Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Die Fachkräfte der Zukunft

Freisprechung Die Fachkräfte der Zukunft

Volles Haus trotz Weiberfasching: Rund 350 Besucher kamen zur Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft ins Cineplex, um mit den Junggesellen zu feiern.

Voriger Artikel
„Ein Berufsstand steht vor dem Aus“
Nächster Artikel
Erfahrene Senioren helfen Azubis, die in Not sind

Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher (von links) und der designierte Kreishandwerkerschafts-Geschäftsführer Meinhard Moog zeichneten KFZ-Mechatroniker Matthias Staffel, Feinwerkmechaniker Simon Karl Schubert und den Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik, Nikolas
Küthe, gemeinsam mit Birgit Sturmann-Rosenbaum, Geschäftsführerin des BBZ, und Reiner Kahle, Obermeister der Elektro-Innung, für besondere Leistungen aus.Foto: Andreas Schmidt

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Dort, wo sonst Filme über die Leinwand flimmern, nahmen 109 junge Handwerker am Donnerstagabend ihre Gesellenbriefe entgegen. Bevor sie den Lohn ihrer Ausbildungsmühen entgegennahmen, richteten einige Honoratioren Grußworte an die Junggesellen.

Reiner Kahle, Obermeister der Elektro-Innung, betonte, dass die Junggesellen nun ein „aktiver, tragender Teil in den jeweiligen Firmen und in der Gesellschaft“ seien.

Ausbildungsbetriebe investieren in Fachkräfte

Für den Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Karsten McGovern war klar: „Sie haben einen wichtigen Abschnitt in Ihrem Leben geschafft: Sie haben eine Prüfung bestanden und Sie haben einen Beruf - das ist eine Sache, auf die Sie sehr stolz sein können und auf die Sie aufbauen können.“ Das sei auch für den Landkreis wichtig, da die heimischen Firmen erfolgreich am Markt agierten. Das Erfolgsrezept sei ganz simpel: Es gebe junge Menschen, die sich ausbilden ließen, Unternehmen, die diese Ausbildung vornähmen - und somit entstehe eine Wertschöpfung nicht nur in den Firmen, sondern auch in der Region.

Auch Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel sieht die Ausbildung der Junggesellen als „eine sehr gute Grundlage nicht nur für die berufliche Zukunft, sondern auch für die Betriebe“. Diese benötigten qualifiziertes Personal, um am Markt bestehen zu können, und würden es mit der Ausbildung sicherstellen. Vaupel brannte jedoch auch ein anderes Thema unter den Nägeln: Die Diskussion um die Berufsschulstandorte in der Region (die OP berichtete). Er forderte, dass dringend eine Lösung gefunden werden müsse.

Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit Marburg, erzählte, dass er jüngst drei Stunden auf einen Installateur habe warten müssen. „Da wusste ich, was Fachkräftemangel ist“, scherzte er. Ernst fügte er hinzu: „Wenn ich ordentlich bewirtet werden will, brauche ich keinen Betriebswirt, sondern einen Koch, der‘s drauf hat. Und wenn ich einen Wasserrohrbruch habe, rufe ich nicht die Philosophen-Hotline an.“ Er wolle nicht falsch verstanden werden, Uni-Abschlüsse seien wichtig, „aber das Handwerk ist gleichwertig“, so Breustedt.

Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher bezeichnete die Freisprechung als „Zäsur und einen Aufbruch, der Ihnen viele Chancen schenkt“. Er prognostizierte den Junggesellen, dass sie eine hohe Wertschätzung erführen, wenn sie ordentlich arbeiteten, „und das, obwohl man Ihnen ganz genau auf die Finger schauen wird. Denn so, wie es 40 Millionen Bundestrainer gibt, gibt es auch viele Möchtegern-Handwerker.“ Doch die Arbeit der Handwerker sei „konkret und nicht abstrakt“.

Auch Limbacher kritisierte die angedachte Verlagerung der Berufsschulstandorte. „Gerade Marburg verfügt über sehr leistungsfähige Berufsschulen.“ Da stoße es bei der Metall-Innung auf völliges Unverständnis, den Standort nach Biedenkopf zu verlegen, wie geplant sei. „Die Verlegung raus aus unserem Innungsbezirk und raus aus dem Oberzentrum Marburg an den Betrieben und den Auszubildenden vorbei ist nicht hinnehmbar“, so Limbacher.

von Andreas Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr