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„Der Arbeitsmarkt ist nicht mehr so hektisch“

Arbeitslosenzahlen „Der Arbeitsmarkt ist nicht mehr so hektisch“

Die Arbeitslosigkeit ist im Landkreis erneut gesunken. Allerdings sind knapp ein Sechstel der Arbeitslosen älter als 55 Jahre - das bereitet Marburgs Arbeitsagenturleiter Volker Breustedt Sorgen.

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Die Arbeitslosigkeit ist im Landkreis erneut gesunken.

Quelle: Katharina Kaufmann

Marburg. Wie schon im vergangenen Monat waren in allen Regionen des Landkreises und in beiden Rechtskreisen weniger Arbeitslose als vor einem Jahr zu verzeichnen. Insgesamt 5717 Menschen waren im April 2014 arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosigkeit lag damit gut 1 Prozent unter dem Wert für März und 11,3 Prozent unter dem Wert von April 2013. Es gab somit 728 weniger arbeitslose Menschen im Landkreis als noch vor einem Jahr.

„Marburg-Biedenkopf ist in der Champions League“, sagt Volker Breustedt, und zwar „mit einem eindeutigen 4:0“. Denn sowohl im gesamten Agenturbezirk als auch in den drei Dienststellen Biedenkopf, Stadtallendorf und Marburg verzeichne man einen Rückgang der Arbeitslosigkeit. „Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,4 Prozent, das sind 0,6 Prozentpunkte weniger als im Vorjahresmonat - ein Top-Ergebnis“, so Breustedt. Damit sei man der fünftbeste Landkreis hessenweit.

Die gesunkene Arbeitslosenquote gelte für beide Rechtskreise: Bei den Versicherten steht ein Minus von 15,6 Prozent an Arbeitslosen, im Rechtskreis des SGB II, landläufig Hartz IV genannt, sank die Arbeitslosigkeit um 7,6 Prozent.

Regionaler Gewinner ist dabei Stadtallendorf mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 18,2 Prozent. Die beste Arbeitslosenquote kann indes Biedenkopf aufweisen: Dort sind 578 Menschen arbeitslos gemeldet, was einer Quote von 3,3 Prozent entspricht. „Das ist quasi Vollbeschäftigung“, sagt Volker Breustedt. Das sei auch gut so, denn dann könne man so befürchtete „Schlappen wie von Johnson Controls besser wegstecken“, meint der Agenturleiter.

Vor allem die jungen Arbeitslosen profitieren

Nur in drei Gemeinden des Landkreises ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen: In Münchhausen um eine Person oder 1,4 Prozent, in Fronhausen um 3 Personen oder 4,5 Prozent. Und in Lahntal sind 16 Personen mehr arbeitslos, was einer Steigerung um 13,4 Prozent entspricht.

Vor allem die jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren hätten vom Arbeitsmarkt profitiert: 555 sind derzeit ohne Job, „das ist ein Minus von 20,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr“, sagt Breustedt.

Dazu habe auch das gezielte Vorgehen der Arbeitsagentur Marburg beigetragen, ist sich der Agenturleiter sicher. Denn die Agentur setze mit einer Initiative auf die gezielte Vermittlung der jungen Arbeitslosen: Zwei Arbeitsvermittlerinnen kümmern sich ausschließlich um diese Gruppe, „mit dieser erhöhten Betreuungsdichte können wir positive Effekte auslösen. In dieser Altersgruppe ist noch viel über Motivation zu erreichen“, sagt Breustedt.

Dem gegenüber stehen jedoch die Arbeitslosen, die älter als 55 Jahre sind: Deren Zahl stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um 25 Personen auf 1018, „das entspricht fast einem Sechstel“, sagt der Agenturleiter. Und diese Personengruppe bereite im Sorgen. Daher werde man zukünftig fünf Vermittler ausschließlich mit der Gruppe der älteren Arbeitslosen betrauen, um an die Erfolge der jungen Leute anzuknüpfen. „Derzeit werden die Kollegen geschult, wir denken, dass sie ab Juli einsatzfähig sind.“

Insgesamt sei der Arbeitsmarkt recht gesättigt, es gebe wenig Fluktuation. „Der Arbeitsmarkt ist nicht mehr so hektisch“, sagt Breustedt und verweist darauf, dass im April 589 Zugänge aus Erwerb zu verzeichnen waren, dem gegenüber stehen 550 Abgänge in Erwerb.

Mehr Langzeitarbeitslose als im Vormonat

Der Ausbildungsmarkt hingegen ist noch kräftig in Bewegung. 1472 Bewerber gibt es, parallel dazu sind jetzt 1309 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet - beide Zahlen bewegen sich um das Vorjahresniveau herum.

804 nicht versorgten Bewerbern stehen derzeit 600 unbesetzte Stellen gegenüber, das gehe sich noch aus, gibt sich Breustedt zuversichtlich.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist indes im April angestiegen. Das Kreisjobcenter (KJC) des Landkreises weist insgesamt 3206 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Im Vergleich zum März ist deren Zahl damit um 38 Personen oder 1,2 Prozent gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat sank die Zahl der Langzeitarbeitslosen jedoch um 264 oder 7,6 Prozent. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger liegt aktuell bei 2,5 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote noch bei 2,7 Prozent.

„Mit dem aktuellen Anstieg können wir nicht zufrieden sein: Besonders vor dem Hintergrund, dass viele Unternehmen durchaus Fachkräfte suchen“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Dr. Karsten McGovern. Das KJC werde deshalb weiterhin intensiv auf die regionalen Unternehmen zugehen, um Langzeitarbeitslose passgenau für den vorhandenen Bedarf zu qualifizieren.

Anders als bei den Arbeitslosen ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten leicht zurückgegangen. Im Vergleich zum Vormonat reduzierte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 26 (minus 0,4 Prozent) auf insgesamt 6286. Verglichen mit dem Vorjahrsmonat bedeutet dies einen Anstieg um 95 oder 1,5 Prozent. Bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum Vormonat ein Rückgang um 0,4 Prozent auf 8121 Personen zu verzeichnen. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 0,1 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einer Reduzierung um neun Personen. Insgesamt befanden sich zum Stichtag im April 1441 Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen.

von Andreas Schmidt

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