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"Deutliches Signal" an die Arbeitgeber gesendet

#Streik - Tag 1 von 3 "Deutliches Signal" an die Arbeitgeber gesendet

Stillstand im Verkehr, Menschen auf den Straßen: am Donnerstag fanden in Marburg Warnstreiks im Öffentlichen Dienst und der Busfahrer statt.

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Auch zahlreiche Auszubildende nahmen an dem Streik Teil, um ihren Forderungen nach mehr Geld und einer garantierten Übernahme Nachdruck zu verleihen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Etwa 800 Streikende waren dem Verdi-Aufruf gefolgt und versammelten sich zunächst am Busdepot der Marburger Stadtwerke, um von dort in einem Demonstrationszug in die Innenstadt zu ziehen. Durch den Streik fuhren im Stadtgebiet keine Busse, zehn städtische Kindertagesstätten waren ebenso vom Ausstand betroffen, wie auch das Aquamar oder die Müllumladestation in der Siemensstraße, die gestern geschlossen blieben.

Durch den Busausfall kam es zu erhöhtem Verkehrsaufkommen. Und auch der Demonstrationszug ließ den Verkehr stellenweise erliegen, denn mehrfach stoppten die Teilnehmer auf ihrer Route für Zwischenkundgebungen.

Mit Plakaten und Fahnen zogen die Streikenden aus dem öffentlichen Dienst durch die Marburger Innenstadt.

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Jürgen Lauer von Verdi war mit der Resonanz zufrieden. „Wir wollen mit unseren Forderungen von einem Plus von 100 Euro monatlich zuzüglich 3,5 Prozent vor allem die unteren Einkommensgruppen stärken“, sagte er. Die Preissteigerungsrate liege mittlerweile bei fast zwei Prozent, „dort werden aber auch Fernseher hineingerechnet, was absoluter Quatsch ist“. Wichtig sei, dass man sich die Lebensmittel des täglichen Bedarfs leisten könne - und dort seien die Preise stark gestiegen.

Lauer ist sich sicher: „Wir haben heute aus Marburg ein deutliches Zeichen an die Arbeitgeber gerichtet.“

11,04 Euro Stundenlohn seien „eine Frechheit“

Jürgen Ubrig von den Marburger Verkehrsbetrieben machte bei der Kundgebung in der Universitätsstraße deutlich, warum die Busfahrer in den Ausstand getreten sind. „Ich sage es zunächst in zwei Worten: Es reicht“, sagte er. Und ließ dann doch noch einige Worte folgen: „Wir fahren Tag und Nacht, 7 Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr. Und das Ganze für 11,04 Euro in der Stunde - mit Verlaub, das ist eine Frechheit“, so Ubrig. Daher fordere man eine Anhebung auf 12 Euro Stundenlohn, „und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange, das kann ich versprechen“, verdeutlichte Ubrig die Hauptforderung.

Lara-Alisa Czucha nahm für die Jugendvertretung von Verdi das Megaphon in die Hand und stellte die Forderungen der Auszubildenden im Öffentlichen Dienst dar: „Wir fordern 30 Tage Urlaub, denn wir wollen Gleichberechtigung auch bei der Erholung“, sagte sie. Außerdem wolle man 100 Euro mehr Ausbildungsvergütung, „denn wir sind es wert und können das Geld in der jetzigen Lage gut gebrauchen.“ Schließlich werde das Leben auch für Azubis immer teurer. Zudem wolle man eine Übernahmegarantie erreichen - weshalb Czucha mit den Worten „ihr könnt uns alle mal... übernehmen“ schloss.

„Wir sollen nach dieser Tarifrunde wieder mit Brosamen abgespeist werden - dazu sage ich ganz deutlich nein“, rief Lissy Bremer der Versammlung zu. Daher fordere man die 100 Euro pro Monat und ein Plus von dreieinhalb Prozent. Wer da von einer maßlosen Forderung spreche verdränge offensichtlich, dass die Bundesregierung von einem deutlichen Wirtschaftswachstum ausgehe und sich auch die Bundestagsabgeordneten gerade eine ordentliche Diätenerhöhung gegönnt hätten. Und wenn diese eine Erhöhung verdient hätten, „dann wir doch erst recht“, so Bremer. Der Öffentliche Dienst habe viele Gesichter, „und jedes davon leistet einen wertvollen Beitrag“. Man habe es mehr als verdient, von der Lohnentwicklung nicht abgehängt zu werden.

Die Busfahrer werden noch bis einschließlich Freitag streiken und wollen am Donnerstag erneut ab 10 Uhr demonstrieren.






                   

von Andreas Schmidt

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