Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 1 ° Sprühregen

Navigation:
Busfahrer wehrt sich gegen seine Abmahnung

Busfahrer wehrt sich gegen seine Abmahnung

Ein Busfahrer der Marburger Verkehrsbetriebe wurde wegen „äußerster Unfreundlichkeit“ abgemahnt und geht nun gerichtlich gegen diesen Eintrag in seiner Personalakte vor.

Marburg. Der Fahrer soll am 14. Januar auf den Lahnbergen einer Frau die Beförderung verweigert haben und sie auch äußerst unfreundlich des Busses verwiesen haben, weil diese zuvor den Notfallknopf auf der Außenseite des Busses betätigt habe - versehentlich, wie sie sagte, absichtlich, wie der Busfahrer beteuerte.

Der Fahrer erläuterte, dass er an der Haltestelle des Klinikums eine Pause gemacht habe. Dann habe er eine Frauenstimme gehört, mit den Worten: „Mal sehen, was passiert.“ Und dann sei der Notfallknopf gedrückt worden.

Daraufhin habe der Busfahrer sie „höflich zur Rede gestellt“, wie er versicherte. Die Kundin habe ihm lachend gesagt, es habe sich um ein Versehen gehandelt. Als der Busfahrer die Personalien der Frau aufnehmen wollte, habe sie diese verweigert - wohl aber erlaubt, dass er sie mit seinem Handy fotografierte. Daraufhin habe er den Vorfall per Funk dem Verkehrsmeister geschildert. Dieser habe ihn dann aufgefordert, die Kundin wegen Missbrauchs der Notrufeinrichtung des Busses zu verweisen.

Sein Arbeitgeber schilderte die Vorfälle jedoch anders. Denn die Kundin habe sich bei den Verkehrsbetrieben beschwert: Der Busfahrer habe sie gleich angeschrien. Dafür gebe es weitere Zeugen.

Der Fahrer habe sich zudem geweigert, die Türen vor der Abfahrtszeit zu öffnen und sei nicht eher losgefahren, bis er die Frau hinausgeworfen habe, was zu einer Verspätung von sieben Minuten geführt habe, so die Beschwerde einer weiteren Frau. Auch ein männlicher Fahrgast hatte sich über das Verhalten des Chauffeurs an diesem Tag beschwert: Er verdiene aufgrund der Vorfälle auf den Lahnbergen den Titel „unfreundlichster Busfahrer des Monats“, teilte der Mann mit.

Der Arbeitgeber hatte die Beschwerden an den Fahrer weitergegeben und um eine schriftliche Stellungnahme gebeten, „das ist in diesen Fällen bei uns üblich“, betonte Geschäftsführer Rainer Kühne. Allerdings habe der Fahrer dies verweigert.

Kühne betonte, dass die Zufriedenheit der Kunden das wichtigste Gut des Unternehmens sei. Daher würden die Mitarbeiter auch immer wieder in puncto Freundlichkeit geschult.

Ob die Frau den Knopf nun absichtlich oder aus Versehen gedrückt habe, sei nicht Kern der Debatte, verdeutlichte Arbeitsrichter Hans Gottlob Rühle. „Der Hauptvorwurf ist der, dass Sie die Kundin unangemessen behandelt haben“, verdeutlichte er. Dazu müsste man allerdings die Beteiligten anhören, denn das Gericht sei ja nicht dabei gewesen.

Beide Seiten wünschten sich eine richterliche Klärung: Der Fahrer, um zu wissen, „was sich Busfahrer gefallen lassen müssen“ und der Arbeitgeber, um klare Richtlinien zu haben. Daher war eine gütliche Einigung nicht möglich, ein Kammertermin, bei dem auch die Fahrgäste als Zeugen gehört werden, findet am 28. November statt.

von Andreas Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft