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Der „Alleskönner“ im Baugewerbe

Ausbilundgsserie Der „Alleskönner“ im Baugewerbe

Die Ausbildungsplatz- und Nachwuchssuche ist in der heißen Phase. Besonders das Baugewerbe sucht noch Lehrlinge. Im zweiten Teil der Ausbildungsserie stellt die OP exemplarisch den Beruf des Maurers vor.

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Adrian Ionescu, Lehrling im dritten Jahr (von links), der neue Lehrling Mike Begic, Bauunternehmer Marius Katzmarzik und Günther Felgenhauer vom Arbeitgeberservice sind froh über den frisch geschlossenen Arbeitsvertrag.Foto: Ina Tannert

Marburg. „Das Matching zwischen Ausbildungsinteressierten und freien Ausbildungsstellen ist weiterhin in vollem Gange“, teilt die Arbeitsagentur Marburg mit. Aktuelle Zahlen belegen: im Landkreis stehen zurzeit noch 514 freie Ausbildungsstellen zur Verfügung.

Auf der anderen Seite sind noch 683 gemeldete Bewerber auf der Suche. Wer noch einen Ausbildungsplatz sucht, hat demnach gute Chancen. Aber es wird Zeit, sich zu bewerben, „die Jugendlichen müssen jetzt los legen“, sagt Günther Felgenhauer vom Arbeitgeberservice der Agentur.

Mehr, als nur mit der Kelle Wände hochziehen

Seit 15 Jahren betreibt Marius Katzmarzik ein Bauunternehmen in Lohra-Kirchvers. Der mittelständische Betrieb läuft gut, das achtköpfige Team will der Chef durch weitere Lehrlinge ergänzen. „Gute Ausbildung mit Zukunft ist wichtig“, weiß der Maurermeister und erklärt die Grundzüge des abwechslungsreichen Berufs.

Beim Bild des Maurers denken viele immer noch an mörtelverschmierte Baugruben, in denen ein Maurer mit der Kelle in der Hand eine Mauer hochzieht, ganz nach dem altbekannten „Stein-auf-Stein“-Prinzip. Doch der Beruf hat laut Katzmarzik deutlich mehr zu bieten.

Maurer tragen im Baugewerbe eine hohe Verantwortung, arbeiten flexibel an den Baustellen und verwenden die unterschiedlichsten Materialien. „Das Schönste ist die Abwechslung, jeden Tag erlebt man etwas anderes“, weiß Katzmarzik.

Ob im Hoch-, Ingenieur- oder Tiefbau, bei Einfamilien-, Hoch- oder Reihenhäusern, Büro- oder Industriebauten - Maurer sind überall im Einsatz und errichten nach Bauplan neue Gebäude, setzen Häuser instand oder modernisieren komplizierte Altbauten.

Dabei arbeiten sie mit vielfältigen Materialien und Werkzeugen. Neben verschiedenen Betonsteinen verwenden sie Klinker, Ziegel, Hütten- oder Kalksandstein und verbinden diese mit Mörtel oder Kleber.

Neben dem „Hochziehen“ von Wänden verlegen Maurer Estriche und Platten, montieren Treppen und arbeiten eng mit anderen Gewerken zusammen. In Altbauten mauern sie komplizierte Gewölbe und Bögen.

Bei Sanierungsarbeiten beheben sie Bauschäden oder sind für Abbruch- und Stemmarbeiten zuständig. Angefangen bei Baugrube und Fundament über Gerüste, Innen- und Außenwände bis hin zur Decke samt Isolierung liegt der Bau in ihrem Zuständigkeitsbereich.

Dabei sind ein guter Blick, handwerkliches Geschick, der Umgang mit Werkzeugen und technischen Hilfsmitteln gefragt. Nach getaner Arbeit wird penibel nachgemessen, etwa mit dem Laser-Nivelliergerät. In dem hochtechnischen Beruf ist die traditionelle Maurerkelle schon lange nicht mehr ausreichend. Dabei ist auch Köpfchen gefragt - und eine gute Einarbeitung, weiß der Maurermeister. Doch nicht nur geistig, auch körperlich kann der Mau-rerberuf anstrengend sein. Harte, wetterabhängige Arbeit unter freiem Himmel liegt nicht jedermann. Ebenfalls kann es in der Bausaison zu Termindruck und langen Arbeitszeiten kommen.

Handwerk von der Pike auf erlernen

„Das Maurern ist eine Herausforderung, die einem liegen und Spaß machen muss“, weiß der Chef. Allerdings sei die Verdienstmöglichkeit, bedingt durch eine hohe Nachfrage nach Arbeitskräften bei gleichzeitig geringer Fachkräfteanzahl, schon während der Ausbildung „sehr gut“. Die Grundzüge des Maurerhandwerks wird ab August Katzmarziks neuer Lehrling von der Pike auf erlernen.

Die Arbeitsagentur hatte den 15-jährigen Mike Begic mit dem Betrieb zusammengebracht. Nach einem kurzen Praktikum war für ihn klar, dass er Maurer werden will. „Das Handwerk lag mir schon immer. Über die Entscheidung bin ich echt froh“, sagt er über die Ausbildung.

In den kommenden drei Jahren wird Mike Begic die verschiedenen Stationen des Ausbildungsberufs absolvieren. Im ersten Jahr liegt der Schwerpunkt in der schulischen Ausbildung, in der die theoretischen Grundkenntnisse des Handwerks, die einzelnen Werkstoffe sowie handwerkliches und technisches Know-how vermittelt werden. Ab dem zweiten Ausbildungsjahr halten sich die Lehrlinge deutlich öfter im Betrieb auf und tauchen tiefer in die Praxis des Maurerhandwerks ein.

Regelmäßig neue Lehrlinge aufzunehmen helfe allen Beteiligten, nicht nur, um den herrschenden Fachkräftemangel auszugleichen. Auch die einzelnen Betriebe profitierten von eigens angelernten, in das Unternehmen integrierten Azubis, betont indes Marius Katzmarzik.

Arbeitsagentur steht für Fragen zur Verfügung

Sein Bauunternehmen hat in diesem Jahr nicht nur einen dritten Auszubildenden aufgenommen, sondern verfügt noch über eine weitere, freie Lehrlingsstelle. Interessierte können sich unter 06426/966109 informieren.

Für alle Fragen steht die Arbeitsagentur Marburg zur Verfügung. Die offene Sprechstunde der Berufsberatung Marburg findet jeden ersten Donnerstag im Monat zwischen 15 und 18 Uhr statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

von Ina Tannert

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