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„Die Ausbildung ist gefährdet“

„Pflegefachkraft“ soll drei Berufe zusammenfassen „Die Ausbildung ist gefährdet“

Die Ausbildung in der Altenpflege soll abgeschafft und durch eine neue generalistische Ausbildung zur Pflegefachkraft ersetzt werden. Darauf einigten sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) – die Eckpfeiler der Pflegeausbildungs-Reform sind also gesetzt.

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Silvanna Wackernagel (von links), Andrea Eberl und Hans-Jürgen Inden diskutierten mit der Landtagsabgeordneten Angelika Löber.

Quelle: Andreas Schmidt

Leidenhofen. Danach sollen Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege ab 2016 zu einem einheitlichen Pflegeberuf verschmelzen. Voraussetzung für die Aufnahme der neuen Ausbildung ist ein mittlerer Schulabschluss oder eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung von mindestens zweijähriger Dauer. Auch ein Hauptschulabschluss soll künftig genügen.

Doch vor allem in der Altenpflege steht diese neue generalistische Ausbildung in der Kritik. Hans-Jürgen Inden und Silvanna Wackernagel, Geschäftsführer des Seniorenheims Lauer in Leidenhofen, hatten daher Landtagsabgeordnete Angelika Löber (SPD) eingeladen, um sie über die Problematik zu informieren.

„Altenpflege und Krankenpflege sind zu unterschiedlich, um sie komplett gemeinsam auszubilden“, sagt Andrea Eberl, Landesreferentin des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste. „Außerdem ist die Finanzierung noch nicht ganz klar: Es soll Länderfonds geben – und zum Teil sollen auch Gelder aus der Pflegeversicherung einfließen“, verdeutlicht sie. Bisher würden Schulplätze in Hessen vom Land bezahlt – mit zuletzt steigenden Schülerzahlen.

Kritik: Inhalte werden Verflachen

Für Hans-Jürgen Inden ist klar: „In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Schüler stark gestiegen – aber jetzt wird dies alles zu Boden getrampelt und es wird eine Vorstellung umgesetzt, die in keiner Art ausgearbeitet ist.“ Die Unsicherheit führe zudem auch dazu, dass zahlreiche Pflegeheime faktisch derzeit keine Auszubildenden mehr einstellen würden, „denn sie wissen nicht, was auf sie zukommt. Somit ist in der Altenhilfe die Ausbildung gefährdet“.

Eine Vereinheitlichung der Berufszweige Kinderkranken-, Kranken und Altenpflege unter Beibehaltung der dreijährigen Ausbildungsdauer führe zwangsläufig zu einer Verflachung der Inhalte. Nicht alle berufsspezifischen Aspekte könnten dann noch in der zur Verfügung stehenden Zeit vermittelt werden. „Und wir brauchen in der Altenpflege auch keine Kinderkrankenpfleger – denn wir haben hier sehr wenige Geburten“, scherzt Inden.

Silvanna Wackernagel betonte, dass die körperlichen Anforderungen an den Beruf der Altenpfleger mittlerweile auch aufgrund zahlreicher Hilfsmittel gesunken seien. „Aber es ist einfach zu wenig Personal da“, so die Geschäftsführerin. Nun stehe zu befürchten, dass sich durch die Ausbildungsnovellierung der Fachkräftemangel gerade in der Altenpflege weiter verstärken werde.

Spezialisierung muss weiter gewährleistet werden

In der Öffentlichkeit würden die Berufe im Krankenhaus als wesentlich attraktiver wahrgenommen werden. Da es auch dort zahlreiche offene Stellen gebe, bestünde die Gefahr, dass sich die meisten Absolventen des gemeinsamen Ausbildungsgangs um solche Plätze bewerben – und nicht um die in der Altenpflege.

Inden könne sich ein erstes gemeinsames Ausbildungsjahr vorstellen, in dem gemeinsame Grundlagen der unterschiedlichen Berufe erlernt werden. Davon würde beispielsweise die ambulante Pflege profitieren, da dort inzwischen deutlich mehr krankenpflegerische Arbeiten als früher anfielen. „Aber es muss weiterhin eine Spezialisierung für die Altenpflege geben“, ist er sich sicher.

Auch die zeitlichen Vorgaben für bestimmte Tätigkeiten seien mitunter sehr problematisch. Silvanna Wackernagel verdeutlicht: „In der Grundpflege fehlen die Leute. Doch vor allem dort sieht man den Menschen von Kopf bis Fuß – da fällt jede Kleinigkeit auf.“ Wenn man allerdings beispielsweise im Akkord waschen müsse, „dann nimmt man mitunter beispielsweise nicht wahr, dass etwa an der Wade ein Pflaster klebt“, verdeutlicht sie. Daher fordere sie mehr Personal für die Grundpflege.

Löber will Gespräche anstoßen

Auch für die Mobilisierung der Bewohner sei ein ausreichend großer Personalschlüssel vonnöten. „Und wir wollen uns die Zeit auch nehmen – denn das ist der Anspruch an unseren Beruf“, verdeutlicht die ehemalige Krankenschwester.

„Die Pflege ist ein ganz wichtiges Thema – aber die Politik ist stellenweise von dem, was auf uns zukommt weit entfernt von dem ist, was passieren müsste“, gibt Angelika Löber zu. Zwar sei die Pflege nicht ihr Fachgebiet – doch sie werde die Themen mit der zuständigen Abgeordneten besprechen.

Löber sieht durch die Novellierung der Ausbildung „einen Bruch von einem, eventuell zwei Jahren – vor dem Hintergrund, dass die Zahlen gerade steigen und wir noch mehr Auszubildende in der Altenpflege brauchen, ist das eine schwierige Situation“. Sie wolle Anregungen aus dem Gespräch mit nach Wiesbaden nehmen.

von Andreas Schmidt

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