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Deutlich mehr arbeitslose Männer

Arbeitsmarkt Deutlich mehr arbeitslose Männer

Wenig Bewegung auf dem Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote liegt im Landkreis fast unverändert bei 4,4 Prozent. Dennoch könnte sich die Lage in diesem Jahr rasant verschlechtern, so die Einschätzung der Agentur für Arbeit.

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Die Agentur für Arbeit veröffentlichte gestern ihre aktuellen Zahlen. Die Gesamtentwicklung ist stabil, aber es gibt mehr Arbeitslose.

Quelle: Anna Ntemiris

Marburg. Marburg. Zunächst die gute Nachricht: Die Zahl derer, die im Landkreis Sozialleistungen nach dem Sozialgesetzbuch II beziehen (Hartz IV-Empfänger), ist rückläufig. Im Dezember erhielten 6321 Familien Leistungen nach dem SGB II. Im Vormonat waren es 6344, meldet der Landkreis Marburg-Biedenkopf. Auch die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist weiterhin rückläufig und liegt mit 8263 Personen um 4,3 Prozent unter dem Vorjahresmonat. Die Tendenz sei ein Grund zur Freude, erklärt der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Dr. Karsten McGovern (Grüne).

In Marburg ist die Entwicklung noch günstig

„Diese Freude wird kurzfristig sein“, sagt Volker Breustedt, Leiter der Marburger Agentur für Arbeit. Der Grund: Es haben sich im Dezember mehr Menschen arbeitslos gemeldet. Bei den „klassischen“ Arbeitslosen (nach dem Sozialgesetzbuch III, also keine Hartz IV-Bezieher)) wird ein Anstieg von 15,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnet.

„Heißer Herbst“ möglich: Konjunktur entscheidet

Gelingt es diesen Arbeitslosen nicht innerhalb dieses Jahres wieder eine Stelle zu finden, müssen sie Sozialleistungen beim Kreisjobcenter beantragen. „Wenn sich die Konjunktur bis zum Herbst nicht erholt hat, dann haben wir im Kreis ein großes Problem. Wir werden eine Riesenbugwelle an Menschen bekommen, die von SGB III in SGB II abwandern“, sagt Breustedt. Das bedeutet: Es würde mehr Hartz-IV-Empfänger geben. Daher spricht Breustedt von einem „heißen Herbst“.

Die jetzige Situation sei auf den ersten Blick stabil. Die Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent liegt auf dem Vorjahresniveau. Und im Vergleich zu den anderen hessischen Agenturbezirken steht die Marburger Behörde gut da: Hinter Fulda an zweiter Stelle. Dennoch: „Wenn man die Gesamtzahl zerlegt, sieht es deutlich schlechter aus“, sagt Breustedt. Da ist zum einen Zahl die Zahl der Arbeitslosengeld-Bezieher: Im Dezember 2012 gab es 16,7 Prozent mehr als im Dezember 2011.

Große Unterschiede innerhalb des Landkreises

Auffällig sind auch die regionalen Unterschiede innerhalb des Landkreises: Vergleichsweise günstig entwickelte sich die Arbeitslosigkeit in Marburg, weil in der Universitätsstadt ein guter Mix an verschiedenen Branchen vorhanden sei. Dort sank der Bestand an Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahresmonat um vier Prozent. Dem gegenüber steht die Entwicklung in Stadtallendorf mit einer Zunahme von zehn Prozent. Dementsprechend änderten sich auch die Arbeitslosenquoten in den Dienststellen des Agenturbezirkes. Die Spanne reichte im Dezember von 3,7 Prozent in Biedenkopf bis 5,3 Prozent in Stadtallendorf.

Es gab laut Breustedt Firmen im Raum Stadtallendorf, die Beschäftigte Ende des Jahres entließen, inzwischen aber wieder eingestellt haben. Das sei vielleicht betriebswirtschaftlich eine Lösung, besser wäre es aber diese Menschen über Überstundenabbau oder unbezahlten Urlaub zu halten, so der Agenturchef. Denn insbesondere qualifizierte Kräfte könne man dadurch oftmals nicht langfristig im Unternehmen halten.Von den Entlassungen sind besonders Männer betroffen. 20,8 Prozent mehr arbeitslose Männer werden insgesamt gemeldet.

660 Kurzarbeiter in zehn Betrieben

Nach Aussagen der Agentur gibt es derzeit „noch relativ“ viele Kurzarbeiter in der Region: Insgesamt zehn Betriebe nutzen die Kurzarbeit, um 660 Beschäftigte trotz Auftragsmangels zu halten. Weiterhin ist bei den gemeldeten freien Arbeitsstellen ein Rückgang zu verzeichnen: 530 neue Stellen wurden im Dezember gemeldet, das sind 17 Prozent weniger als vor einem Jahr. Auch hierbei hofft der Agenturchef auf einen Wirtschaftsaufschwung und weiß „Mit Prognosen ist es immer schwierig“.

von Anna Ntemiris

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