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Projekt „Bleib in Hessen“ Das Navigationssystem für Flüchtlinge

Die Förderperiode des Bleiberechtsnetzwerks „Bleib in Hessen“ für Flüchtlinge endet. Am Freitag zog der „Mittelhessische Bildungsverband“ Bilanz – und wagte einen Ausblick in die nähere Zukunft.

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Christian Hendrichs, Projektleiter von „Bleib in Hessen“, fordert für Flüchtlinge Sprachkurse von Beginn an – so sei eine Integration wesentlich schneller gewährleistet.

Quelle: Andreas Schmidt

Das Projekt „Bleib in Hessen“ wurde im Jahr 2008 ins Leben gerufen. Mit ihm sollen Flüchtlinge sowohl sozial als auch auf dem Arbeitsmarkt integriert werden. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und vom Europäischen Sozialfonds. Und die Arbeit in den vergangenen beiden Förderperioden bezeichnet Projektleiter als „äußerst erfolgreich“. Das Netzwerk sei im Nachklang der Bleiberechtsregelung 2007 entstanden – unter dem Namen „Berufliche Eingliederung und Integration Bleiberechtlicher“, kurz eben „Bleib“. „Unser Auftrag lautet, kurz gesagt, Flüchtlinge in Arbeit zu bringen“, fasst Christian Hendrichs zusammen.

Dafür wurde ein Sonderprogramm geschaffen. „Flüchtlinge haben aufenthaltsrechtlich eine Reihe von Einschränkungen, wir haben im Wesentlichen drei Typen“, erläutert Hendrichs. Zunächst gebe es Flüchtlinge „in Gestattung“, die sich noch im Verfahren befänden, die „in Duldung“, die nach ihrem Verfahren abgelehnt wurden und dennoch hierbleiben, und die Flüchtlinge, die eine Aufenthaltserlaubnis bekommen haben. Um Arbeit zu finden gelte es aber, verschiedene Barrieren zu überwinden – „und das ist im Wesentlichen unsere Aufgabe“, so Hendrichs. Zunächst gebe es die Sprachbarriere, „daher engagieren wir uns ganz stark in der Sprachförderung“, das seien mit 682 Personen in den vergangenen vier Jahren rund die Hälfte der betreuten Flüchtlinge gewesen.

Flüchtlinge dürfen nicht in Zeitarbeit unterkommen

Das zweite große Problem der Flüchtlinge: „Sie dürfen drei Monate nicht und neun Monate nur nachrangig arbeiten – aber nicht in Zeitarbeit“, erklärt er. So betreue man beispielsweise Flüchtlinge in Kassel, „für die wir einen Job in Göttingen hätten – die aber das Bundesland nicht verlassen dürfen“, sagt der Projektleiter. „Um durch dieses Labyrinth von Arbeits- und Aufenthaltsrecht durchzukommen braucht es ein extrem gutes Navi – und das sind wir“. Für rund 1500 Flüchtlinge war „Bleib“ in den vergangenen vier Jahren dieses Navi – „dazu kamen noch etwa 400 sogenannte Bagatellfälle, die wir weniger als acht Stunden lang beraten haben“, fasst Hendrichs die Zahlen zusammen.

Und vor dem Hintergrund des komplexen Gesetzes und Hürden sei eine Vermittlungsquote von 25 Prozent als äußerst positiv zu sehen. Die steigenden Flüchtlingszahlen machen sich mittlerweile auch bei „Bleib“ bemerkbar. „Wir hängen prinzipiell etwas hinterher, denn wir können ja erst nach drei Monaten aktiv werden, wenn die Flüchtlinge prinzipiell zum Arbeitsmarkt zugelassen werden“, sagt Hendrichs. Doch es seien schon erhöhte Anfragezahlen zu verzeichnen. Für die nächste Förderperiode, die im Sommer beginnt, hat sich das Netzwerk erneut beworben – ob es den Zuschlag erhält, ist jedoch noch ungewiss.

Profilschärfung in Richtung Arbeitsmarkt

„Es wird in Hessen ein Bleiberechtsnetzwerk geben, das bis 2018 weiterarbeitet. Ich mache mir große Hoffnung, denn wir haben bis jetzt erfolgreiche Arbeit abgeliefert.“ Derweil biete man Fortbildungen für Arbeitsagenturen an, „denn die sind für unsere Kunden die ersten Ansprechpartner“. Auch das ehrenamtliche Engagement, dass es gebe, unterstütze man – um bestehende Kontakte auch in Firmen besser zu nutzen. Zudem stelle man fest, dass verschiedene Organisationen das Angebot an Asylberatungsstellen aufgestockt hätten. „Wenn es vorrangig bei Personen um Asylberatungsfragen geht, geben wir diese an andere Beratungsstellen ab“, sagt Hendrichs. „Dadurch können wir unser Profil in Richtung Arbeitsmarkt schärfen.“

Vor den sich abzeichnenden Zahlen fordert Hendrichs, schon von Beginn an eine Sprachförderung anzubieten. Außerdem sei die Stärkung und Schaffung von Möglichkeiten, den Hauptschulabschluss mindestens bis zum 27. Lebensjahr nachzuholen, wünschenswert. Und auch die Abschaffung des Verbots der Zeitarbeit und Vorrangsprüfung seien wichtig.

von Andreas Schmidt

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