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Am Krummbogen endet „Ära Stallberg“

„Bosch Car Service“ Am Krummbogen endet „Ära Stallberg“

Nach 30 Jahren Bosch Car Service Stallberg am Krummbogen ist Schluss: Dieter Stallberg geht in den Ruhestand, Petra Freihube übernimmt den Bosch-Service samt Team.

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Das Käfer-Cabrio ist eines der letzten Autos, das Dieter (rechts) und Dirk (links) Stallberg mit ihrem Team Steffen Grün (hinten, von links), Oliver Kneisel, Sven Brinker und Jannik Wagner (vorne links) reparieren werden. Der Oldtimer bekommt einen Austauschmotor.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Dieter Stallberg ist wahrlich ein Urgestein in der Marburger Kfz-Szene: Gut drei Jahrzehnte lang führte er den Bosch-Service Stallberg am Krummbogen. Außerdem engagierte er sich Jahrzehnte lang auch ehrenamtlich rund um die Ausbildung der angehenden Auto-Fachkräfte – etwa als Lehrlingswart der Marburger Kfz-Innung oder als Mitglied im Prüfungsausschuss. Doch damit ist nun Schluss: Ende des Monats schließt der Bosch-Service Stallberg am Krummbogen, ab dem 1. Juli übernimmt Petra Freihube in ihrer Werkstatt in der Willy-Mock-Straße den Betrieb – und auch die Mitarbeiter.

„Die Firmengeschichte des Bosch-Diensts reicht sogar noch länger zurück“, sagt Dieter Stallberg. Denn bereits 1957 eröffnete der Bosch-Dienst Müller, Stallberg übernahm das Unternehmen 1987.

„Ich habe immer gesagt, die letzte Ausfahrt heißt für mich 70 Jahre, dann nehme ich die Ausfahrt. Das war vergangenes Jahr, jetzt ist Feierabend.“
Doch das ist nicht der einzige Grund, warum der Standort am Krummbogen aufgegeben wird. Denn mit Sohn Dirk Stallberg stünde ein Nachfolger bereit. „Allerdings sieht es so aus, dass die Grundstücke in Marburg in den vergangenen Jahren immens an Wert gewonnen haben – und dadurch steigen auch die Ansprüche eines Vermieters“, sagt Stallberg senior. „Wir sollten 50 Prozent mehr Miete zahlen – ohne, dass der Vermieter bereit gewesen wäre, dringend benötigte Investitionen zu tätigen. Das war für uns nicht machbar“, so Dieter Stallberg.

„Wohnungsmarkt lukrativer, als eine Werkstatt“

Und für Sohn Dirk ist klar: „Es kommen zahlreiche Herausforderungen auf uns zu – so gibt es beispielsweise neue Anforderungen, was Licht- und Bremsenprüfstände oder Umweltauflagen angeht, um nur drei Beispiele zu nennen.“ Es seien Investitionen „in Höhe von 50.000 bis 100.000 Euro“ in den Standort nötig.

Dirk Stallberg sieht noch einen weiteren entscheidenden Nachteil für den Standort Krummbogen: „Marburg ist eine Umweltzone, und es ist klar, dass bald eine blaue Plakette für Dieselfahrzeuge oder Fahrverbote kommen werden. 30 bis 40 Prozent unserer Kunden haben ältere Dieselfahrzeuge, und natürlich auch die Lieferanten – die hätten uns alle nicht mehr erreicht.“ Er ist sich auch sicher: Wenn es Fahrverbote gäbe, dann würden auch die Kontrollen verschärft.

Vater und Sohn würde es nicht wundern, wenn das Grundstück nach dem Auszug relativ zügig an Investoren verkauft würde, denn der Wohnungsmarkt sei sehr lukrativ, „lukrativer, als eine Werkstatt es sein kann“.

Also begann die Suche nach einem strategischen Partner, der auch bereit war, das Team – also Dirk Stallberg und drei Mitarbeiter – zu übernehmen. Und diesen Partner fand Stallberg in der Firma Petra Freihube. „Das ist eine optimale Lösung“, freut sich Dirk Stallberg.

„Weiteres Standbein“ 
für Petra Freihube

Petra Freihube freut sich, dass sich der Bosch Car Service künftig unter ihrem Dach befindet. „Bosch möchte den Standort Marburg nicht unbesetzt lassen. Und da wir das Personal mit übernehmen können, ist das eine perfekte Ergänzung zu unserem bisherigen Angebot.“ Das Unternehmen gibt es bereits seit 56 Jahren in der Willy-Mock-Straße, es war viele Jahre Vertragshändler unterschiedlicher asiatischer Marken. Seit vier Jahren ist Freihube nicht mehr markengebunden, hat sich vor allem auf Karosserie, Lack und Autoglas spezialisiert. „Der Bosch Service ist ein weiteres Standbein für uns.“

Und wie schwer fällt Dieter Stallberg der Abschied? „Emotional war die Mieterhöhung natürlich ein Niederschlag“, gibt er zu, „aber als Unternehmer muss man damit umgehen können“. Er sei froh über die Lösung, die man gefunden habe. „Jetzt freue ich mich, dass ich und meine Frau, die ebenfalls hier mitgearbeitet hat, mehr Zeit haben.“

von Andreas Schmidt

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