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Der Frühjahrsaufschwung bleibt aus

Arbeitslosenstatistik Der Frühjahrsaufschwung bleibt aus

Der Arbeitsmarkt im Landkreis verharrt derzeit nahezu – jedoch auf einem „sehr guten Niveau“, wie Volker Breustedt, Leiter der Arbeitsagentur Marburg erläutert.

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Der Landkreis Marburg Biedenkopf steht gut da. Gewinner ist, wie schon im Vormonat, die Region rund um Biedenkopf.

Quelle: dpa

Marburg. „Wir haben Super-Werte, was die Bestände angeht. Aber die Bewegung ist entweder ein wenig schwach oder geht in die falsche Richtung“, erläutert Breustedt.

Insgesamt waren im Mai 5643 Menschen arbeitslos gemeldet, das sind 8 Prozent oder 492 Personen weniger als im Mai vergangenen Jahres. Die Arbeitslosenquote liegt im Landkreis bei 4,4 Prozent. Hessenweit beträgt die Quote 5,7 Prozent.

Damit ist der Landkreis weiterhin gut aufgestellt. „Gewinner ist, wie schon im Vormonat, die Region rund um Biedenkopf“, sagt Breustedt. Im Gegensatz zum Vorjahr sind dort 200 Menschen weniger arbeitslos gemeldet, was einem Rückgang um 16,3 Prozent entspricht. Und die Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent sei nahezu Vollbeschäftigung. „Es ist auch gut, dass die Region so gut aufgestellt ist“, betonte Breustedt. Denn wenn Johnson Controls in Friedensdorf tatsächlich einen Großteil der Belegschaft entlassen wolle, „stehen die alle bei uns vor der Tür“.

Bei allem Enthusiasmus sieht Breustedt auch zwei Gruppen, „bei denen die Entwicklung nicht so schön ist, weil es fast keine Bewegung gibt“. Nämlich zum einen bei der Gruppe von Arbeitslosen, die älter als 55 Jahre sind – und bei den Ausländern.

967 Arbeitslose sind älter als 55, was zwar einen Rückgang zum Vorjahr um 0,5 Prozent bedeutet, „aber das ist fast keine Bewegung“. Vielmehr mache diese Gruppe mit 17 Prozent aller Arbeitslosen fast ein Fünftel aus.

Ähnlich sieht es bei den Ausländern aus: 1079 sind derzeit ohne Arbeit, was auf alle Arbeitslosen betrachtet satte 19 Prozent bedeutet. „Auch hier ist der Rückgang zum Vorjahr mit 1,6 Prozent äußerst dürftig“, ordnet Breustedt die Zahlen ein.

Qualifikation und Sprache entscheidend

„Die beiden Gruppen sind zwar nicht vollständig von der positiven Entwicklung abgehängt, aber der Markt stagniert doch stark“, so der Agenturleiter. Als Gründe sieht Breustedt bei den Ausländern häufig eine mangelnde Qualifikation und auch immer noch sprachliche Defizite. Vor diesem Hintergrund freue er sich, dass eine Lösung für Deutschkurse gefunden wurde, die durch den Europäischen Sozialfonds gefördert werden. „Zwischenzeitlich waren die Mittel ausgelaufen, das war ganz übel.“ Doch mittlerweile habe die Regierung signalisiert, dass es wieder Mittel gebe.

Eindeutiger Gewinner auf dem Arbeitsmarkt seien die jungen Leute unter 25 Jahren: 523 Arbeitslose sind dort gemeldet, „das sind 18,8 Prozent weniger als im Vorjahr, also fast ein Fünftel weniger“, so Breustedt. Dort mache sich die gezielte Betreuung durch die Arbeitsagentur bezahlt: „Je höher die Betreuungsdichte, desto größer ist der Erfolg“, betont er. Von daher hofft er auf einen ähnlichen Effekt bei den Älteren. Denn bei der Arbeitsagentur gibt es ab Montag fünf Kollegen, die sich speziell um diese Personengruppe kümmern.

Zufrieden ist der Agenturleiter mit der Entwicklung des Ausbildungsmarkts: 1550 Bewerber gibt es seit dem 1. Oktober, dem gegenüber stehen 1356 Ausbildungsstellen. Aktuell stehen 766 Bewerbern noch 576 Stellen gegenüber. Die Bewerberzahl sei im Gegensatz zum Vorjahr um 4,4 Prozent gesunken, „dort kann man also erkennen, wo die Reise hingeht“, sagt Breustedt.

Er beobachte derzeit, dass viele Betriebe noch auf Bewerber warteten. Das könne aber fatale Folgen haben, denn: „Was jetzt in den Betrieben an Bewerbungen vorliegt, kann sich morgen schon in Luft auflösen.“ Denn die guten Bewerber könnten sich jederzeit für einen anderen Job entscheiden. „Da gilt es, den Sack zuzumachen und die Leute zu binden.“

Positive Entwicklung auch bei Langzeitarbeitslosen

Neu arbeitslos meldeten sich 1372 Personen, 60 oder 4,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. In der gleichen Zeit meldeten sich 1446 Personen aus der Arbeitslosigkeit ab. Das waren 167 oder 10,4 Prozent weniger als vor einem Jahr. 604 Personen im Landkreis beendeten ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit – zu 80 Prozent kamen diese Personen aus dem Versichertenbereich.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Mai ebenfalls leicht gesunken. Das Kreisjobcenter (KJC) des Landkreises Marburg-Biedenkopf weist für diesen Monat insgesamt 3199 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Im Vergleich zum April ist die Zahl damit um 7 Personen oder 0,2 Prozent gesunken. Gegenüber dem Vorjahresmonat gibt es 310 Langzeitarbeitslose weniger (minus 8,8 Prozent). Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger liegt bei 2,5 Prozent – im Gegensatz zu 2,7 Prozent im Vorjahr.

„Die erfreulich stabile Entwicklung am heimischen Arbeitsmarkt geht weiter. Die Arbeitslosigkeit hat sich seit Jahresbeginn – wenn auch in kleinen Schritten – kontinuierlich reduziert. Die Nachfrage nach Arbeitskräften setzt ihre leichte Aufwärtsbewegung fort und befindet sich auf einem guten Niveau“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Dr. Karsten McGovern.

Analog zu den Arbeitslosen ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten leicht gesunken. Im Vergleich zum Vormonat reduzierte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 11 (minus 0,2 Prozent) auf insgesamt 6275. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen Anstieg um 77 Bedarfsgemeinschaften oder 1,2 Prozent. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten sank zum Vormonat um 0,3 Prozent auf 8096. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 1,0 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einer Reduzierung um 84 Personen.

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