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Buchhandlung Elwert von Lehmanns übernommen

Traditionsbuchhandlung verkauft Buchhandlung Elwert von Lehmanns übernommen

Rudolph Braun-Elwert ist mit dem Verlauf seiner Geschäftsübergabe vollkommen zufrieden. Lehmanns übernimmt Mitarbeiter und Konzept.

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Nur die Tüten verraten, dass sich jetzt hinter Elwert Lehmanns verbirgt, sagt Teamleiterin Barbara Amend.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Es gibt viele Menschen, die glauben, dass ich mein Geschäft mit Wehmut abgegeben habe“, sagt Rudolph Braun-Elwert. Doch diese irren: „Ich bin glücklich, dass nicht der Zusammenbruch droht. Darauf bin ich stolz“, sagt der Geschäftsführer. In siebter Generation hat er den Familienbetrieb geführt. Elwert war über Jahrzehnte hinweg die erste Adresse für Literatur in Marburg. „Alle kommen irgendwann in das Alter, in dem man etwas abgeben muss. Ein Geschäft ewig führen zu können, das geht einfach nicht“, sagt der 66-Jährige.

Elwert hat keine familiären Nachfolger, sodass er seinen Laden verkaufte. Er habe Verantwortung abgeben können und es einen „weichen Übergang“ gegeben habe. „Wichtig war mir, dass die Mitarbeiter in Lohn und Brot bleiben und die Buchhandlung weiterhin den Ansprüchen an Belletristik und Wissenschaft in Marburg genügt“, so Elwert. Während die Hauptgeschäftsstelle an der Reitgasse von Lehmanns Media übernommen wurde, werden in der ehemalige Zweigstelle am Pilgrimstein jetzt Schuhe, Schmuck und Schals verkauft.  

Am Eingang steht immer noch Elwert

Auf den ersten Blick hat sich aus Sicht der Kunden ohnehin nichts geändert: Am Eingang steht immer noch Elwert, Rudolph Braun-Elwert ist immer noch im Geschäft zu sehen und nichts wurde umgeräumt. In einigen Wochen werde der neue Schriftzug noch angebracht, aber ansonsten soll sich für die Kunden optisch nicht viel verändern. „Doch hinter den Kulissen ändert sich viel“, sagt Thomas Flentge, Regionalleiter von Lehmanns und zuständig für die Standorte Marburg und Gießen. Da ist zunächst die Verwaltung, die ihren Sitz in der Lehmanns-Zentrale in Köln hat.

Weil keiner der Elwert-Beschäftigten nach Köln ziehen wollte, gehen zwei in den Vorruhestand. Das übrige Personal wird von Lehmanns übernommen oder arbeitet im Antiquariat weiter, das Elwert weiterhin führt, heißt es. Die größte Veränderung ist aber die Einführung einer modernen Datenverarbeitung. „Wenn ein Titel im Lager fehlt, wird dies von der EDV sofort erkannt und nachbestellt“, erklärt Elwert. Das sei für seine ehemaligen Mitarbeiter eine große Erleichterung. Auch Flentge bestätigt, dass das EDV-System von Elwert veraltet gewesen sei. Nun werde jedes Buch neu erfasst. Das moderne System ermögliche vor allem „graue Literatur“, so werden wissenschaftliche Bücher von Akademien genannt, und ausländische Literatur schneller zu finden und zu bestellen.

Der "neue Elwert" bietet breitere Produktpalette

Lehmanns hat in Marburg am Steinweg bisher ein Geschäft für naturwissenschaftliche Fachliteratur, insbesondere Werke für Mediziner, geführt. Dass er nun auch „schöne“ Literatur verkaufen dürfe, sei eine Wohltat, strahlt Flentgen. Auch das Kulturangebot, das mit Elwert in Marburg verbunden war, bleibt erhalten, sagt Teamleiterin Barbara Amend, die nun mit Flentge einen neuen Chef hat. „Wir werden weiterhin Lesungen veranstalten. Wir hatten schon Autoren, die nachgefragt haben, ob das fortgeführt wird“, berichtet sie. Das wird es, verspricht Flentge. Was er nicht vorhersagen kann, ist, ob sich in fünf Jahren noch Bücher gut verkaufen lassen. „Der e-Book-Verkauf ist für den Laden fundamental“, sagt er. Auch das gehört zum Sortiment.

Im Blickpunkt: Thomas Flentge

Thomas Flentge führt Lehmanns in Marburg.

Thomas Flentge führt Lehmanns in Marburg.

Quelle:

Thomas Flentge ist ein Quereinsteiger, wie er sagt. Er studierte in Göttingen Germanistik, arbeitete acht Jahre als Buchhändler in der wissenschaftlichen Abteilung bei Elwert und wechselte vor anderthalb zu Lehmanns. Nun kehrt er in die Reitgasse zurück – in neuer Funktion. Flentge ist Regionalleiter der GmbH aus Köln und damit für die Standorte Marburg und Gießen zuständig. Auch wenn er sich freut, nun nicht mehr nur Medizinbücher zu vertreiben: Zeit für schöngeistige Literatur und überhaupt zum Lesen hat er in diesen Tagen nicht. Neben dem Umzug hat er auch wegen der Inventur alle Hände voll zu tun.

von Anna Ntemiris

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