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„Die Menschen sind hier offener“

Neuer Sparkassen-Vize: Jochen Schönleber „Die Menschen sind hier offener“

Das Bankgeschäft ist dem neuen Vorstandsmitglied seit 25 Jahren vertraut. In Marburg möchte Jochen Schönleber zunächst die Region, die Kunden und die Mitarbeiter näher 
kennenlernen.

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Jochen Schönleber ist neues Vorstandsmitglied der Sparkasse Marburg-Biedenkopf. Er ist für das Privat- und Firmenkundengeschäft verantwortlich.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Nein, sein leichter Akzent ist nicht schwäbisch, sondern badisch: Jochen Schönleber kommt aus dem Süden, hat im Osten und Westen der Republik gelebt und ist nun in Mittelhessen gelandet. Im April, wenn Ehefrau Alana und die beiden zehn und vier Jahre alten Kinder auch nach Marburg ziehen, dann ist er „vollständig“ in Marburg angekommen, erklärt Jochen Schönleber lächelnd.

Beruflich ist er seit dem 4. Januar in Marburg tätig – als neues Vorstandsmitglied der Sparkasse Marburg-Biedenkopf und damit als Nachfolger von Norbert Höpp, der im April ausgeschieden war.
Schönleber, der am Samstag 43 Jahre alt wird, war bisher stellvertretendes Vorstandsmitglied bei der Kreissparkasse Böblingen – die deutlich größer ist und eine doppelt so hohe Bilanzsumme wie die heimische Sparkasse hat. Dass der Landkreis Marburg-Biedenkopf kleiner ist – und damit auch sein neuer Arbeitgeber – helfe ihm, schneller den Überblick zu bekommen, sagt er.

„Außerdem sind die Menschen hier wesentlich offener als im Schwabenland“, meint der gebürtige Tauberbischofsheimer. Auch wenn er aus einem großen Haus komme und 25 Jahre Bankenerfahrung habe: „Ich habe keine Rezepte mitgebracht“, betont Schönleber, auch werde er nichts Neues nur um der Erneuerung willen einführen, gleichzeitig aber auch notwendige Veränderungen mitgestalten, um den Service aus Kundensicht zu verbessern, sagt Schönleber. Etwa durch den Ausbau der telefonischen Betreuung (die OP berichtete).

Stationen in Freital, Köln, Düsseldorf und Böblingen

Die Digitalisierung schreitet voran, die Sparkasse werde sich daher stärker Themen wie Onlinebanking und Sparkassen-App widmen. Schönleber geht davon aus, dass in 20, 30 Jahren Kunden ganz selbstverständlich am liebsten im Internet und mit ihrem Smartphone Bankgeschäfte erledigen werden. Das sei keine Frage der Generation, sondern des gesellschaftlichen Wandels.

Jetzt schon belegen bundesweite Erhebungen der Sparkassen, dass ein Kunde im Schnitt 192 Mal pro Jahr die Sparkassen-App aufrufe, aber nur einmal eine Geschäftsstelle aufsuche. Veränderungen machen dem neuen Vorstandsmitglied keine Angst, im Gegenteil.

Er hat viele erlebt. Dabei fing alles ganz konservativ, solide an. Im Badischen aufgewachsen, empfahl ihm der Vater, ein „Sparkässler“, zunächst in seine Fußstapfen zu treten und eine „solide, anständige“ Ausbildung zu absolvieren. Schönleber lernte Bankkaufmann und entdeckte, dass genau das auch noch Spaß machte. Er blieb in der Branche, studierte, bildete sich fort.

1993, mit damals 20 Jahren, ging er aus dem Süden in den Osten nach Freital bei Dresden. „Das war für mich ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt er. Die erste Zeit war sein Büro in einem Container untergebracht, das Gebäude befand sich noch im Bau. Auch wenn er sich in Ostdeutschland nie wirklich heimisch fühlte, die Arbeit, die Betreuung der Firmenkunden, faszinierten ihn. „Ich konnte viel gestalten“, erinnert er sich.

Jochen Schönleber blieb acht Jahre im Osten, kehrte dann der Sparkasse den Rücken, um 2001 bei der Commerzbank in Köln und Düsseldorf zu arbeiten. Es kam die Zeit der Fusionierung mit der Dresdner Bank, Schönleber sah in dieser Veränderung persönlich keine Chance für eine Weiterentwicklung.

Er ist der Chef von 400 der insgesamt 900 Mitarbeiter

„Es gab wieder eine Gelegenheit, zur Sparkasse zurückzukehren, die ich nutzte“, begründet er seinen Wechsel nach Böblingen. Die Stelle in Marburg sei für ihn nun nicht nur der nächste Karrieresprung, sondern auch mit einem Leben in einer „jungen, schönen Stadt“ verbunden.

Bei der Sparkasse Marburg-Biedenkopf verantwortet das neue Vorstandsmitglied den Vertrieb, ist also für das Geschäft mit rund 120.000 Firmen- und Privat-Kunden zuständig und damit direkter Chef von rund 400 der fast 900 Mitarbeiter der Sparkasse.

Seit dem 4. Januar hat Schönleber bereits alle 59 Filialen besucht. „Um mit allen Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen, ist eine zweite Runde nötig“, weiß er. Auch die Firmen in der Region will Schönleber nach und nach besuchen.

Derzeit arbeitet der „Neue“ mit Vorstandschef Andreas Bartsch und Vorstandsmitglied Rolf Zährl zusammen. Zährl wird aber im Juli die Sparkasse verlassen, sein Nachfolger wird Harald Schick, der seit vielen Jahren als Führungskraft die Sparkassen-Vorstandsmitglieder vertritt. „Ich arbeite mit beiden Vorstandskollegen gut zusammen“, so Schönleber.

Frauen in einer Vorstandsposition bei der Sparkasse kann sich Schönleber – ebenso wie Bartsch – vorstellen. Dass bislang kaum Frauen in Sparkassenvorständen zu finden sind, hänge damit zusammen, dass als Voraussetzung unter anderem eine Erfahrung im Firmenkundengeschäft nötig sei – ein Aufgabengebiet, das bislang von Männern dominiert sei.

Den Rollentausch übt Schönleber gern in der heimischen Küche aus: Samstagabends stehe er am liebsten am Herd, um für die Familie zu kochen. Sein größtes Hobby sei die gemeinsame Zeit mit seiner Frau und seinen Kindern, sagt er. Wenn noch Lücken im Terminkalender wären, würde er auch segeln und reisen. Das will er in diesem Jahr mit der Entdeckung des Landkreises Marburg-Biedenkopf verbinden.

von Anna Ntemiris

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