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Carsharing trifft den Nerv der Zeit

Verzicht auf eigenes Auto Carsharing trifft den Nerv der Zeit

Teilen statt besitzen: Das Motto der „Sharing Economy“ steht auch beim Carsharing im Vordergrund. Die Nutzerzahlen steigen auch in Marburg kontinuierlich an.

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Thomas Großnann, Geschäftsführer von „Scouter“, plant etwa das „quartiersbasierte“ Carsharing im Südviertel – um auf das veränderte Mobilitätsbedürfnis von Nutzern einzugehen.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. In vielen Haushalten kommt das eigene Auto nur sporadisch zum Einsatz. Entsprechend können sich auch immer mehr Bundesbürger vorstellen, Carsharing-Angebote 
zu nutzen. „Aktuellen Umfragen zufolge trifft das bereits auf jeden Zweiten zu“, sagt 
Anja Smetanin vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). „Car
sharing erlaubt eine hohe Flexibilität ohne Anschaffungs- und Unterhaltskosten für ein Auto.“

Ein seit Jahren wachsendes Angebot deckt außerdem immer mehr Regionen ab. Laut Bundesverband Carsharing (bcs) ist die Zahl der Fahrzeuge von rund 4600 im Jahr 2010 auf 16.100 zu Beginn dieses Jahres gestiegen. Mehr als 1,2 Millionen registrierte Carsharing-Nutzer gibt es in Deutschland, was einem Zuwachs von 21,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Auch in Marburg wird Carsha
ring von Jahr zu Jahr beliebter. Die Zahlen sind zwar nicht ganz so deutlich, wie im bundesweiten Schnitt gestiegen – dennoch wird die Szene größer. „Unser Wachstum an Umsatz sowie an getätigten Fahrten betrug in den Jahren 2014 und 2015 und auch im ersten Halbjahr 2016 jeweils zwischen 10 und 13 Prozent im Vergleich zum jeweils vorhergehenden Jahr“, sagt Thomas Großnann.

Konkrete Nutzerzahlen will er nicht nennen, „wir sind für die Stadtgröße aber weit entwickelt“. Großnann ist Geschäftsführer von „Scouter“ – der Anbieter „einfach mobil“ hat jüngst einen Namenswechsel vollzogen. Warum? „Unter diesem Namen haben wir bereits Carsharing in Bonn, Würzburg und Nürnberg angeboten“, erläutert Großnann.

In Marburg gibt es derzeit
 45 Autos an 21 Stationen

Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, denn die Marke sei in Marburg – ebenso, wie in Kassel und Gießen – etabliert. Doch der Markt wachse – „ein Anbieter muss 
eine gewisse Größe haben, um etwa mit Versicherungen oder 
Automobillieferanten erfolgreich verhandeln zu können“, so Großnann.

Diese „Marktmacht“ sei durch die Zusammenführung der beiden Marken nun gegeben – gesteuert werden die Standorte von Marburg aus, wie Großnann sagt. 45 Fahrzeuge an 21 Standorten hat „Scouter“ in Marburg im Einsatz, insgesamt sind es 330 Fahrzeuge in den bisherigen Städten.

Für den Geschäftsführer liegen die Vorteile des Carsharing klar auf der Hand: Im Vergleich zum Besitz eines eigenen Autos sei das „Teilzeit-Auto nach Bedarf“ günstiger, „außerdem kommt es zu Entlastungseffekten in der Innenstadt – und auch der Umweltschutz spielt eine Rolle“.

Die Nachhaltigkeit und ressourcenschonende Mobilität stehe im Vordergrund, „wir haben schon seit vielen Jahren den kompletten CO2-Ausstoß unserer Flotte kompensiert“, sagt Großnann. Dies geschehe ganz transparent über die Schweizer Stiftung Organisation „Myclimate“, die mit den Ausgleichs-Abgaben, die das Unternehmen zahlt, ein Wiederaufforstungs-Projekt in Nicaragua betreibt.

Mobilitätsbedürfnis der Menschen ist gestiegen

Das Mobilitätsbedürfnis der Menschen sei in den vergangenen Jahren gestiegen, „einfach, weil unser Leben schneller geworden ist und der Alltag mehr Anforderungen stellt“, sagt Großnann. Die Anforderungen seien komplexer geworden – „dies müssen wir mit einem Angebot befriedigen, das viele Seiten hat“.

So zum Beispiel mit einer neuen App, mit der Autos beispielsweise schon aus dem Zug heraus gebucht werden könnten – ohne Telefon-Hotline. 
„Damit kann man sogar das 
Auto öffnen und benötigt nicht einmal die Kundenkarte“, verdeutlicht der Geschäftsführer.

Derzeit praktiziert „Scouter“ noch das sogenannte „stationsbasierte Carsharing“: Der Kunde entleiht das Auto an einem festen Punkt und gibt es dort wieder ab. Doch das könne sich zukünftig ändern, denn Großnann sagt: „Wir wollen das Produkt Carsharing so einfach wie möglich machen.“ Das spiegele 
sich etwa in der neuen, vereinfachten Preisstruktur wider. Und auch in einer quartiersbasierten Form des sogenannten „Free-Floating“.

Bald noch mehr Spontanität möglich

Beim „Free-Floating“ können 
sich die Autos an beliebigen Punkten in einem definierten Bereich befinden. „Wir wollen aber nicht, dass sich jemand im Südviertel ein Auto leiht und es am Bahnhof stehen lässt – denn es soll keine Konkurrenz zum ÖPNV werden“, verdeutlich Großnann.

Denkbar sei aber, dass man das Auto etwa im Südviertel „abholen und dann auch wieder überall im Quartier stehen lassen kann“. Die App weise dem Nutzer kurz vor Fahrtbeginn ein Fahrzeug zu, „der Clou ist, dass man das Auto nicht buchen muss, sondern es einfach mit der App benutzen kann“. Der Reiz liege in der spontanen Nutzbarkeit.

Man sei in Gesprächen mit der Politik, „denn wir brauchen natürlich Parkflächen für etwa 15 Autos“. Nun müsse die Politik davon überzeugt werden, „dass zwar zusätzliche Autos in ein Areal kommen, was problematisch klingt. Aber unsere Erfahrungen und auch Studien zeigen, dass durch das Angebot ein Mehrfaches an Autos ausgespült wird“, erläutert Thomas Großnann.

Der Vorteil: Im Gegensatz zum stationsbasierten Carsharing, bei dem ein Stellplatz, der entweder besetzt oder für ein 
 Auto reserviert sei, werde ein Stellplatz nie rund um die Uhr blockiert.

von Andreas Schmidt 
und Claudia Lüder

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