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Den Auftragskiller gibt‘s im Internet

IT-Sicherheitsforum der IHK Den Auftragskiller gibt‘s im Internet

Beim IT-Sicherheitsforum informierten Vertreter von Wirtschaft, Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz über die Gefährdung von Unternehmen durch Hacker-Angriffe und das „Darknet“.

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Das „Darknet“ ist die dunkle Seite des Internets – inklusive Schwarzmarkt.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Die Verkaufspalette ist groß: Falschgeld, Waffen, Rauschgift, riesige Datenbanken, Kinderpornografie – im „Darknet“, einem abgeschotteten, versteckten Teil des Internets, gibt es alles zu kaufen. Dazu noch die „Dienstleistung“ wie den Auftragskiller, die Geldwäsche und eine neue Identität – und die Straftat ist perfekt.

„Das Internet ist die perfekte Plattform für Straftaten, es ist anonym, schnell und weltweit vernetzt“, so die These von Staatsanwalt Georg Ungefuk von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt.

Etwa 50 bis 60 solcher „Marktplätze“ gebe es im Darknet. Gezahlt wird in der digitalen Währung „Bitcoin“ oder bar. Und nach der Abwicklung des Geschäfts freut sich der Verkäufer über eine positive Bewertung. „Die Entwicklung geht in so einem Umfang nach oben, dass es uns Sorgen macht“, warnt Ungefuk.

Ins Darknet gelangt man per sogenanntem Tor-Browser, der den Datenverkehr anonymisiert. „Die Daten gehen über drei Punkte, bevor sie beim Empfänger landen, das macht Rückschlüsse auf den Nutzer unmöglich“, so Ungefuk. Das Surfen mit dem Tor-Browser ist aber nicht illegal. Menschen, die einfach nur unerkannt im Internet unterwegs sein wollen, können ihn ebenso nutzen wie Whistleblower oder Oppositionelle, die staatliche Zensur fürchten.

Zahl der „Cybercrimes“ steigt

„Das Tor-Netzwerk wird gerne für kriminelle Experimente genutzt. Wir müssen uns auf Überraschungen und viele Neuerungen einstellen“, sagt der Staatsanwalt. Die Staatsanwaltschaft nimmt dann ihre Ermittlungen auf, wenn ein Anfangsverdacht besteht. Bei der international angelegten „Operation Anonymous“ vergangenen November gelang es, zahlreiche der versteckten Seiten vom Netz zu nehmen – auch zwei deutsche.

Das Darknet ist aber nicht die einzige Entwicklung, die Sorgen bereitet. 2014 wurden rund 50.000 „Cybercrimes“ verübt, also Straftaten entweder mithilfe von elektronischen Mitteln oder gegen diese. „Aber die Dunkelziffer ist noch groß, da nur wenige Betroffene solche Attacken zur Anzeige bringen“, erklärte Ungefuk. Dabei sei etwa jedes zweite Unternehmen in Deutschland von solchen digitalen Angriffen schon einmal betroffen gewesen.

Meist gehe es um Datendiebstahl und digitale Wirtschaftsspionage. „Der Schaden beläuft sich auf rund 51 Milliarden Euro im Jahr allein in Deutschland“, machte Ungefuk die Dimensionen klar. Er appellierte an kleinere und mittlere Unternehmen, Cyberattacken der Polizei zu melden, um das Dunkelfeld zu verkleinern.

Sicherheit hat ihren Preis

Auch Timo Keim vom Landesamt für Verfassungsschutz machte in seinem Vortrag über die IT-gestützte Wirtschaftsspionage deutlich, wie wichtig der Austausch über solche Attacken unter den Unternehmen ist. „Angreifer bedienen sich bekannter Techniken“, sagte Keim. Die Aufklärung eines Angriffs bedeute oft den Schutz vor neuen Angriffen dieser Art, daher könne ein Austausch unter Unternehmen helfen. Cyberangriffe sind oft dann möglich, wenn das IT-System Mängel aufweist. Etwa 80 Prozent der Angriffe hätten verhindert werden können, wenn das IT-System auf dem aktuellen Stand gewesen wäre, zitierte Keim das Bundesamt für Sicherheit (BSI).

„IT-Sicherheit ist ein kontinuierlicher Prozess. Auch wir waren vor etwa zehn Jahren noch auf keinem guten Sicherheitsstand“, erklärte Bernd Hackenbuchner vom Stadtallendorfer Standort von Ferrero. „Neben personenbezogenen Daten haben wir vor allem Rezepturen, die schützenswert sind“, so Hackenbuchner. Dies fordere eine Absicherung von innen und außen durch eine komplexe IT-Infrastruktur, hohe Standards in den Rechenzentren mit Zugriffskontrollen, Videoüberwachung auf dem Gelände, bis hin zur Sensibilisierung der Mitarbeiter.

Die kontinuierliche Verbesserung der Sicherheit habe aber ihren Preis. „Die Kosten steigen exponentiell zum Level der Sicherheit. Unsere jährlichen Ausgaben in den verschiedensten Bereichen befinden sich im oberen sechsstelligen Bereich bis zu einer Million allein in Deutschland“, so Hackenbuchner. Moderiert wurde die Veranstaltung der IHK Kassel-Marburg von Dirk Hintermeier vom Polizeipräsidium Mittelhessen.

von Lisa-Martina Klein

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