Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Brillante Werte: Jeder Schliff zählt

Selten gewordene Handwerkskunst Brillante Werte: Jeder Schliff zählt

Der Stein funkelt – die Augen leuchten. Diamanten erzeugen Gefühle. Um sie ins rechte Licht zu rücken, benötigt ein Handwerker Feingefühl und Geduld.

Voriger Artikel
SPD-AG 60plus
 kritisiert 
Sparkasse
Nächster Artikel
„Spielt mit den Männer-Regeln“

Diamantschleifer Gerd Märker zeigte im Juweliergeschäft Semler sein Können an der Schleifscheibe. In der Hand hält er unterschiedlich große Brillanten auf Aufsätzen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Er sieht, hört, fühlt, ob seine Arbeit gut wird. Gerd Märker hat das, was viele Frauen gern tragen, ja begehren: Diamanten. Der Handwerksmeister aus Idar-Oberstein ist nach eigenen Angaben einer von zehn Diamantschleifern in Deutschland. In dieser Woche war er zu Gast im Juweliergeschäft Semler, um dort der Öffentlichkeit sein Können zu zeigen.

Die Unternehmerfamilie Semler hatte Gerd Märker anlässlich des 110-jährigen Geschäftsbestehens eingeladen. Wie die Schmuckhändlerin und Goldschmiedin Katrin Semler so staunten auch die Mitarbeiter und Kunden über das Handwerk von Märker. Hannelore Berdux, die mit ihrer Tochter Heidi Vogel, zu Semler gekommen ist, zeigt dem Meister ihren Ring. Ob alles echt und noch gut sei, will die ältere Dame wissen. Märker nimmt die Lupe, schaut kurz den Ring an: „Alles echt. Diamanten ziehen nur Fett an, das ist im Laufe der Jahre sichtbar“, beruhigt er die Kundin.

„Schauen Sie mal, was aussieht wie Kandis oder Mineralien sind Rohdiamanten“, sagt er und zeigt den Klunker. Ein Diamant sei die kubische Modifikation des Kohlenstoffs. Einen dieser Steine, einen Rohdiamanten, setzt er auf die Schleifscheibe, ein surrendes Geräusch ertönt. Die Höhe der Frequenz gibt dem Meister Hinweise auf die Güte des Schleifvorgangs.

„Ein Handwerk, das
 alle Sinne erfordert“

Nicht nur das Geräusch, auch die Vibration des Gerätes ist wichtig. „Das ist ein Handwerk, das alle Sinne erfordert.“ Und Gefühle – nicht nur das wörtliche Fingerspitzengefühl. „Diamanten sind pure Emotion“, weiß er. Die Damen, die ihm bei der Arbeit im Juweliergeschäft über die Schulter schauen, verstehen, was er meint. Es geht um jeden Millimeter, um jeden Winkel. Ein falscher Schliff vernichtet in Sekunden tausende von Euro.

„Diamanten werden mit Diamanten geschliffen“, erklärt Märker. Die Schleifscheibe besteht ebenfalls aus dem Edelstein. Gewicht (Karat), Farbe, Reinheit und Schliff bestimmen den Wert eines Diamanten. Das Schleifen ist eine Kunst: Nur dann, wenn jede Proportion stimmt, kann der Stein seine volle Schönheit entfalten – das Licht wird so gebrochen und reflektiert, dass der Diamant prachtvoll funkelt. Ein perfekt bearbeiteter Stein kann selbst bei schwachem Kerzenlicht funkeln.

Die meisten Deutschen mögen den Diamanten als Brillantform. Jeder Stein wird von Hand in eine Fassung eingesetzt und „niemals geklebt“, erklärt Katrin Semler.

Wichtig sei ihr, dass der Weg des Rohstoffs weitgehend nachvollziehbar ist und den ethischen Normen entspricht. Märker betont, dass der Rohstoff immer mehr gefragt ist, aber er in Afrika kaum noch vorhanden ist. Die Ressourcen seien bald verbraucht.

Der Markt in China wachse, ein Drittel der Chinesen wünschen sich einen Brillanten im Ehering, erklärt der Diamantschleifer. In Deutschland könne man mit zehn Kollegen der Nachfrage nicht mehr gerecht werden, die meisten Brillanten kommen aus Indien. „Dort sind 148.000 Diamantschleifer tätig“, sagt Märker.

„Ich finde keine Fachkräfte, habe nach anderthalb Jahren der Suche jetzt einen weiteren Kollegen aus Armenien angestellt“, erklärt er. Drei Jahre dauere die Ausbildung, aber sechs bis sieben Jahre Erfahrung seien nötig, um auch die ganz wertvollen Steine bearbeiten zu können.
„Unsere Arbeit erfordert Vertrauen. Unsere Kunden, ob Privatleute oder Händler, vertrauen uns ihre Wertgegenstände an“, erklärt der Handwerksmeister, der in seiner Werkstatt – die nicht für Besucher geöffnet werde – auch mit dem Computer arbeitet – beispielsweise zum Scannen und Messen.

von Anna Ntemiris

Sieht aus wie Kandis oder einfache Mineralien, ist aber ein Rohdiamant. Fotos: Nadine Weigel
 
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr