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Bunter Stilmix: „Jeder zitiert jeden“

Kunstsupermärkte Bunter Stilmix: „Jeder zitiert jeden“

Seit Ende der 90er Jahre sorgt der „Kunstsupermarkt“ von Marburg aus dafür, dass qualitativ hochwertige Grafik, Malerei und Skulpturen auch für den kleinen Geldbeutel erschwinglich sind.

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Julia Loytved und Mario Teres begutachten in ihrer Firmenzentrale ein Werk des Graffitikünstlers Golif.

Quelle: Carsten Beckmann

Marburg. Ein Picasso für 179 Millionen Dollar, ein Akt von Modigliani für 170 Millionen – das sind die Preise, die bei Christie‘s oder Sotheby‘s aufgerufen werden, wenn dort Kunst unter den Hammer kommt.

Ein Richard Stumm für 59 Euro, ein Akt von Giancarlo Manneschi für 110 Euro – das sind Preise, die Julia Loytved und Mario Teres in ihren Kunstsupermärkten auf die Etiketten schreiben. „Unsere Kunden kaufen keine Investitionsobjekte, sondern Bilder, die sie auch wirklich an die Wand hängen“, sagt Teres, der 1998 mit seiner Partnerin den ersten Kunstsupermarkt in Marburg eröffnete.

Ein Jahr später kam bereits ein zweiter Markt in Frankfurt hinzu, mittlerweile hat das Unternehmen Dependancen auf Sylt, in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Wien und Solothurn.

Mit Ausnahme des ganzjährig geöffneten Marktes auf der Nordseeinsel beziehen Teres und Loytved ihre Marktflächen saisonal begrenzt im Herbst und Winter – und zwar in höchst verkaufsträchtigen Lagen: In Frankfurt etwa hat sich der Kunstsupermarkt in diesem Jahr im Erdgeschoss der Galerie „MyZeil“ eingemietet, in Berlin im Quartier 205 an der Friedrichstraße, in Hamburg am Gänsemarkt.

„Gute Kunst ist 
Kunst, die sich verkauft“

Mittlerweile landen Arbeiten von 150 Künstlern in der Marburger Ernst-Giller-Straße: „Da sind noch viele aus der Anfangszeit dabei“, sagt Teres: „Und weiterhin auch viele aus dem Marburger Raum.“

Ulrich Harder, Richard Stumm, Dieter Liedtke oder Andre Maneke – sie alle haben dem Konzept der Kunst aus dem Supermarkt über die Jahre die Treue gehalten. Auch gegen die nicht verstummende Kritik aus der Kunstwelt, Bilder aus Supermärkten seien Ramschware. „Ja, das hören wir natürlich immer wieder“, räumt Julia Loytved ein, doch sie leiht sich ein Zitat von niemand anderem als Andy Warhol, um das Konzept zu verteidigen: „Gute Kunst ist Kunst, die sich verkauft.“

Und Teres legt noch einen drauf: „In der Neuen Zürcher Zeitung haben sie über uns geschrieben: Kunst ohne Markt ist wie Religion ohne Kirche.“ Nachahmer des Konzepts habe es in der Vergangenheit einige gegeben, erzählt der Kunsthistoriker – sowohl im Ausland als auch in Deutschland: „Erfolgreich war langfristig niemand damit.“

„Mittlerweile existiert in der Kunst alles gleichzeitig“

Künstler, die mit Teres und Loytved zusammenarbeiten wollen, stehen mittlerweile Schlange: „Es gibt jedes Jahr viele Anfragen, und wir schauen uns genau an, ob uns wirklich gute Kunst angeboten wird.“

Wer als Künstler mit Julia Loytved und Mario Teres langfristig erfolgreich sein wolle, müsse permanent Qualität liefern: „Das Publikum kann differenzieren und beobachtet über die Jahre seine Lieblingskünstler. Und wenn da zwischendurch die Qualität mal nicht stimmt, bleiben die Maler auf ihren Arbeiten sitzen.“

Ehrgeiziges Ziel des Kunstsupermarktes ist in diesem Jahr ein Gesamtabsatz von rund 10.000 Bildern. Und weil sich über Geschmack bekanntlich nicht streiten lässt, setzen Teres und Loytved auf einen möglichst breitgefächerten Stilmix. „Mittlerweile existiert in der Kunst alles gleichzeitig, jeder zitiert jeden“, begründet Julia Loytved, was Partner Teres als „eklektische Auswahl“ bezeichnet – zu gut Deutsch: Für jeden ist etwas dabei.

von Carsten Beckmann

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