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Briefe kommen leer bei Kunden an

Ärger mit der Post Briefe kommen leer bei Kunden an

Armin Böhmer ist sauer auf die Post: Schon häufig habe er USB-Sticks an Kunden geschickt - angekommen seien aber mehrfach nur leere Umschläge. Seine Vermutung: bei der Post wird geklaut.

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Armin Böhmer hält den Briefumschlag in der Hand, der seiner Meinung nach „geplündert“ wurde: An der Seite ist der Umschlag aufgeschlitzt, der Eintrittsbutton fehlt.

Quelle: Andreas Schmidt

Caldern. Der 59 alte Jahre Armin Böhmer ist freiberuflicher Fotograf und Kameramann. Und das Internet in Caldern ist nicht besonders schnell. „Also bin ich beim Versand von Fotos oder Filmen auf den Postweg angewiesen“, sagt er.

Was macht er also? Er kopiert die Daten auf einen USB-Stick, steckt diesen in einen Briefumschlag und schickt ihn an den Kunden - soweit kein Problem. Doch vor allem, wenn er seine Fotos und Filme an ein Makler-Büro in Gladenbach schickt, bangt Böhmer um seine Daten. Denn: „Bei zwei Sticks ist es vorgekommen, dass sie nicht angekommen sind. Sie sind wohl irgendwo im Nirvana verlorengegangen.“

Auf Nachfrage bei einem Call-Center der Post bekam Böhmer die lapidare Antwort, „wir nehmen die Sache auf, sie hören von uns“. Auf diese Rückmeldung wartet der 59-Jährige immer noch. „Als ich nach einigen Wochen wieder angefragt habe hieß es, bei den Ermittlungen sei nichts herausgekommen. Und als ich fragte, wer mir die beiden USB-Sticks ersetze, hat man mir Briefmarken im Wert von fünf Euro angeboten. Da war ich wirklich sauer.“

Im Februar dasselbe Spiel: Böhmer hatte Probeaufnahmen des Künstler Tobias Wessels gemacht, wollte ihm diese zuschicken. „Ich habe extra einen Luftpolsterumschlag genommen, diesen mit Paketband verklebt und ein erhöhtes Porto gezahlt“, sagt er. Der Brief kam auch beim Empfänger an - doch er war leer. „Tobias hat mich angerufen, dass er den Brief im Beisein eines Gitarrenschülers geöffnet hatte, im Umschlag war aber nichts“, sagt Böhmer. Es folgte ein weiterer Beschwerde-Anruf bei der Post - erneut blieb eine Antwort aus.

Eine Zeit lang blieb es ruhig. Doch vor zwei Wochen kamen die bösen Erinnerungen wieder hoch: Böhmer hatte im vergangenen Jahr auf dem „Blues, Schmus, Apfelmus“-Festival eine Band kennengelernt, die er auch in diesem Jahr wieder ablichten sollte. „Also hat mich ein Bandmitglied angerufen, ob ich noch einen Eintrittsbutton benötige.“ Für seine Lebensgefährtin nahm er dieses Angebot dankend an.

Brief aufgeschlitzt, Eintrittsbutton weg

„Der Brief kam, und ich wunderte mich noch, dass kein Button drin war. Aber vielleicht hatten die Veranstalter ja mittlerweile auf Eintrittskarten umgestellt“, erinnert sich Böhmer an seine ersten Gedanken.

Doch das griff zu kurz. Denn der Button war verschwunden: Am Flyer der Band ist noch der Einstich zu sehen, wo der Eintrittsbutton mit der Nadel befestigt war - und auf der linken Seite ist der Brief in Größe des Buttons aufgeschlitzt. „Heutzutage kann man wohl alles gebrauchen. So was ist mehr als dreist“, sagt Böhmer. „So etwas kann doch eigentlich nur im Verteilzentrum passieren, mutmaßt er.

Mittlerweile habe er eine schnellere Internetverbindung, sodass er keine USB-Sticks mehr verschicken müsse. Doch das Grund-Übel bleibe bestehen: „Ich habe für eine Dienstleistung bezahlt, also kann ich auch eine ordnungsgemäße Erfüllung erwarten - und nicht nur fadenscheinige Ausflüchte am Telefon oder Briefmarken im Wert von fünf Euro“, so Böhmer.

„Ich will nicht ausschließen, dass es irgendwo eine kriminelle Energie von Mitarbeitern gibt, die zuschlagen, wenn sich die Gelegenheit bietet“, sagt Axel Böhm. Der Fast-Namensvetter des Geschädigten ist Pressesprecher der Post. Er könne sich einen Diebstahl in dieser Häufigkeit bei einem einzelnen Kunden allerdings kaum vorstellen. „Wenn ein Zusteller eine Sendung aufmacht, ist das ohne wenn und aber das K.O.“, sagt Böhm.

Einen Diebstahl im Verteilzentrum könne er ebenso nahezu gänzlich ausschließen - und zwar aus einem einfachen Grund: „Die Sendungen werden nahezu komplett von Maschinen gelesen, bearbeitet und sortiert. Erst auf der ,letzten Meile‘ bekommt der Postbote die Sendung überhaupt in die Hand“, erklärt der Sprecher. Dabei sei dieser auch einer gewissen Kontrolle unterworfen.

Böhm wisse, dass häufig feste Gegenstände per Brief verschickt würden. „Es ist immer die Frage, wie gut so etwas verpackt ist“, sagt er. Denn die Umschläge würden in den Maschinen über Umlenkrollen laufen. „Dann gibt der Brief nach - der Button oder USB-Stick aber nicht. Der Brief kann aufplatzen und die Ware herausfallen“, erläutert Böhm.

Sei dies der Fall, würden die Teile in die Maschine fallen und dort abends gefunden. Denn jeden Abend würden die Maschinen kontrolliert - alles, was gefunden werde, lande im Briefermittlungszentrum Marburg.

Böhm kann sich die Häufung der Vorfälle im aktuellen Fall nicht erklären - will sich aber mit dem Kunden in Verbindung setzen und versuchen, den Problemen auf den Grund zu gehen.

von Andreas Schmidt

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