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„Die Förderung schafft keine Anreize“

Kraft-Wärme-Kopplung „Die Förderung schafft keine Anreize“

Deutschlands Stadtwerke fordern mehr Geld für den Ausbau von modernen Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung – sonst rechneten sich die Investitionen nicht.

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Das Kraftwerk der Stadtwerke am Ortenberg.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Mit höheren Zuschüssen will die Bundesregierung den Ausbau umweltfreundlicher Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) forcieren. Nach dem Gesetzentwurf wird das Fördervolumen auf 1,5 Milliarden Euro pro Jahr verdoppelt. Gleichzeitig werde damit ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele geleistet und für eine faire Verteilung der Kosten gesorgt, erklärte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD).

KWK-Anlagen erzeugen Strom sowie nutzbare Wärme und werden vor allem von Stadtwerken betrieben. Die Umstellung von Kohle auf Gas soll gezielt gefördert werden. Neue oder modernisierte KWK-Anlagen, die Kohle als Brennstoff verwenden, sollen nicht mehr bezuschusst werden. Gas-Anlagen, die Kohle ersetzen, bekommen einen Bonus.

Bei zu geringer Förderung droht die Abschaltung

Doch die Förderung genügt Deutschlands Stadtwerken nicht: Sie wollen mehr staatliches Geld für den Ausbau und Betrieb ihrer Kraftwerke. „Wenn KWK ein zentrales Klimaschutzinstrument bleiben soll, ist es notwendig, die Förderung noch konsequenter auszubauen“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Katharina Reiche.

Bei den hoch effizienten, aber vergleichsweise teuren Gaskraftwerken müsse der Bund die KWK-Förderung erhöhen. Sie rechneten sich derzeit wegen der niedrigen Börsenstrompreise vielfach nicht. Sonst drohten weitere Abschaltungen, sagte Reiche.

Auch die geplante komplette Streichung der Zuschüsse für neue oder auf KWK umgerüstete Kohlekraftwerke sei der falsche Weg. „Wir müssen auch bei den kohlegeführten Anlagen zumindest eine kleine Förderung haben.“

Die deutschen Stadtwerke betreiben zahlreiche KWK-Anlagen, darunter auch 28 ältere Kohlekraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung. Der KWK-Anteil liegt bei den Stadtwerken mit rund 44 Prozent sehr hoch und deutlich über dem KWK-Anteil an der gesamten deutschen Stromerzeugung von gut 17 Prozent.

Finanzielle Lage vieler Stadtwerke ist angespannt

Die Stadtwerke übernähmen damit eine Vorreiterrolle bei der umweltfreundlichen Technik, mit der sich viel CO2 einsparen lasse, sagte Reiche. Der Staat dürfe diese Anlagen, die für die Energiewende mitentscheidend sind, nicht mit politischen Vorgaben aus dem Markt drängen.

Die finanzielle Lage vieler Stadtwerke sei angespannt, so die Geschäftsführerin. Die Investitionen der kommunalen Versorger hätten sich seit 2011 von damals gut 8,6 Milliarden Euro fast halbiert. 2014 lagen sie laut Reiche bei 5 Milliarden Euro.

Die Forderung nach mehr Geld unterstützt auch Rainer Kühne, einer der beiden Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg. „Es ist eine Notwendigkeit, denn die Energiewende funktioniert nicht, wenn man die KWK nicht stärker unterstützt“, sagt er. Man benötige regelbare Kraftwerke, um die erneuerbaren Energien „maximal ausnutzen zu können“, so Kühne. Denn es gebe Zeiten, in denen der Energiebedarf höher sei, als das, was aus den EEG-Anlagen komme.

„Zurückhaltende“ Erneuerung von KWK-Anlagen

Dafür seien KWK-Anlagen sinnvoll, „um die Wärme zu nutzen. Aber es macht keinen Spaß, KWK zu betreiben“, so Kühne. Bei den Wärmepreisen stehe man im direkten Wettbewerb zur Wärmegewinnung durch Gas oder Öl, die Wärme aus der KWK müsse also für den Kunden attraktiv bleiben. „Die Frage ist also: Wie hoch sind die Stromgestehungskosten. Und wenn die trotz sinkender Gaspreise höher sind als die Einspeisevergütung, dann sind die KWK unrentabel“, erläutert Kühne.

Dies habe in der Branche dazu geführt, dass die Erneuerung oder der Zubau von KWK-Anlagen „sehr zurückhaltend passiert ist und das hocheffiziente Gas- und Dampfturbinenkraftwerke auch stillgelegt wurden“.

Die Stadtwerke betreiben unter anderem ein Gaskraftwerk am Ortenberg. „Wir erlauben uns das auch im Wissen, dass wir kaum Deckungsbeitrag erzielen – weil wir das einfach unserer Unternehmensphilosophie schulden“, führt der Geschäftsführer weiter aus. Gaskraftwerke seien nachweislich geeignet, CO2 einzusparen.

Für Altanlagen ist bei 16.000 Stunden Schluss

Eine bessere Förderung sei also notwendig, „damit es nicht zu einem weiteren Abbau der Anlagen, sondern zu einem Zubau kommt“, so Kühne. Denn in den kommenden Jahren werde man die Technologie noch brauchen, „weil sie einfach die Energiewende, wie wir sie uns in Deutschland vorgestellt haben, nicht nur unterstützen, sondern sogar erst ermöglichen“.

Die Erhöhung der Förderung um 1,25 Cent je Kilowattstunde würde gerade für die „schwarze Null“ reichen, „wünschenswert wäre es gewesen, Anreize zu schaffen, um in KWK zu investieren – ich sehe das Ziel nicht erfüllt“. Auch habe die Regierung die Förderung an der Hocheffizienz festgemacht – „eigentlich richtet sie sich also nur an den Zubau. Altanlagen werden auf 16.000 Benutzungsstunden begrenzt“, erläutert Kühne. „Das ist nicht viel, wenn eine Anlage 6 500 Stunden im Jahr läuft – nach zweieinhalb Jahren fällt die Förderung wieder weg.“

Selbst bei einer Anlage, „die wir in 1995 gebaut haben und die bereits einmal komplett überholt wurde, wird es möglicherweise an einem halben Prozent Wirkungsgrad scheitern“. Als Anreiz für Investitionen sei eine Erhöhung von weiteren 50 Prozent wünschenswert.

von Andreas Schmidt 
und unserer Agentur

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