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„Daten sind die neue Weltwährung“

Bündnis „Zukunft der Industrie“ „Daten sind die neue Weltwährung“

Das Bündnis „Zukunft der Industrie“ aus Unternehmensverbänden und 
 Gewerkschaften soll den Industriestandort Deutschland gestalten – und auch die Interessen der Arbeitnehmer berücksichtigen.

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Damit deutsche Unternehmen auch zukünftig noch wettbewerbsfähig sind, hat sich das „Bündnis für Industrie“ gegründet – mit dem Ziel, den Standort Deutschland zu gestalten.

Quelle: Oliver Krato

Wieseck. Gegründet wurde das Bündnis vergangenen März – mit dem Ziel, im „Dreiklang aus Politik, Unternehmensverbänden und Gewerkschaften konkrete Verabredungen und prioritäre Maßnahmen zu treffen, um die industrielle Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland zu stärken“, heißt es in einer Erklärung des Bundeswirtschaftsministeriums.

Es gehe aber nicht darum, bestehende Foren, Plattformen und Dialoge zu ersetzen. Vielmehr sollen die bisherigen Ergebnisse und Forderungen branchenspezifischer Dialoge zusammengefasst, gewichtet, kommuniziert und in verbindliche Handlungsstrategien übersetzt werden.

Um dies zu realisieren, wurde ein flankierender Verein gegründet: das „Netzwerk Zukunft der Industrie“. Dessen Geschäftsführer Armin Schild stellte auf Einladung des DGB jüngst die Arbeit des Bündnisses vor.

Unternehmen richten sich auf Zentren aus

Schild, ehemaliger Bezirksleiter der IG Metall Mitte, erläuterte, dass es im Netzwerk fünf Arbeitsgruppen mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten gebe: Eine beschäftige sich mit dem Thema „Akzeptanz – Attraktive Industrie“, eine weitere habe die „investitionsstarke Industrie“ als Thema.

Die Arbeitsgruppe drei hat sich die „Zukunft der Arbeit in Industrie und industrienahen Dienstleistungen“ auf die Agenda geschrieben, in der Gruppe vier geht es um „Wertschöpfungsstrukturen der Zukunft“ und in der fünften Gruppe um die „internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie“.

„Die Globalisierung führt dazu, dass die Investitionspolitik der Unternehmen sich tendenziell auf die Zentralen ausrichtet – auf das Zusammenführen von Forschung und Entwicklung, die man für weltweite Wettbewerbsfähigkeit benötigt“, sagte Schild.

Dies führe auch zu einem „rigiden Umgang“ mit Sub-Zulieferern. Wenn sich diese These bewahrheite, dann befände sich Mittelhessen durchaus in einem erhöhten Risikofeld, da sich in der Region zahlreiche Mittelständler angesiedelt hätten, die Zulieferer der Automobilbranche seien.

„Deutschland ist mit sehr
 hohen Risiken behaftet“

Gleichzeitig verdeutlichte Schild, dass sich die Industrie in einer Wandlungssituation befinde. „Wenn man Wandlungsprozesse analysiert, dann ist derjenige im Vorteil, der die Determinanten für die zukünftige Definition von Politik mit besetzt. Es geht also darum, dass wir den anderen sagen, was Industriepolitik ist – bevor die anderen uns sagen, was die Konsequenzen von Nicht-Industriepolitik sind.“

Vor dem Hintergrund der Digitalisierung, also der „Industrie 4.0“, sei Deutschland „mit sehr hohen Risiken behaftet“. Denn: Deutschland sei der Gewinner der Vordigitalisierungs-Zeit gewesen, „wir haben den Chinesen die Autos gebaut, mit denen sie jetzt in Shanghai im Stau stehen“. Allerdings habe Deutschland erst sehr spät erkannt, dass Google „nicht nur eine Suchmaschine ist, sondern dass Daten die neue Weltwährung sind“.

Auch könne man in Deutschland zurecht stolz auf die duale Berufsausbildung sein. „Allerdings führt dieses System dazu, dass wir mit der Dynamik von Know-how und Wissentransfer schwieriger zurechtkommen als andere, die weniger in die Erstausbildung ihrer jungen Leute investieren“, sagte Schild. Die Herausforderungen lägen also darin, Schule, Hochschule und berufliche Bildung enger zu verzahnen.

Es sei Konsens, dass Deutschland ein Vorreiter der Industrie bleiben müsse. „Reale Wertschöpfung, gute Arbeit, soziale Sicherung, Innovationskraft, wirtschaftliche Dynamik und nachhaltiges Wachstum sind die Stichworte, mit denen die vergangenen 15 oder 20 Jahre in der Industrie beschrieben werden könnten.

„Wir verlieren an Wertschöpfungsprozessen“

Diese Geschäftsgrundlage ist jedoch in Gefahr“, sagte Schild. Denn selbst Unternehmen, die über Geld verfügten, würden zu wenig Industriepolitik betreiben. „Denn das würde bedeuten, die Gewinne von heute zu Investitionen und Arbeitsplätzen von morgen zu machen.“ Allerdings gebe es ­eine Summe von Abschreibungen auf Industrieanlagen, die 20 bis 30 Prozent über der Summer der re-investierten Beträge liege. Die Industrie verliere also auf Dauer Substanz.

Zwar gebe es derzeit eine Rekordzahl von Arbeitsplätzen. „Das hat aber mitnichten den Hintergrund, dass wir einen permanenten Aufbau oder Ausbau von Produktion hätten – ganz im Gegenteil: Wir verlieren an Wertschöpfungsprozessen, die unverzichtbar für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit sind“, verdeutlichte der Gewerkschafter.

„Es ist die Struktur des Arbeitsmarkts, die ­diese Rekordbeschäftigungszahl mit sich bringt – es ist nicht der wirtschaftliche Zuwachs durch Investitionen“, sagte Schild. Die Wirtschaftspolitik der vergangenen 15 Jahre sei im Kern geprägt gewesen vom „Ausschütten von Staatsgeld im Rahmen von Wirtschaftsförderung nach mehr oder weniger undurchsichtigen Kriterien – ein wirtschaftspolitisches Konzept fehlte.“

Auch dies wolle das Bündnis ändern. Denn: „Kein Unternehmen investiert etwas, wenn sich die Wirtschaftspolitik in drei oder vier Jahren komplett dreht. Wir brauchen eine verlässliche Planungssicherheit“, verdeutlichte Armin Schild.

von Andreas Schmidt

 
 Hintergrund: Die Bündnispartner
Das Bündnis „Zukunft der Industrie“ besteht aus insgesamt 15 Partnern. Diese sind das Bundeswirtschaftsministerium, der Bundesverband der Deutschen Industrie, die IG Metall, der Verband der Chemischen Industrie, der Verband der Automobilindustrie, der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände, Gesamtmetall, der Bundesarbeitgeberverband Chemie sowie auf Gewerkschaftsseite der DGB, die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt sowie die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten.
 
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