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Das Geld kommt aus dem Internet

Crowdfunding Das Geld kommt aus dem Internet

Sie haben eine Idee, aber nicht das nötige Geld, diese umzusetzen? Das Internet könnte helfen: Mittels „Crowdfunding“ können Projekte realisiert werden - wenn sich genügend Unterstützer finden.

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Michael Jezela vertreibt mit einem indischen Geschäftspartner auf seiner Webseite Waren aus Indien. Doch damit der Shop richtig erfolgreich wird, setzt er nun auf „Crowdfunding“.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Michael Jezela hat einen Traum, seit er zum Studium für ein halbes Jahr in Indien war: Er eröffnete Ende 2013 gemeinsam mit einem indischen Partner einen Online-Shop mit dem Namen „Megaelefant.de“ mit indischen Produkten. Nachhaltig hergestellt, und mit einem sozialen Touch. Denn: „Von jedem Produkt, das wir verkaufen, spenden wir einen Euro für ein soziales Projekt in Indien“, sagt der 27-Jährige. Schulkinder würden unterstützt - mit einer Hausaufgabenbetreuung und Material.

Doch der Studierende, der zunächst in Bayreuth seinen Bachelor-Abschluss absolvierte und nun in Marburg am Master in „Europa: Integration und Globalisierung“ arbeitet, weiß: Um sich intensiver um den Shop zu kümmern, benötigt er mehr Geld. Denn: „Wir besuchen gemeinsam die Produzenten, um sicherzustellen, dass keine Kinderarbeit vorliegt“, sagt Jezela. „Die faire Produktion muss gewährleistet werden“, stellt er klar.

Das Ziel: Internet-Shop soll auf soliden Beinen stehen

Derzeit fließe alles aus dem Verkauf in die Pflege der Webseite oder punktuelle Marketing-Aktionen. „Diese Aktionen sind dann auch erfolgreich“, so Jezela. Doch neben dem Studium und seinem Job als Werksstudent bleibt zu wenig Zeit, um sich intensiv um das Projekt zu kümmern.

Abhilfe soll das „Crowdfunding“ schaffen. Die Idee dahinter: In der Internet-Gemeinschaft sucht man auf Plattformen nach Unterstützern, die Geld geben, um ein Projekt zu verwirklichen. Jezela möchte auf der Plattform „Startnext“ 14500 Euro erwirtschaften, „damit der Shop sich endlich selbst finanziert - auf einem gleichbleibenden Level“, wie er sagt. Auch wollen er und sein Partner mehr Produkte aufnehmen. Und das kostet Geld: Verschiffung, Produktfotografie, Marketing, Lagerkosten, juristische Dienstleistungen - alles kostet.

Doch bisher ist er vom Erreichen dieses Kampagnenziels noch weit entfernt: 40 Tage vor dem Ende der Laufzeit sind erst 570 Euro zusammengekommen. Sollte es nicht klappen, will der Student nicht aufgeben. Denn er weiß: „Mann muss bei einem solchen Projekt mega-geduldig sein.“

Reisekosten per Crowdfunding finanziert

Gute Erfahrungen mit dem Crowdfunding hat indes Alexander Kaschte aus Marburg gemacht: Der 37-Jährige ist vielen vor allem als der kreative Kopf und Gründer der Band „Samsas Traum“ bekannt. Doch auch als Autor und Fotograf hat sich Kaschte einen Namen gemacht.

Jüngst schloss der Marburger ein Crowdfunding-Projekt über einen Fotoband mit dem Namen „Und der Name des Sterns heißt Demut - Nahaufnahmen aus Tschernobyl“ ab. 8.535 Euro kamen zusammen, finanzieren so Reise in die Ukraine, Übersetzer, Unterkunft und mehr.

Derzeit läuft eine Kampagne zur Finanzierung des neuen Albums von „Samsas Traum“ mit dem Titel „Poesie: Friedrichs Geschichte“. Doch warum legt er die Finanzierung des Projekts in die Internet-Gemeinschaft? „Die Verkaufszahlen sämtlicher deutscher Labels sind durch das Internet in den vergangenen Jahren um 60 bis 70 Prozent eingebrochen“, sagt er. Daher gebe es von den Plattenfirmen Budgets, „die nichts mehr mit dem zu tun haben, was früher mal üblich war und die nicht ausreichen, die Alben zu finanzieren“, bringt er es auf den Punkt.

Crowdfunding ist nicht der „Allheilbringer“

Gute Studios kosteten 400 bis 600 Euro pro Tag. „Früher hat man mehrere Wochen im Studio verbracht - heute reicht das Geld der Plattenfirmen vielleicht noch für eine halbe Woche. Also braucht man von woanders Geld.“

Die Kampagne läuft noch 34 Tage - 15.560 Euro wurden bisher erreicht. „Das ist natürlich nur möglich, weil wir eine sehr große Fangemeinde haben“, sagt Kaschte. „Wenn das eine Band macht, die keiner kennt, dann ist der Werbeaufwand, um auf die Kampagne hinzuweisen, unheimlich groß“, ist er sich sicher.

Crowdfunding sei nicht der „Allheilbringer für jedes Projekt“, sagt Kaschte. Musik, Film oder Unterhaltungselektronik funktionierten in der Regel ganz gut, „bei allem anderen wird es schwierig“, meint der Musiker.

Er weiß: Eine gute Vernetzung ist wichtig, dann ist die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs zumindest höher - „oder man benötigt eine Idee, die alle anspricht“.

Er hat für Crowdfunding-Neulinge auch einen Tipp parat: „Eltern, Familie oder Bekannte sollten zumindest schon einmal ein wenig spenden - bei einer Kampagne, bei der schon etwas Geld reingekommen ist, sind die Leute eher bereit, etwas Geld dazulassen, als bei einer Kampagne, die noch auf Null steht.“

von Andreas Schmidt

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