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Der Landkreis kontert den Bundestrend

Arbeitslosenzahlen Der Landkreis kontert den Bundestrend

Während bundes- und hessenweit mehr Menschen im Juli im Vergleich zum Vormonat arbeitslos waren, sank die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis leicht.

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Der Agenturbezirk Marburg der drittbeste in Hessen. Nahezu alle Personengruppen profitieren.

Quelle: dpa

Marburg. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juli um 61.000 auf 2,773 Millionen gestiegen. Das sind dennoch 99.000 Erwerbslose weniger als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote legte um 0,1 Punkte auf 6,3 Prozent zu.

Zu Sommerbeginn ist die Zahl der Arbeitslosen auch in Hessen leicht angestiegen. Im Juli waren 177.929 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Das waren 2,1 Prozent mehr als im Vormonat, aber auch 4,5 Prozent weniger als im Juli vergangenen Jahres.

Der Anstieg zu Sommerbeginn sei wegen des Schul- und Ausbildungsendes zu dieser Jahreszeit normal, erläuterte die Behörde. Der Zuwachs sei schwächer ausgefallen als in den neun Jahren zuvor. Unter dem Strich handele es sich um den besten Juli seit 1993. Die Arbeitslosenquote stieg von Juni auf Juli um 0,1 Punkte auf 5,4 Prozent.

Es gebe keine Anzeichen für eine nachlassende Dynamik auf dem Arbeitsmarkt, erklärte Direktionschef Frank Martin. Der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit sei ein typisches Juli-Phänomen, weil sich viele erst jetzt auf die Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz machten. Andere würden nach ihrer Ausbildung nicht übernommen und meldeten sich ebenfalls bei den Agenturen.

Rückgang in allen drei Agenturbezirken

Der Landkreis kontert indes sowohl den Bundes- als auch den Landestrend: Hier ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat gefallen. Demnach waren 4931 Menschen arbeitslos gemeldet – also 4 weniger als im Juni, 452 oder 8,4 Prozent weniger, als im Vorjahres-Juli. Agenturchef Volker Breustedt ist mit der Entwicklung zufrieden: „Das ist schon mal ein ordentliches Pfund, wir sind der drittbeste Kreis in Hessen – hinter dem Hoch-Taunus-Kreis und Fulda“, sagte er.

Der Rückgang der Arbeitslosenzahlen im Vergleich zum Vorjahr sei in allen drei Geschäftsstellen spürbar: Im Hauptagenturbezirk Marburg sind 2581 Menschen arbeitslos (Vorjahr: 2803), in Stadtallendorf 1295 (Vorjahr: 1522) und in Biedenkopf 1055 (Vorjahr: 1058).

Vor allem die Zahlen bei den Jugendlichen bis 25 Jahren seien auffällig: Dort sind 16,1 Prozent weniger arbeitslos als noch vor einem Jahr. „Auch bei uns melden sich derzeit viele Jugendliche, um die Zeit bis zu Studium oder Ausbildung zu überbrücken“, so Breustedt. „Aber da wir gerade für Jugendliche einige Kollegen extra abgestellt haben, haben wir auch unheimlich viele Abgänge. Es gelingt uns, sowohl in Ausbildung als auch in Arbeit zu vermitteln.“

Ausbildungsmarkt ist stark in Bewegung

Derzeit sei demnach die Chance für Auszubildende, übernommen zu werden, so groß wie nie: „Die Betriebe wollen ihre Azubis behalten, um ihren Fachkräftebedarf zu decken“, ist sich Breustedt sicher. Laut dem Agentur-Leiter profitierten auch die Älteren und Langzeitarbeitslosen von der guten konjunkturellen Lage derzeit: „Die Zeit, in der man sagen konnte, diese Personen seien per se abgeschnitten von der Arbeitswelt, sind vorbei.“ So sank die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr um 10,1 Prozent.

Doch trotz der positiven Zahlen gebe es auch zwei Personengruppen, die an der guten Situation nicht partizipierten: Ausländer und Behinderte. Fünf Prozent mehr Ausländer-Arbeitslosigkeit gibt es, und bei den Schwerbehinderten sank die Zahl der Arbeitslosen lediglich um 1,6 Prozent. Erfreulich sei indes die Entwicklung bei den gemeldeten Stellen: 736 neue Stellen gab es im Juli, 115 oder 18,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Auf dem Ausbildungsmarkt gibt es derzeit 1848 Bewerber – 6,8 Prozent mehr als vergangenes Jahr. Parallel dazu sind bis jetzt 1548 Ausbildungsstellen bei der Agentur gemeldet worden – 5,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Zurzeit weist die Statistik noch 668 unversorgte Bewerber aus, denen stehen 414 unbesetzte Stellen gegenüber.

„Langzeitarbeitslose profitieren“

Seit Jahresbeginn sinkt auch die Zahl der Arbeitslosen im Rechtskreis SGB II im Kreisjobcenter (KJC) des Landkreises kontinuierlich. Das KJC weist für Juli 2867 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Im Vergleich zum Vormonat Juni ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen somit um 80 Personen oder 2,7 Prozent gesunken. Gegenüber dem Vorjahresmonat sank die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis deutlich um 220 Personen oder 7,1 Prozent.

„Trotz der einsetzenden Sommerpause zeigt sich der regionale Arbeitsmarkt stabil. Langzeitarbeitslose Menschen profitieren weiterhin von der guten konjunkturellen Lage“, so der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Dezernent Marian Zachow (CDU).

Gleichzeitig sei die Zahl der Neuanträge im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, unter anderem durch die stärkere Zuwanderung, gestiegen. „Das ist eine große Chance für den Arbeitsmarkt in unserer Region“, erläuterte Zachow. Jetzt gelte es, mit geeigneten Angeboten die berufliche Integration dieser Menschen schnell voranzutreiben.

Die Anzahl der Bedarfsgemeinschaften ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 66 oder 1,1 Prozent auf 6336 gestiegen. Verglichen mit dem Vormonat bedeutet dies einen Rückgang um 103 oder 1,6 Prozent.
Bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Anstieg um 187 auf 8248 Personen zu verzeichnen – ein Zuwachs um 2,3 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat Juni liegt die Zahl um 1,6 Prozent oder 134 Personen niedriger.

von Andreas Schmidt und unserer Agentur

 
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