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Der Trend geht zum Leihwagen

Carsharing Der Trend geht zum Leihwagen

Bundesweit sind die Nutzerzahlen des Car-Sharing um satte 67 Prozent gestiegen. In Marburg fällt die Steigerung zwar geringer aus, doch auch hier geht der Trend zum „Teilzeitauto“.

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Ein Fahrzeug, viele Nutzer: Das ist das Prinzip des Carsharing. Bundesweit hat die Branche im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 67 Prozent erreicht, in Marburg fiel die Steigerung jedoch moderater aus.Foto: Tobias Hirsch

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg.. Die vom Bundesverband Carsharing (bcs) veröffentlichte Jahresbilanz zum deutschen Carsharing zeigt deutlich gestiegene Nutzerzahlen: Mehr als 750000 Fahrberechtigte setzen demnach mittlerweile auf das Prinzip „nutzen statt besitzen“. Damit hielt der seit Jahren beobachtete Trend zum Car-sharing an. Mehr als 1,1 Prozent der Bevölkerung Deutschlands über 17 Jahre nehmen laut der Statistik inzwischen am Car-sharing teil.

Anfang 2014 waren 757000 Teilnehmer bei den rund 150 deutschen Carsharing-Anbietern registriert, was im Vergleich zum Vorjahr einem Zuwachs von 67,1 Prozent entspricht.

Beim Carsharing gibt es zwei Angebotsformen: Das „stationsbasierte“ Carsharing, bei dem die Fahrzeuge an einer festen Station stehen und von dort ausgeliehen und auch wieder dorthin zurückgebracht werden.

Die zweite Form, die vor allem in Großstädten zu finden ist, nennt sich „free floating“: Ein Nutzer mietet das Fahrzeug und lässt es dann quasi am Straßenrand stehen. Von dort kann es dann der nächste Interessent verwenden.

Bei den stationsbasierten Angeboten waren laut bcs 320000 Teilnehmer registriert, was einem Zuwachs von rund 50000 Nutzern entspricht. Die stationsunabhängigen Angebote zählten 437000 Nutzer und haben mit einem Plus von 254000 die Zahl mehr als verdoppelt. Erstmals habe die Quote der Carsharing-Teilnehmer bezogen auf die führerscheinfähige Gesamtbevölkerung ab 18 Jahren damit die Ein-Prozent-Hürde übersprungen.

Diesen Nutzern stehen 7700 Fahrzeuge an 3900 Stationen im stationsbasierten Car-sharing und 6250 Autos in stationsunabhängigen Angeboten zur Verfügung. Dazu sagt Willi Loose, Geschäftsführer des bcs: „Die Dynamik der stationsunabhängigen Angebote beschränkt sich auf 14 deutsche Städte. Die Flächenausbreitung des Carsharing wird hingegen von den stationsbasierten Angeboten geleistet, die in 380 Städten und Gemeinden zu finden sind.“

In Marburg sind die Steigerungsraten bei weitem nicht so hoch wie bundesweit.

Marburg verzeichnet nur eine geringe Steigerung

Tim Pfleiderer, Geschäftsführer von „einfach mobil“, die Carsharing neben Marburg auch in Kassel und Gießen anbieten, erläutert: „In Marburg haben wir derzeit 1000 Nutzer, was einer Steigerung von 4 Prozent entspricht.“ Doch das sei nicht negativ zu sehen, im Gegenteil: „Der Standard war in Marburg schon immer recht hoch“, weiß er.

Das schlage sich auch in den Ausleihstationen nieder: An 22 Stellen im gesamten Stadtgebiet - inklusive Stadtteilen - können die „Carsharer“ die Autos abholen. „Dabei halten wir, je nach Jahreszeit, zwischen 45 und 50 Fahrzeugen in 4 verschiedenen Größen vor“, erläutert Pfleiderer. Im Winter falle die Nutzung geringer aus, daher gebe es dann auch weniger Autos.

Ein so hohes Steigerungspotenzial, wie vom bcs verkündet, sei für Marburg nicht drin. „Wir können die Nutzerzahl noch steigern, werden aber keine Riesensprünge machen“, ist er sich sicher. So soll zukünftig das Stationennetz in der Innenstadt noch weiter ausgebaut werden. Vor allem in den Außenstadtteilen wie Cappel, Wehrda oder der Marbach sei die Nachfrage bisher noch recht gering, dort favorisiere man noch das eigene Auto. „Doch auch dort wollen wir die Situation noch ein wenig verdichten“, sagt Pfleiderer.

Das Thema werde mittlerweile „wesentlich populärer, Carsharing hat mittlerweile einen ganz anderen Bekanntheitsgrad. Und das wollen wir für Marburg auch ausnutzen.“

Das Angebot komme im Bewusstsein der Menschen nun noch deutlicher an - weg vom Exoten-Image, hin zu „einer modernen Mobilitätsdienstleistung, die es vielen ermöglicht, auch in der Stadt nur die Menge an Auto zu haben, die man wirklich braucht“.

Dass dabei auch der ökologische Aspekt eine Rolle spielt, ist dem Geschäftsführer bewusst. Das war gewiss auch ein Grund dafür, dass „einfach mobil“ im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Stadt das erste Elekto-Auto ins Carsharing-Konzept mit eingebunden hat. „Unsere Flotte ist mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnet und wir sind die einzigen Anbieter in ganz Deutschland, die durch „my climate“ unseren gesamten Fuhrpark CO2-neutral stellen.“

Durchschnittliche Strecke ist 20 Kilometer lang

In diesem Rahmen passe das Elektro-Auto bestens ins Konzept. „Und es ist ja auch sinnvoll“, sagt Pfleiderer. Denn die durchschnittlichen Fahrten bei „einfach mobil“ seien „zwischen 20 und 25 Kilometer lang. Da knüpft die Elektromobilität bestens an“.

Viele Kunden fänden das Thema Elektromobilität auch „sehr spannend - ebenso, wie wir“, betont Pfleiderer. Allerdings seien die Fahrzeuge derzeit noch zu teuer, als dass man sie effizient einsetzen könnte, von daher sei in Marburg eine Ausweitung der Elektro-Flotte nicht geplant.

„Carsharing ist ein sinnvolles Mobilitätsangebot - aus ökologischer und ökonomischer Sicht. Nur durch die intelligente Verknüpfung verschiedener Fortbewegungsarten wird es auch in Zukunft gelingen, Mobilität für alle zu gewährleisten. Der täglich mehrfache Wechsel zwischen Zufußgehen, Radfahren, ÖPNV-Nutzung, Carsharing und eigenem Pkw wird für viele Menschen künftig zur Normalität gehören“, ist sich Martin zur Nedden, Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik, sicher.

„Die starke Zunahme der registrierten Kunden beim Carsharing begrüßen wir aus städtischer Sicht sehr. Entscheidend für die Städte ist, dass durch Carsharing private Kraftfahrzeuge ersetzt, Fahrten gebündelt und der Parkdruck im Ergebnis reduziert werden können“, so Hilmar von Lojewski, Beigeordneter des Deutschen Städtetages. Laut Studien könne ein Carsharing-Fahrzeug bis zu elf andere Fahrzeuge ersetzen. Daher griffen viele Städte auch für ihre eigenen Dienstfahrten „ergänzend zum städtischen Fahrzeugpark auf das Angebot entsprechender Unternehmen zurück“, sagt er.

von Andreas Schmidt

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