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Charité könnte das Vorbild sein

Diskussion über Soziale Berufe Charité könnte das Vorbild sein

Für eine deutliche 
Aufwertung der sozialen 
Berufe sprach sich Elke 
 Hannack vom DGB-Bundesvorstand bei einem Vortrag in Marburg aus.

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Elke Hannack, stellvertretende DGB-Bundesvorsitzende, und Dr. Ulf Immelt vom DGB Mittelhessen während der Diskussionsrunde zum Thema soziale Berufe.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. „Die sozialen Berufe bieten eine gesellschaftlich notwendige Dienstleistung, die wir in Zukunft mehr brauchen werden denn je“, sagt Elke Hannack. Sie ist die stellvertretende Bundesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) und sprach jüngst auf Einladung des DGB Mittelhessen in Marburg zum Thema „Viel Leistung! Und wenig Geld…? Gegenwart und Zukunft der sozialen Berufe“.

Bis zum Jahresende würden 100.000 Kinder von Flüchtlingen in Kindertagesstätten und Schulen kommen, so Hannack, die zugleich Mitglied im Bundesvorstand der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft ist. Nach Einschätzung des DGB benötige man 30.000 zusätzliche Stellen, um die Aufgaben zu stemmen.

Die Anforderungen an Mitarbeiter im Sozial- und Erziehungsdienst hätten sich gewandelt. „Die frühkindliche Bildung ist als Aufgabe hinzugekommen.“ Die Kampagne im vergangenen Jahr habe darauf abgezielt, dass sich diese Anforderungen auch materiell widerspiegeln. Erstmals nach 25 Jahren sei die berufliche Tätigkeit neu bewertet worden. „Da ist Großartiges geleistet worden“. Für das Gros der Beschäftigten sei eine Tarifanhebung von durchschnittlich 3,7 Prozent erreicht worden. „Aber da ist noch Platz nach oben.“

Diskrepanz zwischen Motivation und Frustration

In dem Arbeitskampf sei es jedoch nicht nur ums Geld gegangen, sondern um mehr gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung der Tätigkeiten. In den Sozial- und Erziehungsdiensten arbeiteten zu 95 Prozent Frauen, in den Gesundheits- und Pflegeberufen betrage der Anteil rund 80 Prozent.

„Deshalb geht es auch um eine Aufwertung frauentypischer Berufe und die Gleichstellung mit männlichen Kollegen in technischen Berufen.“ Das Beispiel zeige, dass sich zentrale Fragen zu Arbeitsbedingungen auch auf tarifpolitischer Ebene angehen ließen, nicht nur in den Betrieben selbst und in der Politik. Das gelte auch für die Gesundheits- und Pflegeberufe.

Das Thema Pflege könne jeden betreffen. Heute werde die Pflege allerdings häufig lediglich als Gewinn-Verlust-Rechnung betrachtet. Es sei ein Trend, qualifizierte Pflegekräfte durch angelernte Servicekräfte zu ersetzen.

Der Fachkräftemangel führe aber auch dazu, dass die Beschäftigten den eigenen Ansprüchen an die Arbeit nicht mehr gerecht würden. „Es entwickelt sich eine Diskrepanz zwischen Motivation und Frustration.“ Diese führe zu Resignation, Krankheit oder der Flucht aus dem Beruf.

„Damit wir in Zukunft noch auf Pflege bauen können, müssen wir Beschäftigte angemessen entlohnen und die Arbeitsbedingungen verbessern“, forderte Hannack. Ein Weg dahin könnten bundesweit verbindliche Personalbemessungsinstrumente sein. Am Universitätsklinikum Charité in Berlin trete im Oktober ein Tarifvertrag in Kraft, der erstmalig in der Bundesrepublik die personelle Mindestbesetzung regele.

Neu einzuarbeitende Kollegen beispielsweise verbesserten den Personalschlüssel, zudem gebe es Maßnahmen zur Belastungsreduktion. Um die Umsetzung sicherzustellen, gebe es einen paritätisch besetzten Gesundheitsausschuss der Gewerkschaft Verdi und der Charité, der über 600.000 Euro frei verfügen könne. Möglicherweise könne der Vertrag ein bundesweites Vorbild sein.

von Freya Altmüller

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