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Das Mikroappartement in der Allee

Bauprojekte Das Mikroappartement in der Allee

Nordend: So nennt Karsten Schreyer, Chef von S+S Immobilien, das Gebiet zwischen Hauptbahnhof und Wehrda. Er investiert dort insgesamt 80 bis 90 Millionen Euro in den Bau von Häusern.

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In der Afföllerstraße/Eisenstraße entsteht derzeit das „Stadthaus“ von S+S Immobilien. 40 Wohneinheiten sollen Platz für alle Generationen bieten, die Fertigstellung soll im September 2015 erfolgen.

Quelle: Privatfoto

Marburg. Karsten Schreyer ist sich sicher: Die Ansprüche der Studierenden in Marburg werden immer größer. Die Zeiten, in denen Studierende bereit sind, für ein kleines, kaltes Zimmer ohne Dusche viel Geld zu zahlen, seien bald vorbei. Das Bewusstsein für Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz sei ein höheres als noch vor Jahren. Demografische Entwicklung, Mietpreise und Wohnungsmarktsituation: Über diese Themen könnte Karsten Schreyer stundenlang reden.

Vieles wurmt ihn, was in der öffentlichen politischen Debatte zu hören sei. Die Marburger Mietpreise, so seine Meinung, sind vergleichsweise stabil und wesentlich niedriger als in anderen Städten. „Ich stelle mich gern der Diskussion“, sagt er ruhig und wohlwissend, dass seine Projekte auch provozieren, „jedoch sehr wichtig für Marburg sind“. Er sei nunmal der größte private Bauherr.

Rund 620 Wohneinheiten im Norden geplant

Etwa 620 Wohneinheiten plant und errichtet das Familienunternehmen derzeit im Nordviertel. Schreyer spricht vom „Nordend“, so nennt er das Gebiet zwischen Hauptbahnhof und Wehrda. Das Gebiet habe großes Potenzial. Die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes, die DVAG-Gebäude, die Nähe zum Campus Lahnberge, zum Klinikum und die Tallage: Die Liste der Pluspunkte in und für dieses Viertel sei lang und werde länger. „Wir interessieren uns für Stadtteile, bei denen sich andere nicht vorstellen können, dass dorthin frischer Wind kommen könne“, so Schreyer. Das Waldtal und die Gewerbebrachen in dem Gebiet waren bisher nicht die feinste Adresse in Marburg. Doch die andere Perspektive auf Flächen hat Tradition im Familienunternehmen, das seit 25 Jahren besteht. Großvater Wolfgang war als Planer für die Mehrfammilienhäuser am Richtsberg verantwortlich, Vater Hans-Werner hat das Studentendorf im Waldtal gebaut. Für atypische Wohnvarianten habe man sich schon immer in seiner Familie begeistern können, so Karsten Schreyer.

Das Konzept hat wirtschaftlichen Erfolg. Das Investitionsvolumen betrage im Nordend 80 bis 90 Millionen Euro innerhalb von 5 bis 6 Jahren. „Insgesamt wird S+S dann nach Abschluss des Nordend-Projektes seit 2010 bis zirka 2017 in Marburg rund 1000 Wohneinheiten errichtet haben“, sagt Schreyer. Die größten Bausteine sind:

Das „Stadthaus“ in der Afföllerstraße/Eisenstraße. Dort, wo vor 20 Jahren eine Tankstelle war, später Werkstatträume, wird ein Wohnhaus mit 40 unterschiedlich großen Wohnungen errichtet. Jung und Alt, Senioren, Familien, Studierende sollen dort wohnen können, daher spricht er von dem „generationsübergreifenden Stadthaus“. Die Hälfte des Gebäudes sei bereits verkauft, die Bauarbeiten haben vor zirka zwei Wochen begonnen. Die Fertigstellung des Acht-Millionen-Euro-Projekts sei im September 2015 geplant.

Vollmöblierte „Mikroappartements“

Das neuste Projekt ist die Allee Nordend. An 500 Metern entlang der Alten Kasseler Straße werden fünf Wohn- und Geschäftshäuser und ein Parkhaus errichtet. Insgesamt 156 Wohneinheiten sind darin vorgesehen. Davon 48 „Mikroappartements“. Das sind 23,5 Quadratmeter große Wohnungen, die vollmöbliert sind. „Der Mieter braucht nur einen Koffer und einige Accessoires zum Einzug mitnehmen. Für die Wohnausstattung ist alles vorhanden“, so Schreyer. Diese Wohnungen seien bei vielen Pendlern beliebt, Mitarbeiter der Uni oder den Behring-Nachfolgefirmen, die nur während der Woche in Marburg wohnen wollen. Um die Auflage der Stadt zu erfüllen, baut Schreyer zudem 21 günstige Wohnungen im geförderten Wohnungsbau als so genanntes „Budget-Wohnen“. Neben den weiteren 1 bis 3 Zimmer großen Wohnungen soll im Erdgeschoss Platz für Dienstleistungsgewerbe entstehen. Ein Waschcenter oder ein kleiner Gastronomiebetrieb wären optimal, so Schreyer. Das Bebauungsplanverfahren hat für das Allee-Projekt begonnen. Schreyer geht von einem Baubeginn im Sommer nächsten Jahres aus, die Fertigstellung sei für Ende 2017 avisiert. Interessenten gibt es laut Schreyer bereits, auch solche, die am liebsten das ganze Projekt kaufen möchten. Unter den Kaufinteressenten seien Firmen aus Deutschland, Österreich, Holland und Großbritannien, aber auch Versorgungskassen, die immer mehr ihren Fokus auch auf kleine Universitätsstädte legen. Viele Privatleute aus Großstädten wie München und Hamburg gehören außerdem zu den Kunden, die mehrere kleinere Immobilien in Marburg kaufen und diese weitervermieten.

Studentisches Wohnen für höhere Ansprüche

Zudem möchte Schreyer zirka 180 studentische Wohnungen im Nordend schaffen - nahe des Studentendorfs, das sein Vater einst baute. Seine Idee für ein privates Studentenwohnheim werde er der Stadt noch vorstellen, daher nennt er keine Details. Mögliche Gegenargumente kennt er: Dass in 10, 20 Jahren nicht mehr viel Wohnraum für Studierende benötigt werde. An dieser Stelle spricht Schreyer wieder von den höheren Ansprüchen der Studierenden, die Neu statt Alt bevorzugen. Außerdem baue S+S alle Wohnungen so, dass sie barrierearm sind und mit wenig Aufwand aus zwei kleinen Wohnungen eine größere entstehen könne.

von Anna Ntemiris

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