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Chancen durch „Automobil der Zukunft“

Diskussionsrunde Chancen durch „Automobil der Zukunft“

Elektromobilität und autonomes Fahren werden kommen: Das waren zwei der Erkenntnisse, die rund 100 Gäste beim Unternehmertreffen des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft zu anregenden Diskussionen verleiteten.

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Mit diesem „Erlkönig“ warb die IHK im vergangenen Jahr für die Marburger Teststrecke zum autonomen Fahren.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. „Mein Sohn ist 13 Jahre alt und ich frage mich als Vater, ob er überhaupt noch einen Führerschein brauchen wird“ – mit diesem Satz eröffnete Sascha Buurman vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) das Unternehmertreffen zum Thema autonomes Fahren und Elektromobilität im Autohaus Gnau.

Auf den bewusst provokanten Einstieg gaben die meisten der folgenden Referenten eine ebenso bewusst vorsichtigere Antwort. „Ich denke, unsere Kinder werden den Führerschein sicher noch brauchen, aber bei unseren Enkeln, da bin ich mir nicht so sicher“, meinte etwa Mathias Samson, Staatssekretär im hessischen Wirtschaftsministerium. In seinem Grußwort erläuterte er, vor welchen Herausforderungen die Politik stehe, um die gesetzlichen Rahmenbedingungen zukunftsfähig aufzustellen.

Mobilitätsforscher Professor Martin Przewloka, der seinerzeit auch gemeinsam mit der IHK eine Versuchsstrecke für autonomes Fahren vom Bahnhof zu den Lahnbergen initiiert hatte, erläuterte: „Hier in Deutschland sind zwei Drittel der Befragten dem Gedanken gegenüber, die Kontrolle an das Auto abzugeben, sehr skeptisch – vor allem die Älteren.“ In Asien sehe das aber ganz anders aus, und da Länder wie China nicht nur ein großer Markt seien, sondern auch Vorgaben zu Verkehrssicherheit und Abgasen viel drastischer umsetzten, werde sich dort in den kommenden Jahren sehr viel tun, prognostizierte er. Während das autonome Fahren Unfälle verhindern und Carsharing vereinfachen soll, sei die Elektromobilität vor allem für den Umweltschutz und die Lebensqualität wichtig und schon eher bei den Menschen angekommen.

Apple und Google sind 
die neuen Konkurrenten

Als eine Ursache dafür nannte Samson den amerikanischen Luxusautobauer Tesla, der mit seinen revolutionären Konzepten den Markt stark beschleunigt hätte. Für die meisten dürften aber kleinere Fahrzeuge als elektrisch betriebene Fortbewegungsmittel eher in Frage kommen. Klaus Ahrweiler, Leiter der Sparte „BMW i“, verdeutlichte die rasanten Veränderungen auf dem Automobilmarkt durch die Digitalisierung und die damit einhergehende Konkurrenz durch IT-Giganten wie Apple und Google auf der einen sowie innovativen Start-ups auf der anderen Seite.

Sehr offen berichtete er über die Strategien, die der Großkonzern beschlossen habe, um diesen Trend nicht zu verpassen, sondern Vorreiter einer absehbaren Entwicklung zu sein. „Mittlerweile haben wir 35.000 Stück des i3 verkauft, das Fahrzeug ist also kein reiner Exot mehr“, sagte er. Das liege vor allem daran, dass der Elektro-BMW auch bei autobahnüblichem Tempo 130 „locker 150 Kilometer schafft und mit modernen Ladestationen binnen einer Stunde wieder voll ist, bei einem Preis von 3 Cent pro 100 Kilometern“, erklärte Techniker Joy Kasher.

Ein ähnliches Fazit zog Martin Zimmermann, Vorstand Kommunikation von Renault Deutschland, der besonders den ökologischen Aspekt und die damit einhergehende Notwendigkeit der Elektromobilität hervorhob.

Während der Podiumsdiskussion richtete Sascha Buurman den Fokus auf die Auswirkungen auf die mittelständisch geprägte Industrie in Mittelhessen. Für den Mittelstand bringe das Voranschreiten der Elektromobilität große Veränderungen mit sich, die nicht nur positiver Natur seien. So erklärte Sascha Buurman in seinem Vortrag: „Man muss bedenken, dass ein Elektrofahrzeug zwar eine sehr aufwendige Akkutechnologie braucht, aber antriebsseitig viel einfacher aufgebaut ist. Im Vergleich zu Verbrennern fallen sehr viele Teile und sehr viel an Wartung komplett weg, was durchaus Mittelständische Unternehmen hier in Mittelhessen betrifft.“

Für Entwicklungen 
braucht es neue Fachkräfte

Denn zahlreiche heimische Unternehmen arbeiteten als Zulieferer der großen Automobilhersteller und seien somit von den Umwälzungen direkt betroffen. Die Experten waren sich einig, dass auch der Mittelstand sich auf radikale Veränderungsprozesse, deren Weichenstellung in der globalisierten Wirtschaftswelt zunehmend in Asien erfolgt, wird einstellen müssen. Gleichzeitig wüchsen aber Chancen für innovative Firmen, da sich durch die nicht umkehrbare Entwicklung auch neue Geschäftsfelder ergäben. So sei davon auszugehen, dass durch zunehmende Vernetzung das Automobil der Zukunft auch Arbeitsplatz und Freizeitort sein könne und somit die Ausstattung und Gestaltung völlig neue Aspekte beinhalten werde.

Buurman verdeutlicht: „Die Menschen und Unternehmen, die an dieser Entwicklung partizipieren wollen, sind vermehrt auf Kenntnisse aus der Elektrotechnik sowie der Informationstechnik angewiesen. Aber gerade hier fehlen momentan die Fachkräfte, was deutlich macht, dass die Politik und die Gesellschaft gefordert sind, das Thema ganzheitlich und nachhaltig weiter zu diskutieren und richtungweisende Entscheidungen für unseren Wirtschaftsstandort zu treffen.“

von Marcus Hergenhan

Meikel Eley (von links), Klaus Ahrweiler, Martin Przewloka, Martin Zimmermann, Stefan Gnau und Sascha Buurman waren Redner der Diskussionsrunde im Autohaus Gnau. Foto: Marcus Hergenhan
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