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Bosch setzt in Lollar künftig auf Bremsscheiben

Unternehmen investiert 40 Millionen Euro Bosch setzt in Lollar künftig auf Bremsscheiben

Bosch Thermotechnik 
investiert 40 Millionen Euro in die Gießerei in Lollar – denn Bosch will verstärkt ins Bremsscheibengeschäft einsteigen. 100 Arbeitsplätze sollen so entstehen.

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Die Gießerei von Bosch Thermotechnik in Lollar wird modernisiert: Dort sollen ab kommendem Jahr Bremsscheiben hergestellt werden.

Quelle: Andreas Schmidt

Lollar. „Wir haben vor einigen Jahren festgestellt, dass wir in unserer Gießerei beim Kesselgussgeschäft rückläufige Stückzahlen haben werden“, erläuterte Andreas Chiari, Standortleiter von Bosch Thermotechnik in Lollar.

Man habe also ein Alternativgeschäft benötigt – in der Folge fertigte man auch Guss für Kunden. „Mit den bestehenden Strukturen waren wir allerdings am Standort nicht wettbewerbsfähig“, erläuterte Chiari.

Es wurde ein Restrukturierungskonzept erarbeitet – mit den Bausteinen wettbewerbsfähige Personalkosten, Energieverbrauch und -kosten sowie einer Marktanalyse. „Bisher haben wir Grauguss gefertigt – wir benötigen noch Sphäroguss, weil unsere Kunden das wünschen“, erläuterte Chiari.

Zwei neue Tiegelöfen in diesem Jahr

Hinzu kam jedoch ein weiterer Punkt: Buderus Guss in Breidenbach, das ebenfalls zum Bosch-Konzern gehört, möchte wachsen – hat jedoch keinen Platz. Daher kooperiere man nun, um gemeinsam zu wachsen. „Ziel ist es, die Kapazitäten zu vervierfachen“, sagte Chiari – man wolle bis zu 100.000 Tonnen schmelzen „und so auch die Beschäftigung am Standort sichern“.

Erste Investitionen dafür wurden bereits im vergangenen Jahr getätigt. In diesem Jahr werde in zwei neue Tiegelöfen investiert, außerdem soll die Formanlage erweitert und eine verkettete Durchlaufstrahlanlage in Betrieb genommen werden.

Investitionen fließen auch in die Sandaufbereitung, die Kernfertigung und die Nachbearbeitung. „Ab dem nächsten Jahr werden dann die Investitionen fließen, um die Kompetenz bei Bremsscheiben zu erhöhen und dann auch hier in die Produk­tion zu gehen“, sagte Chiari.

Gemeinsames Wachstum

Das Bremsscheibengeschäft sehe man durchaus als Wachstumsmarkt – vor allem, weil Buderus Guss bereits einer der „global player“ am Markt sei. „Breidenbach platzt nahezu aus allen Nähten, dort werden viele Wochenendschichten gefahren“, sagte Chiari.

Gemeinsam wolle man das Wachstum gestalten. So gebe es bei Buderus Guss derzeit nur Vertikalguss – „in Zukunft werden wir aber mehr Bremsscheiben im Horizontalguss benötigen, weil die Durchmesser größer werden“, erläuterte Chiari.

Somit kämen die Horizontalanlagen in Lollar ins Spiel, „die wir dann besser auslasten können“. Im Zuge dieser Auslastung wolle man auch Arbeitsplätze schaffen – Chiari sprach von 100 Mitarbeitern im kommenden Jahr.

Michael Schiller, der kaufmännische Werksleiter, erläutert, dass man im Kundenguss in diesem Jahr rund 30 Millionen Euro Umsatz erzielen wolle. Den „großen Schwung“ durch die Bremsscheiben erwarte man ab 2020, „der Anlauf ist langsam und wird kommendes Jahr beginnen“, sagte er.

50.000 Heizkessel in mehr als 250 Varianten

Künftig strebe man 40.000 bis 50.000 Tonnen alleine an Bremsscheiben pro Jahr an. Derzeit produziere man rund 20.000 Tonnen, jeweils hälftig aufgeteilt auf Kundenguss und Heizungsguss. „Das Heizungsgeschäft wird eher leicht abnehmend sein“, so Schiller. Für 2020 plane man lediglich mit 10.000 Tonnen Heizungsguss, 30.000 Tonnen Kundenguss – und eben den 40.000 Tonnen Bremsscheiben.

Der Bosch-Industriepark in Lollar mit seinen rund 1 400 Mitarbeitern umfasst noch weitere Geschäftsfelder. So werden etwa in der Kesselfertigung dieses Jahr etwa 50.000 Heizkessel in mehr als 250 Varianten hergestellt – großteils in Öl-Brennwerttechnik, die im vergangenen Jahr in Deutschland um etwa 30 Prozent gewachsen sei. Mehr als fünf Millionen veraltete Ölheizungsanlagen gebe es noch in Deutschland, die ausgetauscht werden müssten. Auch die Gas-Brennwertkessel seien ein wichtiges Standbein.

Mit der Bosch KWK Systeme GmbH befindet sich in Lollar außerdem das Thermotechnik-Kompetenzzentrum für Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen für Biogase wie auch Erdgas mit Leistungen von zwölf Kilowatt bis zwei Megawatt. Dort gibt es auch ein neues Druckluft-Wärme-Kraftwerk, das mittels Erdgas – statt Strom – Druckluft und Wärme in einem Gerät erzeugt und so die Energieeffizienz in Fertigungsbetrieben erhöhen soll.

Die Regelgerätefertigung ist seit 55 Jahren in Lollar ansässig. Dort werden Leiterplatten bestückt und Regelgeräte sowie Module für die Steuerung von Heizungs-, Warmwasser- und industriellen Großanlagen oder Controller für das Smart-Home-System von Bosch gefertigt.

Akademie zur Weiterbildung

Denn am 1. Januar wurde die Robert Bosch Smart Home GmbH gegründet. Lollar ist einer ihrer drei Standorte. Von dort koordiniert ein 20-köpfiges Team einen Teil des Smart-Home-Komponentengeschäfts.

Auch das Ersatzteil-Zentrallager für Bosch Thermotechnik steht in Lollar. Auf einer Fläche von vier Fußballfeldern lagern rund 35.000 Ersatzteile für mehr als 40 Ländermärkte. 2009 eröffnete die Buderus Akademie, in der jährlich in 1 000 Kursen rund 10.000 Handwerkspartner geschult werden. Ein Schmuckstück ist die Zentralheizungsbibliothek, die mit 7000 Büchern wohl weltweit größte Fachbibliothek zum Thema Heiztechnik.

Schließlich entwickelt in Lollar die Bosch Danfoss Kompressor GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von Bosch Thermotechnik und der Danfoss Commercial Compressors, Kompressortechnologien für Wärmepumpen, Klimaanlagen und Kühlsysteme.

von Andreas Schmidt

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