kommen – um deren Nöte in Diskussionen zu erörtern, wie Teamleiter Walter Horn erläuterte. Und diese Nöte sind vielfältig, wie bei der Diskussion an den Tischen deutlich wurde.
So erläuterte Friedrich Greib vom Stadtallendorfer Magistrat, dass der öffentliche Dienst Probleme habe, seine Stellen adäquat zu besetzen. „Wir haben Leute ausgebildet, die dann weggegangen sind – unsere Ausbildung scheint gut zu sein, denn sie haben woanders schnell einen Job gefunden“, sagte er nur halb scherzhaft. Dadurch finde durchaus eine Überalterung statt.

Fehlende Sprachkenntnisse sind häufig ein Hindernis

Einig waren sich die Diskutanten, dass es nicht wichtig sei, ob ein Bewerber einen Haupt- oder einen Realschulabschluss besitze – man schaue sich lieber den Menschen an, der sich hinter den – vielleicht auch nicht immer so guten – Noten verberge.

Klaus Umbeck von der Firma HOPPE verdeutlichte indes, dass man als Unternehmen auch die interne Ausbildung und Qualifikation vorantreiben müsse, um gute Fachkräfte zu erhalten. Denn er weiß: „Genau die Bewerber, die man gerade benötigt, findet man nur zu selten.“

In seinen Augen habe man jungen Leuten mit der Einführung des Mindestlohngesetzes zum Teil einen Bärendienst erwiesen – vor allem, was die Entlohnung von Praktika angehe. „Wenn wir einen Praktikanten einsetzen, bieten wir damit eine Qualifikation an – und haben dadurch ja keine Wertschöpfung“, sagte er. Das Mindestlohngesetz könne in seiner jetzigen Form durchaus einige Betriebe davon abhalten, überhaupt noch Praktikumsplätze zu vergeben.

Breustedt: Arbeitslose haben künftig mehr Chancen

Ein weiteres Thema war die Ausbildung von Ausländern und Migranten. Dort seien vor allem die fehlenden Sprachkenntnisse ein großes Problem – die Herausforderung sei, neue Wege bei Deutschkursen zu gehen. Einig waren sich die Arbeitgeber darin, dass die Ausbildung auch in Zukunft eine große Rolle spielen werde – man benötige den „Nachwuchs von übermorgen“.

Die Unternehmen sind sich indes darüber im Klaren, dass sie ihren Arbeitnehmern gute Rahmenbedingungen schaffen müssen. „Die Ausgestaltung der Arbeitsplätze spielt eine große Rolle – ganz entscheidend, um Arbeitskräfte zu halten, ist eine große Mitarbeiterzufriedenheit“, fasste Walter Horn zusammen. Agenturleiter Breustedt resümierte: „Die Lage für Arbeitgeber wird nicht einfacher – aber Arbeitslose haben künftig mehr Chancen.“

Zukünftig gelte es verstärkt, nicht auf die Schwächen von Bewerbern zu schauen – sondern darauf, „was er vielleicht können könnte, wenn ich ihn denn lasse“. Er ermunterte die Arbeitgeber, durchaus auch auf dem Papier „nicht so geeignete“ Kandidaten zur Probe arbeiten zu lassen oder ein Praktikum anzubieten – die Agentur würde dies unterstützen. „Wir können Ihnen zwar keine Bewerber backen – aber wir können Ihnen vielleicht einen bieten, den Sie fertig backen können“, so Breustedt.

von Andreas Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr