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Den „Energieschluckern“ auf der Spur

Kostenlose Impulsberatung Den „Energieschluckern“ auf der Spur

Zum Energiesparen bietet die „Hessische Initiative für Energieberatung im Mittelstand“ (Hiem) ab Oktober kostenfreie 
Impulsberatungen an – gefördert durch das Wirtschaftsministerium.

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Kinobetreiber Gerhard Closmann (von links) erläutert Sasa Petric die Lüftungsanlage im Cineplex, Bodo Brückner protokolliert die Ergebnisse.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Wenn der Marburger Kino-Unternehmer Gerhard Closmann im Cineplex über seine Stromkosten redet, dann merkt man, dass ihn das Thema umtreibt. „Wir verbrauchen im Jahr rund eine Million Kilowattstunden“, sagt er. Also so viel Strom, wie etwa 250 Drei-Personen-Haushalte – die Kosten dafür bewegen sich laut Closmann „im sechsstelligen Bereich“.

Aufgrund des hohen Verbrauchs gilt das Kino eigentlich als „energieintensiver Betrieb“. Doch eine Befreiung von der EEG-Umlage gibt es dennoch nicht, da das Kino kein produzierendes Gewerbe ist.
Aber wo liegt das Einsparpotenzial im Cineplex?

Dieser Frage wollen Sasa Petric und Bodo Brückner im Kino auf den Grund gehen: Sie bieten die Impulsberatungen an, von denen mittelständische Unternehmen ab dem 1. Oktober wieder kostenfrei profitieren können.

„Bei unserer Impulsberatung vor Ort in den Betrieben analysieren wir sämtliche Energie-Einsparpotenziale. Wir geben Tipps für kurzfristig umsetzbare Maßnahmen im Betrieb und zu weiterführenden Förderangeboten“, erläutert Petric. Der Ingenieur und Projektleiter der Hiem und sein Team erstellen nach ihrem Besuch einen schriftlichen Kurzbericht für die Unternehmer, als Gedankenstütze für die angesprochenen Themen.

Lüftungsanlage bietet großes Einsparpotenzial

Petric ist sich sicher, dass die Beratungen bei den Unternehmen eine nachhaltige Wirkung entfalten. Gebäudehülle, Fenster, Heizung und Klimaanlage würden ebenso in das Konzept einbezogen, wie Druckluft, Photovoltaik, Kraft-Wärme-Kopplung oder Beleuchtung. Fast überall ließen sich Einsparpotenziale identifizieren.

Im Cineplex lässt sich Petric zunächst die baulichen Gegebenheiten erläutern, fragt gezielt bei Beleuchtung oder Lüftungsanlage nach. Und schnell wird deutlich: Vor allem bei der Lüftungs- und Klimaanlage liegt im Kino ein großes Einsparpotenzial. Am sinnvollsten wäre ein Austausch – das weiß auch Gerhard Closmann. Doch dieser Austausch ist nicht zu realisieren: „Wir haben dafür einen Kostenvoranschlag, der in die Millionen geht – und parallel müsste das Kino für ein halbes Jahr geschlossen werden“, sagt er – das sei unmöglich.

Potenzial gebe es aber auch in der Steuerung der Lüftung, mittels angepasster Luftklappen oder auch der Nutzung der warmen Abluft für die Heizung. Das verdeutlicht der 73-Jährige in einem Vorführraum: Durch den Projektor, der mit Xenon-Leuchtmitteln ausgestattet ist, entsteht immens viel Abwärme – die aber direkt nach außen transportiert wird und weder Heizung noch Brauchwasser erhitzt. Gleichzeitig steht gegenüber des Projektors ein Rechner, auf dem der Film abläuft – und dieser muss gekühlt werden.

Für Photovoltaik fehlt 
auf dem Dach der Platz

Wäre ein Wärmetauscher zum Nutzen der Abluft also eine Option? „Kommt darauf an, wie sich die Lasertechnik weiterentwickelt“, sagt Closmann. Denn diese werde wohl künftig bei Projektoren zum Einsatz kommen – mit wesentlich weniger Strombedarf und weniger Hitzeabstrahlung.

Auch für eine Photovoltaikanlage ist das Kino nicht geeignet: Ein Gebäudeteil verfügt über ein Flachdach – wird aber beschattet. Und der zweite Gebäudeteil, der in der Sonne liegt, hat ein Tonnendach.
Dutzende weitere Fragen stellt Sasa Petric, weist auch auf Fördermöglichkeiten hin. Er sieht: Im Cineplex lassen sich garantiert Kosten sparen. Sein Kollege Bodo Brückner protokolliert alles mit – bald werden sie Gerhard Closmann die Ergebnisse ihrer Analyse mitteilen. „Ich bin für alles offen, solange es sich realisieren lässt“, sagt der.

Petric ist optimistisch. In der Praxis habe sich gezeigt, dass Unternehmen alleine mit Verhaltensänderungen 10 bis 20 Prozent Energie einsparen könnten. Darüber hinaus zeigten Praxisbeispiele der Initiative, dass die Unternehmen mit Investitionen in Produktion und Produktionsstätten bis zu 50 Prozent ihrer Energiekosten senken können.

  • Der Landkreis bietet am Dienstag, 15. März, von 14 bis 16 Uhr im Kreistagssitzungssaal des Landratsamts die Veranstaltung „Energieeffizienz für Unternehmen in Mittelhessen“ an. Neben einer kurzen Einführung in das Thema Energieeffizienz gibt es vier Kurzvorträge: „Energieeffienz-Impulsberatung und weitere Förder- und Beratungsangebote des RKW Hessen“, „BAFA-Förderprogramm – Hocheffiziente Querschnittstechnologien“, „Klimaschutz und Energieeffizienz in Firmen – Angebote vom Landkreis Marburg-Biedenkopf“ und „IHKs – Ihre Partner für Energieeffizienz“. Um Anmeldung wird per E-Mail an FrankeS@Marburg-Biedenkopf.de gebeten.

von Andreas Schmidt

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