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Den Bewegungsapparat fest im Blick

Praxis für Orthetik Den Bewegungsapparat fest im Blick

Die Orthetik-Praxis „Bentzer & Ströbel“ gibt es seit gut einem Jahr – mittlerweile haben die Inhaber eine Orthese für Lähmungspatienten entwickelt.

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Mit dem Messgerät für Biomechanik analysieren Christian Ströbel (von links), Thilo Trolp, Philipp Böhm und Daniel Bentzer den Gang von Praktikantin Franziska Brand.

Quelle: Klaus Böttcher

Kirchhain. Die beiden Orthopädietechnikmeister Daniel Bentzer und Christian Ströbel haben vor gut einem Jahr ihre Orthetik-Praxis in Kirchhain eröffnet. Beide sind Orthetiker und arthrosezertifiziert. Während Christian Ströbel den Fachbereich Orthetik als technischer Leiter abdeckt, ist Daniel Bentzer der Sensomotorik-Experte und kümmert sich um die physiotherapeutische Ganganalyse. „Prothetik ist der Ersatz eines Körperteils, Orthetik ist die Unterstützung eines Körperteils“, erklärt Ströbel den Unterschied und sein Partner Bentzer betont: „Orthese ist Therapie.“

In ihrem Unternehmen bieten Bentzer und Ströbel Ganganalyse und Bewegungsdiagnostik ebenso an wie Schuheinlagen in Spezialanfertigung, die Neuro-Orthetik oder Therapiekonzepte nach Schlaganfall. Auch die objektive Orthesenbewertung, das Arthrosemanagement oder die Vorfußprothetik hat die Praxis im Angebot. Außerdem bieten die Inhaber Fortbildungen für Physiotherapeuten und Ärzte an.

Waren die beiden Orthetiker anfangs noch alleine und mussten Physiotherapeuten hinzuziehen, so haben sie ihr Team um zwei speziell ausgebildete Physiotherapeuten erweitert. Das spiele vor allem bei der Ganganalyse eine Rolle. Bei dieser Analyse geht der Patient seinen normalen Gang in seiner normalen Geschwindigkeit. Dabei wird er von vorne, von hinten und von der Seite in zwei Ebenen gefilmt: Aufgezeichnet werden die Beine und der gesamte Körper. Durch diese Aufzeichnungen kann der Gang des Menschen objektiv beurteilt werden.

Computer hilft bei Diagnose

„Wichtig ist für uns die Biomechanik“, erklärt Daniel Bentzer. „Anhand von ihr stellen wir fest, wo Schmerzen und Überlastungen beim Patienten sind und wie wir die Überlastungen ausgleichen können.“ Dazu haben Bentzer und Ströbel ein Messgerät angeschafft, das nach ihrer Aussage kreisweit einmalig ist. Das Gerät zeigt die Bodenreaktionskraft an und liefert eine konkrete Aussage über den Zustand der Gelenke.

Dabei kann von der Seite oder von vorne gefilmt werden und die Belastung wird durch eine auf das Bein projizierte Linie dargestellt und auch im Computer gespeichert. Hat der Patient beispielsweise starke Schmerzen durch eine Kniearthrose wird mit dem Messgerät die Ursache festgestellt. Ist die Belastung etwa zu weit in der Mitte, werden spezielle Schuheinlagen angefertigt und der Erfolg kann immer wieder kontrolliert werden.

Die gesamte Analyse des Ganglabors nutzen die Physiotherapeuten gepaart mit ihrer Erfahrung bei Lähmungspatienten wie zum Beispiel bei multipler Sklerose, Poliomyelitis oder Schlaganfall, oder bei Schmerzpatienten, die unter Arthrose oder Gelenkerkrankungen leiden.

Auszubildender muss weite Wege auf sich nehmen

Die Analyse ist aber auch hilfreich bei vorbeugenden Maßnahmen wie Fehlstellungen bei Kindern. Bentzer und Ströbel haben indes auch weiter geforscht: Eine eigens entwickelte Orthese für Lähmungspatienten wurde mittlerweile vom Deutschen Patent- und Markenamt ausgezeichnet. „Diese Erfindung ermöglicht es erstmalig, einen Patienten mit Lähmungen der Beinmuskulatur wieder in den gesamten Gangzyklus zurückzuführen“, sagt Daniel Bentzer.

„Neu ist auch unsere Fortbildungsreihe mit wissenschaftlichen Erkenntnissen im Bereich der Orthetik und sensomotorischen Schuheinlagen“, erzählt Christian Ströbel. Er ergänzt: „Die Wirkung der sensomotorischen Schuheinlagen ist mit Studien belegt und viele Patienten profitieren bereits von deren aktiver Wirkung auf die gesamte Muskulatur.“ Zum Team von Bentzer und Ströbel gehört auch ein Auszubildender. Thilo Trolp ist ausgebildeter Physiotherapeut und wird zum Orthopädietechnikmechaniker im Fachbereich Orthetik ausgebildet.

„Der Ausbildungsberuf wurde gesplittet in Orthetik, Prothetik und Rehatechnik“, erzählt Ströbel und meint, dass Trolp in der Fachrichtung der einzige Auszubildende im ganzen Kreis sei. „Zur Berufsschule muss ich nach Usingen, da gibt es eine Klasse für meinen Ausbildungsberuf“, erzählt der Physiotherapeut. Allerdings werde der Unterricht in mehrwöchigen Blöcken erteilt.

von Klaus Böttcher

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