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Bündnis fordert Aufschrei für Klinikum

UKGM Bündnis fordert Aufschrei für Klinikum

Um das Aktionsbündnis „Gemeinsam für unser Klinikum“ war es einige Zeit recht ruhig. Gestern rief es zu einer neuen Aktion auf - auch in Reaktion auf den noch unbeantworteten offenen Brief an Ministerpräsident Bouffier.

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Das Aktionsbündnis „Gemeinsam für unser Klinikum“ stellte am Freitag mit Unterstützern die Aktion am 28. Mai vor.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. „Gegen Stellenabbau und Überlastung“ steht auf dem gelben Plakat, das mit einer gesichtslosen Krankenschwester mit vier Armen illustriert wird. Diese hat kein Gesicht - und das hat laut Bündnissprecher Dieter Unselm auch einen Grund: „Eine Krankenschwester hat zu unserem Bündnis gesagt, dass sie so überlastet ist, dass sie nur noch durch die Zimmer rennt - die Patienten könnten gar nicht mehr ihr Gesicht sehen“, sagt er.

Slogan und Krankenschwester zieren auch ein Faltblatt, in dem das Aktionsbündnis einen neuerlichen Aufschrei für das Klinikum fordert.

„Wir rufen die Marburger zu einem Aktionstag am 28. Mai vor dem Haupteingang des Klinikums auf, weil wir meinen, dass es so nicht weitergeht an unserem Klinikum“, verdeutlicht Unseld. Die Belastung an beiden UKGM-Standorten - sowohl in Marburg als auch in Gießen - sei zu hoch, die Zahl der Überstunden steige kontinuierlich - ebenso, wie die Zahl der Überlastungsanzeigen, die bei den Betriebsräten eingehe. Diese Überlastungen gingen auch zu Lasten der Patienten, „die einen Anspruch auf beste Versorgung haben, die aber unter diesen Umständen nicht mehr gewährleistet ist“, verdeutlicht Unseld.

Bündnis verlangt Konzept aus der Politik

Aus diesem Grund fordere das Bündnis, dass es keinen weiteren Stellenabbau gebe - „sondern dass Personal eingestellt wird und dass Personalmindeststandards geschaffen werden“. Zudem solle die Rhön-AG als Betreiber der Kliniken sich zu einer vollumfänglichen medizinischen Versorgung in Gießen und Marburg bekennen.

Das Aktionsbündnis verlangt von der Landesregierung zudem ein Konzept für die Standorte, „aber darauf warten wir schon lange“, sagt Unseld. Und auch die Rückkehr des Klinikums ins öffentliche Eigentum ist eine Kernforderung des Aktionsbündnisses. „Aber das kann lange dauern“, weiß Unseld, „daher muss zunächst etwas fürs Personal und somit auch für die Patienten getan werden.“

Bettina Böttcher, Betriebsrätin am UKGM Marburg, betonte, dass auf den offenen Brief an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) vom vergangenen Freitag (die OP berichtete) bisher noch keine Rückmeldung erfolgt sei. „Es wurde vonseiten der Rhön AG zwar in Gebäude investiert - aber nicht in die Menschen, die dort benötigt werden“, erneuerte Böttcher ihre Kritik an der Personalpolitik - und das auch im Hinblick auf steigende Patientenzahlen. „Wir wollen eine gute Qualität beibehalten, aber die Arbeit kann nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden, weil wir zu wenig Personal haben.“

Geld aus Kliniks-Verkauf in UKGM investieren

Daher benötige man einen qualitativen und quantitativen Personalmindeststandard. „Den könnte die Landesregierung gesetzlich einführen - wenn sie wollte“, so Böttcher. Doch die Regierung drücke sich vor dem Willen der Wähler. Ihr Gießener Kollege Klaus Hanschur betonte, dass sich die Situation in Gießen gleich darstelle. „Es ist umso unverständlicher, dass von Arbeitgeberseite Aktionen am Betriebsrat vorbei vorangetrieben werden“, sagte er - und meinte damit Abfindungsangebote an Mitarbeiter, die das Klinikum freiwillig verlassen (die OP berichtete).

Der Rhön-Konzern sitze noch auf einem Großteil des Geldes, das aus dem Verkauf von 43 Kliniken an Fresenius stamme - „davon müssen Investitionsmittel ins Uniklinikum fließen“, forderte Hanschur. „Es kann nicht sein, dass man auf der einen Seite sagt, man wolle ein Exzellenz-Konzern werden, auf der anderen Seite aber das Uniklinikum verhungern lässt - das geht nicht.“ Wenn man ein exzellenter Konzern werden wolle, müsse man auch eine exzellente Personalausstattung haben und exzellente Arbeitsbedingungen bieten. „Davon sind wir meilenweit entfernt“, konstatiert Hanschur.

Am Donnerstag, 28. Mai, findet nun also ab 17 Uhr ein Aktionstag unter dem Titel „Wir bringen mehr Personal ins Klinikum“ vor dem Haupteingang des UKGM statt. Man wolle den Beschäftigten mit der Aktion den Rücken stärken und hoffe auf eine große Beteiligung aus der Bevölkerung, wie Monika Biebusch vom Aktionsbündnis erläutert. „Wir werden den Beschäftigten unsere Hilfe anbieten - das wird wohl hauptsächlich symbolisch sein müssen, aber wir werden ein kleines Präsent zur Stärkung überreichen“, so Biebusch.

Sie verdeutlicht: „Es geht um unsere Versorgung - und jeder kann betroffen sein.“ Daher zähle man auf alle Bürger, dass sie auch diese Aktion zahlreich unterstützen würden.

von Andreas Schmidt

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