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Gewerkschafter fordern Rentenreform

Aktionstag gegen Altersarmut Gewerkschafter fordern Rentenreform

Eine lange Bank hatten Gewerkschaftsvertreter am Freitag aufgestellt. Darauf, warnen sie, dürfe man das Thema Rente nicht schieben.

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Dr. Ulf Immelt, Organisationssekretär beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Mittelhessen, demonstrierte mit Mitgliedern des DGB-Kreisvorstandes für einen Kurswechsel in der Rentenpolitik.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Mit einem bundesweiten Aktionstag haben die Gewerkschaften darauf aufmerksam gemacht, dass Millionen Menschen von Altersarmut bedroht sind. Vor dem Cineplex in Marburg demonstrierten am Freitag Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für einen Kurswechsel in der Rentenpolitik. Sie verteilten Papiertüten mit dem Slogan „Rente muss für ein gutes Leben reichen“, um mit Passanten ins Gespräch zu kommen. „Wir schaffen sozialen Zündstoff, wenn wir das Thema auf die lange Bank schieben“, warnte DGB-Organisationssekretär Dr. Ulf Immelt.

„Es ist ein gesellschaftlicher Skandal, dass jemand, der jahrzehntelang geschafft hat, eine Rente unter Sozialhilfeniveau bekommt“, kritisierte der DGB-Kreisvorsitzende Pit Metz. „Dieses Thema bringen wir in den Wahlkampf ein.“ Vor allem für heute junge Arbeitnehmer werde die Rente zum Problem. „Das Lohnniveau ist schon so niedrig, dass ein Berufseinsteiger sich nicht in der Lage sieht, etwas für die private Altersvorsorge zurückzulegen“, warnte Metz.

Die gesetzliche Rente wird aber bei vielen unter dem ­Niveau der Grundsicherung liegen, so dass sie zum Sozialamt müssen, zeigen Berechnungen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Demnach muss schon beim heutigen Rentenniveau von 48 Prozent ein Vollzeit-Arbeitnehmer in 45 Beitragsjahren mindestens 11,42 Euro pro Stunde verdienen, um eine Rente oberhalb der Grundsicherung zu erreichen. Beim für das Jahr 2045 prognostizierten Rentenniveau von knapp unter 42 Prozent müsste der Stundenlohn mindestens 13,06 Euro betragen. Wer weniger als 45 Beitragsjahre erreicht oder nur in Teilzeit arbeitet, muss dementsprechend einen noch höheren Stundenlohn erzielen.

„Der Kuchen wird größer“

„Altersarmut betrifft vielfach Frauen“, sagte Organisationssekretärin Lisa Wüst. „Nach der Kindererziehung oder Pflege ­
eines Angehörigen kommen viele nicht mehr aus der Teilzeit heraus.“ Immelt sagte, es gebe „dringenden Handlungsbedarf“. Das Rentenniveau müsse zunächst bei 48 Prozent gefestigt und dann auf über 50 Prozent erhöht werden. Die Rente mit 67 sei eine Rentenkürzung, da viele nicht so lange arbeiten könnten.

Höhere Renten seien möglich, argumentierte Immelt. Denn das Bruttosozialprodukt wachse, während die Bevölkerung schrumpfe. „Der Kuchen wird größer, aber weniger Leute wollen ein Stück.“ Dass die Gesellschaft altert, sei daher kein ­Argument: „Demografie ist ein Kampfbegriff. Wer in der Sozialpolitik davon spricht, meint Sozialabbau. Wer von Beitragssenkungen spricht, will das Kapital entlasten.“ Das Renten-Rezept der Gewerkschafter: Leichte Beitragssteigerungen und der Umbau zu einer Bürgerversicherung, in die alle einzahlen.

Zudem müsse der Staat „Ordnung im Arbeitsmarkt schaffen“, also die Beschäftigung im Niedriglohnsektor, in Mini­jobs, Leiharbeit, Werkverträgen und befristeter Beschäftigung zurückdrängen, sagte Immelt. „Wer heute einen schlechten Lohn hat, hat später auch ­eine schlechte Rente.“

von Stefan Dietrich

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