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„Das ist doch ungerecht“

Unterschiedliche Führerschein-Regelungen „Das ist doch ungerecht“

In Nordrhein-Westfalen dürfen 17-Jährige allein mit dem Auto zur Lehrstelle fahren, in Hessen nicht. Dies sorgt für 
Unzufriedenheit bei den Auszubildenden. Droht ein Bewerbermangel?

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Geschäftsführer der C&P Bildung Breidenbach Bernd Feige (Mitte) mit den Auszubildenden Patrick Becker (links) und Felix Luckenbach.

Quelle: Ruth Korte

Breidenbach. Einen Bewerbermangel sieht Bernd Feige, Geschäftsführer des C&P Ausbildungszentrums in Breidenbach, das mit 200 Plätzen und mehr als 60 angeschlossenen Betrieben der größte Metall-Ausbildungsbetrieb in Hessen ist, nicht.

„Ganz so drastisch würde ich das nicht ausdrücken.“ Eine gewisse Unzufriedenheit über die ungerechte Führerschein-Regelung in Hessen und dem angrenzenden Nordrhein-Westfalen nimmt Feige unter den Auszubildenden aber durchaus wahr.

Hintergrund: In NRW und Hessen können Jugendliche mit 17 Jahren ihren Führerschein machen. In NRW können sie, wenn der Ausbildungsplatz und die Berufsschule nur mit dem Auto erreichbar ist, eine Sondergenehmigung beantragen, um alleine fahren zu dürfen.

Öffentliche Verkehrsmittel bringen teils längere Wege

In Hessen gibt es diese Sonderregelung nicht. Wer hierzulande keine 18 Jahre alt ist, darf nur mit einer Begleitperson Auto fahren, die seit mindestens fünf Jahren einen Führerschein besitzt und mindestens 30 Jahre alt ist. In dem meisten Fällen sind das die Eltern.

„Meine Mutter ist berufstätig und kann mich nicht immer fahren“, berichtet Patrick Becker, derzeit in seinem ersten Ausbildungsjahr zum Zerspanungsmechaniker. Da er aus dem nur etwa fünf Kilometer entfernten hessischen Breidenstein kommt, ist dies kein größeres Problem.

Doch es gibt Auszubildende in seinem Jahrgang, die in solchen Fällen nicht wie er aufs Fahrrad umsteigen können, sondern die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und dadurch erheblich längere Fahrstrecken in Kauf nehmen müssen.

Einfacher hat es Felix Luckenbach. Der Mechatroniker in Ausbildung wohnt im nordrhein-westfälischen Banfe, etwa 20 Kilometer vom Ausbildungszentrum entfernt. Noch benutzt der 17-Jährige sein Moped, hat aber bereits einen Sonderantrag gestellt, so dass er bald mit seinem eigenen Auto nach Breidenbach fahren kann.

„Stellen sie sich das mal vor: Da stehen zwei Auszubildende an der Werkbank. Der eine kommt aus NRW, der andere aus Hessen. Der eine braucht 20 Minuten, der andere eineinhalb Stunden – und das obwohl sie etwa gleich weit von unserem Ausbildungszentrum entfernt leben. Das ist ungerecht“, erklärt Feige die Situation der Auszubildenden.
Um längerfristig einen Bewerbermangel zu vermeiden, habe er die Problematik bereits dem Kreis nahegelegt.

Ministerium sieht erhöhtes Risiko 
junger Fahranfänger

„Es steht auf meiner To-Do-Liste ganz oben“, versichert der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) auf OP-Anfrage, macht aber darauf aufmerksam, dass sich die Gesetze auf Kreisebene nicht ändern lassen. Jedoch wolle er den Landtag neu für die Situation der Auszubildenden sensibilisieren.

Eine Anfrage der OP beim hessischen Wirtschaftsministerium ergibt, dass der Sachverhalt bereits bekannt sei. Mit einer Ausnahmeregelung sei man aber zurückhaltend. Der Grund: Erhöhtes Risiko 
junger Fahranfänger. In der Pressemitteilung argumentiert man: „Im Jahr 2011 hatten 18- bis 20-jährige Pkw-Fahrer im Vergleich zum Durchschnitt aller Pkw-Fahrer ein 2,8-fach höheres Risiko der Beteiligung an einem Unfall mit Personenschaden und der erheblichen Bedeutung der körperlichen und geistigen Reife für das sichere Führen von Kraftfahrzeugen.“

Die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung setze voraus, dass bei der Person des Antragstellers außergewöhnliche Umstände vorliegen, die sich wesentlich von der Situation Gleichaltriger unterscheiden und ein Warten auf das Erreichen des Mindestalters für ihn eine unzumutbare Härte bedeuten würde.

„Bislang konnte ein solcher Härtefall in Hessen für Teilnehmer des Begleiteten Fahrens mit 17 noch nicht belegt werden, da stets zumutbare Alternativen (Öffentliche Verkehrsmittel, Begleitung durch Erziehungsberechtigten, motorisiertes Zweirad) zur Verfügung standen“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

von Ruth Korte

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