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Die Faszination von Metall und Feuer

Schmied: Mehr als ein historisches Relikt Die Faszination von Metall und Feuer

Schmiede gibt es nur noch im Museum? „Quatsch“, sagt Rüdiger Horn, der seit gut zehn Jahren eine Schmiede in Gisselberg betreibt – und zeigt, dass der Beruf längst nicht zum „alten Eisen“ gehört.

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Der Schmied Rüdiger Horn mit einem Ausleger, der zu einem Werbeschild umgestaltet werden soll.

Quelle: Andreas Schmidt

Gisselberg. Direkt an der Hauptstraße liegt die Schmiede von Rüdiger Horn. Die alte Tür steht weit offen, im Inneren ist es ein wenig verqualmt. „Ich habe gerade erst das Feuer angemacht – bei der Kälte dauert es ein wenig, bis der Kamin zieht“, erklärt er. Im Feuer liegt ein Metallstab. Langsam beginnt dieser zu glühen.

Der Schmied zieht den Stab aus dem Feuer, bearbeitet ihn mit einem Hammer auf dem Amboss – wenn Horn mit seiner Arbeit fertig ist, wird er einen Drachenkopf geschaffen haben.

46 Jahre ist er alt, kommt eigentlich aus dem Sauerland, wo er bereits elf Jahre lang eine Schmiede hatte. „Und dann hat mich die Liebe nach Marburg gezogen“, sagt er. Das Gebäude in Gisselberg stand zum Verkauf, dort war vorher eine Schlosserei untergebracht – eine perfekte Gelegenheit für Horn. 2004 eröffnete er dort seine Schmiede, „und die Geschäfte laufen gut“.

Er wehrt sich dagegen, dass dem Beruf des Schmieds immer nur das Historische anhaftet, dass er nur im historischen Kontext gesehen wird – denn er sei so angesagt wie eh und je. Doch warum denken alle, der Beruf des Schmieds sei nicht mehr existent? „Wenn man beispielsweise beim mittelalterlichen Markt in Marburg im Schlosspark ist, sieht man dort irgendwelche Leute in historischen Gewändern – aber das hat mit Schmieden nichts zu tun. Das sieht man schon am Werkzeug“, sagt Rüdiger Horn. „Wenn da jemand mit einem Schlosserhammer auf dem Amboss rumklopft, ist das zwar für die Umstehenden schön, aber das entspricht ja gar nicht der Realität“, sagt Horn, der an einem Drachenkopf arbeitet (kleines Foto: Schmidt).

Die sehe anders aus, was sich schon im geänderten Namen des Berufs zeige – der heißt nämlich mittlerweile „Metallgestalter“. Und genau das mache Horn – „viel moderne Metallgestaltung, die nicht unbedingt etwas mit Blumen und Blättern und Schnörkeln zu tun hat“.

So zum Beispiel bei der Fronhofschule in Marburg, für die Horn einen Zaun hergestellt hat. „Hunderte Meter, tausende Stäbe – die sind alle bei mir durchs Feuer gegangen.“ So wie auch die Bronzestühle auf dem Kornmarkt, Skulpturen an der Dammühle oder zahlreiche Arbeiten für Gastronomen in der Region ebenso wie Restaurationsarbeiten an Kirchen.

„Wenn ich nach den mittlerweile zehn Jahren durch Marburg gehe und Bekannten zeige, was ich schon alles gemacht habe – da werde ich schon ein wenig stolz“, gibt er zu. Denn er weiß: „Die Dinge, die ich hergestellt habe, sind nahezu unkaputtbar.“

Natürlich arbeitet Horn auch für Privatpersonen – vom Vordach über das Treppengeländer und das Tor bis hin zum anspruchsvollen Zaun reichen die Aufträge. „Ich arbeite immer objektbezogen“, sagt er. Dazu nimmt er vorhandene Formen auf, gestaltet Entwürfe. „Ich muss mich immer rantasten, dazu ist wichtig, dass ich mit den Kunden spreche – um zu erfahren, was sie überhaupt wollen.“ Wenn er fertig sei, solle das, was er geschaffen habe, so aussehen, „als sei es schon immer dagewesen“.

Amboss, Hammer – und auch Plasmaschneider

Diese Arbeit hat natürlich ihren Preis – und der ist nicht niedrig. „Aber den Leuten ist es das wert, denn sie erhalten etwas, das sich von der Masse abhebt, individuell ist – und nicht genauso aussieht wie beim Nachbarn“, sagt Rüdiger Horn. „Dabei ist die Liebe zum Detail wichtig“, sagt er, denn die mache den Unterschied aus.

Zum Einsatz kommen neben Hammer und Amboss auch moderne Werkzeuge: „Ich habe auch einen Plasmaschneider, um erste Formen auszuschneiden“, sagt er. Auch Schweißen gehört zum Tagesgeschäft. Und es gibt auch den alten Lufthammer, der mittels Druckluft und mit viel Getöse bis zu 65 Tonnen Druck auf das Metall gibt – den nennt Horn liebevoll „David“.

Wie ist er zum Beruf gekommen? „Mein Opa war schon Schmied. Schon damals hat mich das Feuer fasziniert. Man meint ja immer, Metall wäre hart und unformbar, aber wenn es heiß ist, kannst du alles damit machen.“

von Andreas Schmidt

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