Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Die Kassen klingeln auch sonntags

Handel Die Kassen klingeln auch sonntags

Was in anderen Ausflugsorten längst möglich ist, ist in Marburg noch neu: Buchhandlungen und Geschäfte, die sonntags öffnen.

Voriger Artikel
Bis zum Ende in Würde leben
Nächster Artikel
Betriebsräte fordern Standortgarantie

Die Buchhandlung Arcularius wirbt mit ihre Sonntagsöffnung. Das Geschäft hat nicht an jedem Sonntag geöffnet. Die neuen Öffnungszeiten sind ein Versuch, sagt der Inhaber. Foto: Ntemiris

Marburg. Ein Aufsteller, der auffällt: Die Buchhandlung Arcularius in der Marburger Oberstadt wirbt mit „Sonntagsöffnung“. Der Laden in der Barfüßerstraße macht neuerdings sonntags von 12 bis 18 Uhr auf und ist einer von wenigen Geschäften in Marburg, die an Feiertagen Handel betreiben. „Es ist ein Versuch“, sagt Klaus Kaltenbach, Inhaber der Buchhandlung Arcularius. Sprich: Er kann nicht - noch nicht - sagen, ob die Ausweitung der Öffnungszeiten ein Erfolgsmodell ist oder nicht.

Nach Paragraph 5 des hessischen Ladenöffnungsgesetzes dürfen Geschäfte in Kur- und Ausflugs- und Wallfahrtsorten an bis zu 40 Sonn- und Feiertagen im Jahr öffnen. Die Stadt Marburg hat vom Kreisausschuss die Genehmigung erhalten, diese Regelung anzuwenden, erklärt Edith Pfingst von der Pressestelle der Stadt. „Die Dauer der Öffnungszeit darf an diesen Tagen aber nicht acht Stunden überschreiten“, ergänzt sie. Es dürfen nur Geschäfte öffnen, die Reisebedarf, Sportartikel, Souvenirs oder regionaltypische Waren anbieten. Dinge, die das Touristenherz begehrt, sind also erlaubt.

Jede Kommune müsse für sich bestimmen, welche Öffnung sie zulasse, erklärt Karsten Heustock, stellvertretender Bereichsleiter für Standortpolitik, von der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg. Die Stadt habe als Aufsichtsbehörde die Kontrolle über die Umsetzung des Gesetzes. Ein bisschen Interpretationsspielraum biete der Paragraf. Bücher zählen zu Reisebedarf, erklärt Heustock.

Was genau ist „touristischer Bedarf“?

Eine Boutique dürfte nach der Regelung nicht sonntags öffnen. Aber was ist, wenn sie - was in Marburg der Fall ist - auch Postkarten verkauft? Oder T-Shirts mit dem Marburg-Logo? Streng genommen dürften dann nur die Waren verkauft werden, die laut Paragraf eben als „Gegenstände des touristischen Bedarfs“ gelten, die anderen Verkaufsartikel dürfte der Kunde nur anschauen, aber nicht kaufen. Streng genommen. So manche russische Touristen, so die Erfahrung aus Großstädten, mögen als Souvenir teure Uhren oder Ledertaschen, erklärt Heustock. Da werde es schon schwieriger mit der Definition.

Aber solange es keine Beschwerden gebe, gebe es auch keine Streitfragen. Im Gegenteil: In vielen Orten kommen Sonntagsöffnungen gut an, sie beleben die Kommunen, so Heustock. Im Kurbezirk Bad Wilhelmshöhe in Kassel haben alle Geschäfte - vom orthopädischen Schuhhaus bis zur Kunsthandlung - sonntags geöffnet, berichtet er. Für Marburgs Altstadt könnte sich der IHK-Vertreter ähnliches vorstellen. Allerdings: „Die Sonntagsöffnung ist für inhabergeführte Läden eine Chance, wenn sie keine höheren Personalkosten dadurch haben. Denn letztendlich muss der Umsatz stimmen“, so Heustock.

Eine Chance für inhabergeführte Läden

Das bestätigt auch Kaltenbach. Er versuche, die meisten Sonntage selbst abzudecken, um nicht höhere Personalkosten zu haben. Er hat der Stadt gemeldet, wann er die nächsten Monate nicht sonntags öffnen möchte. Die Stadt kontrolliere nämlich, ob die 40 Tage eingehalten werden. Kaltenbach wünscht sich, dass noch mehr Buchhandlungen und kleinere Geschäfte sonntags öffnen. Das würde die Stadt beleben. Und seitdem die Hessenstube Lenz am Rathaus nicht mehr bestehe, gebe es einen Bedarf an Tourismusartikeln. Eine Ausweitung auf alle Geschäfte hält Heustock für unrealistisch. Denn meisten Kommunen reichen vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr aus, erklärt er. „Die Kunden sind es dann müde“.

von Anna Ntemiris

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr