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Dachdecker haben Nachwuchsprobleme

Innung schlägt Alarm Dachdecker haben Nachwuchsprobleme

Angesichts sinkender Mitgliedszahlen richtet die Dachdecker-Innung ihren Blick auf neue Möglichkeiten der Nachwuchsgewinnung und auf Flüchtlinge als potenzielle Zielgruppe für das Handwerk.

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Die Zahl der Ausbildungsverträge ist bei den Dachdeckern gesunken.

Quelle: Rita Köhler / pixelio.de

Frauenberg. Mit gravierenden Nachwuchsproblemen und sinkenden Ausbildungsverträgen beschäftigt sich derzeit die Dachdecker-Innung Marburg. Neue Chancen sieht der Vorstand in den steigenden Flüchtlingszahlen als potenzielle neue Zielgruppe für das Handwerk, sagte Obermeister Hans-Jürgen Heck während der Jahreshauptversammlung.

Bereits seit vergangenem Jahr sei das Thema Mitgliedswerbung ein zentraler Bestandteil der Innung, die sich mit wachsenden Nachwuchsproblemen konfrontiert sieht. „Wir tun mehr als nicht-organisierte Betriebe, leisten unseren Beitrag für die Gesellschaft, bieten Arbeit und Ausbildung“, betonte der Obermeister. Ein Problem dabei sei das sinkende Interesse potenzieller neuer Lehrlinge. Die Ausbildungszahlen zeigten „eine absolut abnehmende Tendenz“, informierte Lehrlingswart René Specht.

Flüchtlinge sind „sehr motiviert“

Derzeit befinden sich im Bereich Marburg 17 Lehrlinge, in Biedenkopf 10 Azubis, davon lediglich 2 beziehungsweise 3 im ersten Ausbildungsjahr. Dies bedeute für den Raum Marburg ein Minus von 50 bis 60 Prozent, so Specht. Viele Innungsbetriebe hätten zur vergangenen Ausbildungssaison nicht eine einzige Bewerbung erhalten, „wir sind recht negativ gestimmt“, betonte der Lehrlingswart.

Über eine neue Zielgruppe für die Dachdecker berichtete Dr. Mohammad-Reza Malmanesh von der Agentur für Arbeit Marburg. Flüchtlinge als Stärkung des heimischen Handwerks hätten ein großes Potenzial, betonte der Referent. Gerade viele junge Leute zwischen 25 und 30 Jahren besuchten derzeit die regionalen Sprachkurse, „diese Menschen suchen Arbeit und Anschluss, können schreiben, lesen, rechnen und sind sehr motiviert“, so der Arbeitsvermittler.

Sobald bei den Betroffenen der Flüchtlingsstatus anerkannt wird, in der Regel nach drei Monaten, steht diesen der Arbeitsmarkt offen, bereits vorher dürfen sie eine Ausbildung aufnehmen, erklärte Malmanesh. Zudem können ausgebildete Kräfte in sogenannten „Mangelberufen“, wie etwa im Gesundheits- und Ingenieurwesen, Pflege- oder Technikbereich, sofort eine Arbeit aufnehmen.

Malmanesh: Neue Chance für manche Branchen

Zur Überwindung der anfänglichen Sprachbarriere gebe es eine Vielzahl an Integrations- und Sprachkursen. Ein Problem sei dabei, dass Flüchtlinge, die weder über eine Status-Anerkennung noch Duldung verfügen, keine entsprechenden Kurse besuchen dürfen. Eine diesbezügliche Gesetzesänderung könnte Ende des Jahres kommen, hofft der Referent.

Vonseiten der Arbeitsagentur gebe es lern- und ausbildungsbegleitende Hilfen, Beratungsangebote für Arbeitgeber sowie ab dem ersten Juni eine spezialisierte Informationsstelle zum Thema. Besondere fachspezifische Deutschkurse seien ebenfalls möglich. „Das ist ein echter Wirtschaftsfaktor, eine neue Chance Nachwuchs zu gewinnen, gerade für ausbildungsschwache Branchen“, betonte Malmanesh.

Er habe große Hoffnungen, in diesem Bereich „positive Erfahrungen machen zu können“, teilte Obermeister Heck mit. Die Innung sei durchaus bereit zur Finanzierung spezieller Sprachkurse beizutragen.

Heck bemängelt steigende Kosten

Derzeit besteht der Dachdecker-Verband aus 31 Mitgliedern sowie fünf Gast- und Ehrenmitgliedern. Lob für die Betriebe gab es vom Vorstand für deren rege Teilnahme an vergangenen Veranstaltungen und Ausstellungen wie etwa der Messe Memo-Bauen.

„Wir sind gut vertreten, das Handwerk ansehnlich präsentiert“, lobte Heck. Nach einem leichten Wachstum im vergangenen Jahr verzeichnet die Innung seit Ende 2014 sinkende Auftragszahlen im Baubereich, informierte der Obermeister und kritisierte steigende Personal- wie Materialkosten.

Meinhard Moog, Geschäftsführer der Kreishandwerker-schaft Marburg, erinnerte an die seit diesem Jahr vereinheitlichte Aufzeichnungspflicht aller Arbeitnehmer. „Beginn, Ende und Dauer müssen da sein“, betonte Moog – auch für Angestellte und geringfügig Beschäftigte gilt die Aufzeichnungspflicht. Ausgenommen sind lediglich kaufmännische oder technische Angestellte mit einem Gehalt von mehr als 2958 Euro brutto monatlich.

Bei der Jahreshauptversammlung wurde Obermeister Heck für sein 25-jähriges Meisterjubiläum ausgezeichnet. Meinhard Moog überreichte dem Jubilar die Ehrenurkunde der Handwerkskammer Kassel.

von Ina Tannert

 Zum 25-jährigen Meisterjubiläum des Innungschefs gratulierte der Vorstand: Beisitzer Stefan Rausch (von links), stellvertretender Obermeister Hans-Werner Müller, Beisitzer Rüdiger Jäger, Obermeister Hans-Jürgen Heck, Beisitzer Jörg Sause und Lehrlingswart René Specht. Foto: Tannert
 
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