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„Der Meister ist die Elite im Handwerk“

Kreishandwerkerschaft „Der Meister ist die Elite im Handwerk“

Es ist der Lohn für die Mühe nach der Gesellenprüfung: 43 junge Leute nahmen im historischen Rathaussaal Marburg bei der Meisterfeier der Kreishandwerkerschaft ihre Meisterbriefe entgegen.

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Die Kreishandwerkerschaft hat 43 jungen Menschen im historischen Rathaussaal Marburg ihre Meisterbriefe übergeben.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Viel Prominenz hatte sich angesagt, um den frisch gebackenen Meistern neben Glückwünschen und Meisterbriefen auch anerkennende Worte mit auf den Weg zu geben: Sowohl Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) als auch Regierungspräsident Dr. Lars Witteck (CDU) und Hausherr Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) waren anwesend – ebenso wie der neue Präsident der Handwerkskammer Kassel, Heinrich Gringel.

Den Auftakt der Gratulanten machte Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher: „Ich hoffe, dass alles das, was Sie sich wünschen und die Hoffnungen, die Sie in den Meistertitel gesetzt haben, auch in Erfüllung geht“, sagte er.

Den Auftakt der Gratulanten machte Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher: „Ich hoffe, dass alles das, was Sie sich wünschen und die Hoffnungen, die Sie in den Meistertitel gesetzt haben, auch in Erfüllung geht“, sagte er.

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Lars Witteck ermutigte die Absolventen, die Grußworte durchzuhalten. Denn er habe neulich gelesen, „dass das geduldige Ausharren bei Grußworten und Festreden auf die Zeit im Fegefeuer angerechnet wird“, sagte er lachend. Nach dem launigen Einstieg wurde er ernst. Der Meisterbrief sei immer noch etwas Besonderes:

„Er ist vielleicht nicht mehr die zwingende Voraussetzung dafür, dass Sie sich selbstständig machen dürfen. Aber er steht für Werte, die ohne diesen Abschluss ziemlich schwierig unter Beweis zu stellen sind.“ Dazu gehörten Fachkompetenz und technisches Know-how ebenso wie eine höhere Qualifikation für Führungspositionen und soziale Kompetenz.

„Wer will, dass etwas richtig gemacht wird, der geht zum Meister – alles andere ist am langen Ende nur ein billiger Abklatsch, egal, was die EU sagt“, so Witteck. Darüber hinaus seien Handwerksbetriebe „viel tiefer regional verwurzelt als der eine oder andere Großkonzern, der bei jeder Schwierigkeit neu überlegt, ob er seine Arbeitsplätze nicht in irgendein Billiglohnland verlagert“. Daher sei das Handwerk auch viel stärker bereit, Verantwortung für die eigene Region zu übernehmen.

Erstmals mehr Studierende als Ausbildungsverträge

Oberbürgermeister Egon Vaupel fügte hinzu: „Wenn es um Arbeitsplätze und Ausbildungsstellen geht, ist das Handwerk immer der Bereich, auf den man sich verlassen kann.“ Denn Zukunft sei nur dann zu erreichen, wenn man Wissen weitergebe und die Ausbildungsqualifikation hochhalte. Handwerkspräsident Gringel verdeutlichte, dass der Meister „die Elite im Handwerk“ sei. Der Meisterbrief sei ein Gütesiegel, „und wir sind hart am Arbeiten, dass dieser Meisterbrief auch weiterhin Bestand hat“, so Gringel.

Doch die Vorzeichen seien bedenklich: So gebe es in diesem Jahr erstmals mehr Studienanfänger als Ausbildungsverträge. Dabei müsse die Ausbildungsquote dringend gesteigert werden – „irgendjemand muss doch die Arbeit machen“, sagte der Präsident. Und: Es gebe mehr als 40 Prozent Studienabbrecher – „wir brauchen einfach mehr Meister und nicht mehr Master“, verdeutlichte Gringel.

Dabei seien die Handwerker essenziell wichtig für die regionale Wertschöpfung. Denn er sei treu, gebe das Geld, das er verdiene, auch in der Region wieder aus. „Weil er weiß, dass das Internet keine Ausbildungsplätze schafft – deswegen sind wir stolz, dass das Handwerk dort eine besondere Ethik hat.“ Den Meistern gab Gringel mit auf den Weg, dass sie alles richtig gemacht hätten. Denn alleine in der Handwerkskammer Kassel gebe es mehr als 3000 Betriebe, die in den kommenden acht Jahren regeln die Nachfolge regeln müssten – das biete beste Chancen.

Gringel versteht ausländische Kritik nicht

Finanzminister Schäfer betonte, dass die Handwerker weiterhin das Rückgrat der Wirtschaft seien. Der Aufschwung funktioniere nur, wenn „in einem rohstoffarmen Land der einzige Rohstoff, den wir haben – nämlich unsere Köpfe – so hinlänglich ausgebildet wird, dass wir unseren technologischen Fortschritt und unseren Innovationsfortschritt bewahren und so immer ein bisschen schneller und ein Stückchen besser sind als die Anderen“.

Und dazu trügen Handwerk und Mittelstand enorm bei. Bei einer Million Betriebe gebe es rund 5,5 Millionen Angestellte – „es sind in der Regel die kleinen und mittelständischen Betriebe, die eben nicht wie die großen Konzerne ihre Steuern zwischen europäischen Ländern so lange hin- und herschieben, bis zum Schluss mehr in der Kasse ist, als sie vorher verschoben haben“.

Vor diesem Hintergrund verstehe er nicht, dass manche Staaten die Handwerksordnung in Deutschland einerseits als einen wettbewerbsbeschränkenden Faktor bezeichneten – gleichzeitig „bewundert man uns für unsere immensen Anstrengungen gegen die Jugendarbeitslosigkeit“.  Dies sei zuvorderst ein Verdienst des Handwerks. Daher dürfe die duale Ausbildung auf gar keinen Fall gefährdet werden.

von Andreas Schmidt

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