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Busfahrer werden wieder streiken

Ausstand Busfahrer werden wieder streiken

Die Gewerkschaft Verdi droht für die kommende Woche mit Streiks im Busverkehr, nachdem die Verhandlungen gestern endgültig scheiterten.

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Im vergangenen Dezember traten die Marburger Busfahrer bereits zweimal in den Ausstand – da die Tarifverhandlungen nun endgültig gescheitert seien, wird in der kommenden Woche wieder gestreikt.Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Wann genau wir streiken, werden wir derzeit noch nicht mitteilen“, sagt Thorsten Beliza, Betriebsratsvorsitzender bei der Marburger Verkehrsgesellschaft. Fest stehe, dass man in der kommenden Woche in den Ausstand trete, „und zwar für mehr als 24 Stunden“, so Beliza.

Anders als im Dezember wolle man die Bevölkerung jedoch diesmal deutlich vorher informieren. Denn, so der Betriebsratsvorsitzende: „Wenn wir schon länger streiken, sollen sich unsere Kunden auch darauf einstellen können.“

Umsetzung soll nicht lange auf sich warten lassen

Bereits im Dezember hatten die Busfahrer zweimal gestreikt, damals jedoch äußerst kurzfristig. Die Gewerkschaft verlangt für die Beschäftigten des privaten Busgewerbes einen Mindeststundenlohn von zwölf Euro (bislang 11,04 Euro), kürzere Arbeitszeiten und bessere Lenkzeitbestimmungen.

„Dabei waren wir uns fast einig geworden“, so Beliza. Die Arbeitgeber hätten sowohl der 39-Stunden-Woche als auch der Frderung nach zwölf Euro Stundenlohn bereits zugestimmt - allerdings hatten sie diese schrittweise bis 2016 in Aussicht gestellt. Das war den Busfahrern zu lang, „wir erwarten eine Umsetzung bis spätestens 2015“, so Beliza.

Er erläutert, dass der Beruf des Busfahrers im öffentlichen Personennahverkehr sich gewandelt habe - „von einem einst angesehenen Beruf mit großer Verantwortung zu einem Beruf mit Hilfsarbeiter-Image, das zeigt sich auch an der Bezahlung“.

Sein Kollege Jürgen Ubrig fügt hinzu, dass die Busfahrer fast rund um die Uhr für die Fahrgäste im Einsatz seien und Tag für Tag die Verantwortung für die sichere Beförderung von vielen Tausenden Passagieren übernähmen. „Dafür erwarten die Busfahrer endlich auch eine ihrer Verantwortung angemessenen Bezahlung und Anerkennung für ihre Leistungen“, verdeutlicht Ubrig.

Beliza rechnet vor, dass ein Busfahrer momentan eine Arbeitszeit von 174 Stunden im Monat zu leisten habe. Die Schichtzeiten lägen jedoch tatsächlich bei rund 200 Stunden monatlich, „das bedeutet, dass etwa 26 Stunden im Monat nicht bezahlt werden und als Zeit für Familie und Freizeit verloren gehen“.

Altersarmut ist vorprogrammiert

Für ihre Leistung erhielten die Busfahrer einen tariflichen Stundenlohn von 11,04 Euro - das entspreche einem monatlichen Bruttogehalt von 1920,96 Euro. „Laut Statistik gelten Familien mit zwei Kindern, die ein Einkommen von weniger als 2058 Euro haben, als arm. Wir Busfahrer liegen mit unseren Löhnen deutlich darunter“. In anderen Bundesländern erhielten Busfahrer zwischen 3,50 und 5 Euro mehr an Stundenlohn, „das ergibt eine Differenz von bis zu 870 Euro monatlich zu den hessischen Kollegen“, verdeutlicht er.

Diese niedrigere Entlohnung mache sich auch bemerkbar, wenn die Busfahrer in den Ruhestand gingen. „Private Altersvorsorge ist kaum möglich, Altersarmut ist vorprogrammiert“, ist sich Beliza sicher.

von Andreas Schmidt

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