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Denkzettel für Michael Schmidt

Hauptversammlung der 3U Holding AG Denkzettel für Michael Schmidt

Nein, zufrieden war die Mehrzahl der Aktionäre, die zur Hauptversammlung der 3U Holding AG gekommen waren nicht. Zu viele Fehlentscheidungen und zu hohe Gehälter, lautete ihre Kritik.

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Die 3U Holding AG will in diesem Jahr wieder Gewinne erwirtschaften und damit auch den Kurs ­seiner Aktie beflügeln.

Quelle: Frank Rademacher

Marburg. Zu spüren bekam dies am Ende der Hauptversammlung vor allem Vorstandssprecher und Großaktionär Michael Schmidt. Mit einer knappen Mehrheit von 53,78 Prozent endete seine Entlastung. Da Schmidt ein Viertel der 3U-Aktien hält, sich aber nicht selbst Entlastung erteilen durfte, wog in der Abstimmung über seine Tätigkeit das Gewicht der Kritiker besonders schwer. Schmidts Kollegen Andreas Odenbreit (82,88 Prozent) und Christoph Hellrung (82,87 Prozent) erhielten dank Schmidts Anteil eine deutlich höhere Zustimmung.

Die demonstrierte Ablehnung lag freilich nicht am erneuten Verlust, den der Konzern im vergangenen Jahr eingefahren hatte. Der fiel mit 820.000 Euro deutlich niedriger aus als noch im Jahr zuvor, als 3,24 Millionen Euro Verlust zu Buche gestanden hatten.

Gewinn soll 0,5 bis 2,5 Millionen Euro betragen

Dass die Holding mit den Geschäftsfeldern Telekommunikation, IT-Service und Erneuerbare Energien auf dem richtigen Weg ist, hatte schon das Schlussquartal 2015 gezeigt, als ein Gewinn von 490.000 Euro erwirtschaftet worden war. Mindestens in dieser Größenordnung soll der kommende Jahresgewinn ausfallen, lautet die Prognose des Vorstands. Läuft das Geschäft gut, könnten am Ende des Jahres auch 2,5 Millionen Euro Gewinn stehen.

Der Ärger der kritischen Aktionäre machte sich vor allem am hohen Gehalt des Vorstands und seiner strukturellen Zusammensetzung fest. Matthias Zettler etwa hielt der Führungsmannschaft vor, seit 2012 rund 18 Millionen Euro „verbrannt“ zu haben, in der gleichen Zeit aber 780.000 Euro an Bonifikationen eingestrichen zu haben.

„Das passt nicht zusammen. Ich werde nicht dafür belohnt, wenn ich das Geld anderer Leute vernichte“, erklärte der Aktionärsvertreter. Ein anderer Aktionär kritisierte in diesem Zusammenhang auch den Aufsichtsrat, der für die Jahre 2012 bis 2014 Rückforderungen an den Vorstand hätte stellen sollen. Stattdessen laute die Erklärung, das Management habe gut gearbeitet.

Vorstand weist Vorwürfe zurück

Aufsichtsratsvorsitzender Ralf Thoenes hatte in seinem Bericht bereits angekündigt, dass derzeit über ein neues Vergütungssystem des Vorstands verhandelt werde. Dabei sollten die tatsächlichen Ergebnisse des Konzerns eine stärkere Rolle spielen.

Zugleich wiesen Vorstand und Aufsichtsrat in ihren Antworten auf die kritischen Vorhaltungen der Aktionäre eine Verantwortung für die hohen Verluste der vergangenen Jahre zurück. Die sich ständig verändernden Rahmenbedingungen auf wirtschaftlicher und politischer Ebene in den Bereichen Telekommunikation und Erneuerbare Energien hätten auch anderen Unternehmen dieser Branchen enorme Schwierigkeiten bereitet.

Zudem befinde sich der Konzern immer noch in einem Transformationsprozess, indem­ er sich breiter aufstelle, um ­wirtschaftliche Schwierigkeiten in einzelnen Feldern ­
besser ausgleichen zu können. In einer solchen Phase seien keine Gewinne zu erwarten ­gewesen.

Immowerker muss 
den Betrieb einstellen

Dem hielten die Kritiker entgegen, dass es unverantwortlich gewesen sei, in einem Jahr, in dem der Preis für Photovoltaik-Anlagen um 40 Prozent gefallen sei, ohne Kenntnisse in diesem Geschäftsfeld, mit Millionenbeträgen einzusteigen.

Unverständnis wurde auch für die Bilanz des Tochterunternehmens Immowerker gezeigt, das eine halbe Million Euro Ver­luste gemacht habe, derweil andere Handwerks-Firmen sich über Gewinne freuten. Vorstand Michael Schmidt ­teilte daraufhin mit, dass die Aktivitäten von Immowerker eingestellt, die vorhandenen Aufträge aber noch abgearbeitet würden.

Unzufrieden sind die Aktionäre weiter mit dem Kurs der 3U-Aktie, die zum Jahresende mit 60 Cent gehandelt worden war und damit gegenüber dem Vorjahr noch einmal knapp 12 Prozent verloren hatte. Auch hier sah Matthias Zettler Vorstand und Aufsichtsrat mit in der Pflicht: „Sie all glauben an die Firma, dann kaufen sie die Aktien!“

von Frank Rademacher

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