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Das Zeichenbrett ist Vergangenheit

OP-Ausbildungsserie Das Zeichenbrett ist Vergangenheit

Ein junger Beruf auf dem Vormarsch: Technische Systemplaner benötigen nicht nur technisches Know-how, sie sind Projektplaner, Theoretiker und Bau-Koordinatoren in einem.

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Hans-Jürgen Schneider, Geschäftsführer von Elektroplan-Schneider (links) und Sam Arnavaz, einer der ersten Auszubildenden im erst drei Jahre alten Berufsbild des technischen Systemplaners.Foto: Ina Tannert

Marburg.. Zeichentisch, Skizzenblock, Lineal, und Winkelmaß - das war einmal. In der modernen, digitalisierten Welt ist nicht nur das Ingenieur- oder Baugewerbe im steten Wandel, auch traditionelle Berufsfelder wie der technische Zeichner passen sich zwangsläufig an. Sichtbar wird diese Entwicklung vor allem im Bereich der Elektrotechnik.

„Heutzutage werden nicht mehr einfach nur Leitungen verlegt, ein modernes Gebäude wird viel eher um die Elektroinstallation herum gebaut“, weiß Hans-Jürgen Schneider, Geschäftsführer von Elektroplan-Schneider in Stadtallendorf. Das Ingenieurbüro bearbeitet Projekte auf dem Sektor der Elektrotechnik, Sicherheitstechnik und technische Ausrüstung, betreut Bauvorhaben, übernimmt die gesamte Planung, Auftragsvergabe sowie Objektüberwachung von elektro- und sicherheitstechnischen Anlagen. „Heute geht gar nichts mehr ohne komplizierte Elektrik“, weiß der Chef.

Neuausrichtung erfolgte erst vor drei Jahren

Das erfordert ein gehöriges Maß an Planung und Organisation aller Bauprozesse und öffnet den Weg für neue Berufsfelder, wie dem technischen Systemplaner.

Als Bundessachverständiger zur Neuordnung dieser Berufsausbildung kennt Schneider das neue, modernisierte Berufsprofil wie kein anderer. Sein Betrieb bildet als einer der ersten in dem noch sehr jungen Beruf des technischen Systemplaners aus.

Geschaffen wurde die neue Bezeichnung, die aus der überholten Berufsausbildung des technischen Zeichners hervor ging, erst im Jahr 2011 vom Bundesbildungsministerium. Das neue Profil wurde an die anhaltende technologische Entwicklung im Konstruktionsbereich an die Branchenanforderungen angepasst.

Diese teilen sich in die beiden Berufsfelder technischer Produktdesigner und technischer Systemplaner. Letzterer beinhaltet wiederum die Fachrichtungen Versorgungs- und Ausrüstungstechnik, Stahl- und Metallbautechnik sowie elektrotechnische Systeme.

Für den dritten Fachbereich interessiert sich auch der aktuelle Auszubildende des Ingenieurbüros: Sam Arnavaz konnte einen der wenigen Ausbildungsplätze des jungen Berufsfeldes ergattern und ist damit einer von bundesweit erst rund 200 Auszubildenden, die im vergangenen Jahr ihre Ausbildung antraten.

Die modernisierte Ausbildung als technischer Systemplaner dauert dreieinhalb Jahre. Alle zwei Wochen besucht der 21-Jährige zwei Tage lang die Berufsschule. Den Hauptteil seiner Ausbildung verbringt er im Betrieb, ist an der Planung der Elektroinstallationen zahlreicher Projekte beteiligt, entwickelt elektronische Pläne am Computer und lernt die vielseitige Materie von Grund auf. „Vom Keller bis zum Dach, vom kleinen Haus bis zur Industrieanlage, die Pläne sind so unterschiedlich wie die Arbeit selber“, weiß Arnavez. Die stete Abwechslung und Projektvielfalt gefalle ihm „richtig gut“.

Von Beginn an in Bauprojekte eingebunden

Technische Systemplaner begleiten ein Bauprojekt von Anfang bis Ende und sind fest in die einzelnen Entwicklungsprozesse eingebunden, von der Grundlagenermittlung über die Objektbetreuung bis hin zur Dokumentation.

Vertreter des neuen Berufsfeldes sind in Zukunft etwa in Ingenieur- und Planungsbüros, in Konstruktionsteams, bei Elektrofirmen und in Betrieben des Stahl-, Metall- und Fassadenbaus zu finden.

Ihre Aufgaben liegen dabei in der Aufstellung technischer Dokumente für die Planung, Herstellung und Montage von Konstruktionen sowie der technischen Einrichtung.

Daneben erstellen sie nach Vorgaben Zeichnungen und Pläne, etwa für Klima-, Heizungs-, Kälte-, Sanitär- und einzelne Industrieanlagen. Sie nehmen fachspezifische Berechnungen vor, planen die einzelnen Montageschritte, setzen Entwürfe um, koordinieren sich mit anderen Unternehmen und erstellen Funktionsbeschreibungen sowie Montageunterlagen.

Dafür benötigen sie Kenntnisse über branchenspezifische Werkstoffe, Fertigungs- und Montagetechniken sowie ein Gesamtverständnis des Konstruktionsprozesses. Ihre Arbeit erfordert ein sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen, etwa für die Anfertigung von dreidimensionalen Modellen, sowie gute mathematische und physikalische Kenntnisse.

Auch ein gutes Maß an Organisation und Sorgfalt beim Erstellen detaillierter technischer Dokumente ist wichtig. Ebenfalls unabdingbar sind Teamfähigkeit und projektorientiertes Arbeiten. Auch der Umgang mit fachspezifischer Software und technischen digitalen Programmen gehört zum Arbeitsalltag.

Planung findet am Computer statt

Die manuelle Tätigkeit am Zeichenbrett war einmal. Heute findet die Planung am Computer statt, hauptsächlich anhand dreidimensionaler Konstruktionen.

Voraussetzung für den Beruf ist mindestens ein abgeschlossener Hauptschulabschluss - allerdings mit guten Noten.

Aufgrund der Neustrukturierung des jungen Berufsbildes gibt es bundesweit erst eine Handvoll fertig ausgebildete Technische Systemplaner. „Aber der Beruf kommt und er wächst“, weiß Hans-Jürgen Schneider.

von Ina Tannert

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